Fotoblog über Flüchtlinge in Berlin "Die Taliban drohten uns zu töten"

Hunderte Menschen campieren vor dem Berliner Flüchtlingsamt LaGeSo. Der Fotograf Timo Stammberger porträtiert sie. Hier erzählt die Afghanin Naheed, wie sie vor den Taliban aus ihrer Heimat floh.
Foto: Timo Stammberger

"Ich bin Naheed und alleine aus Afghanistan gekommen. Es ist dort sehr unsicher, jeden Tag gibt es Anschläge, und unschuldige Menschen werden getötet.

Ich habe als Polizistin gearbeitet. Die Taliban sind gegen jeden, der auf Regierungsseite arbeitet. Sie bedrohten mich, und ich musste den Job aufgegeben. Dann arbeitete ich in einer Bank als Bereichsleiterin - bis es wieder Drohungen der Taliban gab, uns zu töten. Sie fingen an, mir nach der Arbeit zu folgen und verprügelten meinen Vater. Ich musste wieder aufhören zu arbeiten, auch mein Jura-Studium konnte ich nicht weitermachen.

Meine Arbeit und das Studium waren mein Traum, und es war sehr schwer für mich, nichts mehr machen zu dürfen. Trotzdem haben uns die Taliban weiter Angst gemacht. Ich entschied, das Land zu verlassen und mich in Sicherheit zu bringen. Ich bin die einzige Tochter in der Familie. Mit dem Flugzeug kam ich über Dubai und die Türkei in ein weiteres Land, an das ich mich nicht mehr erinnere. Von dort aus ging es dann mit dem Auto nach Berlin.

Die Flucht habe ich mit gespartem Geld finanziert. Es war für schwere Zeiten vorgesehen, und um meine Familie zu unterstützen. Jetzt bin ich alleine und von meiner Familie getrennt. Ich vermisse mein altes Leben, meine Freunde, meine Arbeit, aber vor allem meine Mutter.

Es ist so traurig, dass Menschen sich von ihren Liebsten trennen müssen, um in Sicherheit leben zu können. Ich bin noch nicht als Flüchtling anerkannt und hoffe sehr, dass ich einen Pass bekomme. Ich würde gerne studieren und eines Tages wieder meine Familie ganz nah bei mir haben, zusammen und in Sicherheit."


In dieser Serie berichten Menschen vom LaGeSo bei SPIEGEL ONLINE über ihre Flucht, alle Teile finden Sie unten.

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Mehr über das Fotoprojekt von Timo Stammberger erfahren Sie hier im Video:

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