Wassermangel in Mannheimer Flüchtlingsunterkunft "Die Versorgung muss besser werden"

In Mannheim hat es in einer Flüchtlingsunterkunft Tumulte gegeben, nachdem Wasserflaschen ausgegangen waren. Der Sozialpädagoge Manfred Asel war dabei. Die Situation, sagt er, habe ihn überrascht.

Ehemalige US-Kaserne in Mannheim: Mittlerweile leben hier Flüchtlinge
picture alliance / dpa

Ehemalige US-Kaserne in Mannheim: Mittlerweile leben hier Flüchtlinge

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Eine Meldung aus einer Flüchtlingsunterkunft in Mannheim hat am Dienstag Aufsehen erregt: Laut Polizei waren drei Männer bei der Getränkeausgabe leer ausgegangen. Daraufhin sollen über 200 Asylbewerber versucht haben, das Wasserlager aufzubrechen.

Anruf bei Manfred Asel, 59, in Mannheim. Der Sozialpädagoge betreut Flüchtlinge vor Ort und hat die Situation erlebt. Im Interview erklärt er, warum ein paar Flaschen Wasser die Gemüter hochkochen ließen.

SPIEGEL ONLINE: Herr Asel, warum eigentlich diese Aufregung? Gibt es in der Mannheimer Unterkunft kein Leitungswasser?

Manfred Asel: Doch, das gibt es. Viele Flüchtlinge kommen aber aus Ländern, in denen das Leitungswasser verunreinigt ist. Die Wasserwerke haben uns zwar bestätigt, dass hier in der Unterkunft alles unbedenklich ist. Viele Bewohner sind aber skeptisch. Es ist ein kulturelles Problem: Die Menschen müssten sich ihr Leitungswasser aus dem Bad holen, wo auch die Toilette ist. Ein Großteil der Flüchtlinge will das nicht. Für sie gilt das als schmutzig.

SPIEGEL ONLINE: Sie waren gestern dabei. Die Polizei spricht von Tumulten. Wie haben Sie die Situation erlebt?

Asel: Ich war schon überrascht, dass die Stimmung so hochgekocht ist und sich die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes genötigt sahen, die Polizei zu rufen. Bis dahin war es hier sehr friedlich. Das ist ja nicht selbstverständlich: Hier leben viele verschiedene Nationalitäten zusammen, teilweise über zehn Menschen in einem Zimmer. Tätliche Auseinandersetzungen gab es aber nicht, die Gemüter haben sich schnell wieder beruhigt.

SPIEGEL ONLINE: Wie wurde der Konflikt gelöst?

Asel: Über 200 Flüchtlinge haben sich gestern zusammengesetzt und fünf Personen auserkoren, die mit uns in der Beratungsstelle über das Thema Wasser gesprochen haben. Sie haben uns erklärt, warum sie sich Sorgen machen. Das ist schon bemerkenswert und ein Zeichen für einen guten Zusammenhalt in der Unterkunft. Auch die Polizei hat deeskaliert und viel mit den Flüchtlingen gesprochen.

SPIEGEL ONLINE: Was muss jetzt passieren?

Asel: Eine erste Reaktion auf die Vorfälle gibt es bereits: In einem eigenen Raum soll eine Trinkwasserleitung gelegt werden. Die Catering-Firma muss aber auch dafür sorgen, dass es in Zukunft keine Engpässe mehr gibt. Natürlich sind wir hier kein Luxushotel. Aber die Versorgung muss besser werden.

SPIEGEL ONLINE: Überall in Deutschland hört man von überfüllten Flüchtlingsunterkünften. Fühlen sie sich überfordert?

Asel: Nein. Ursprünglich hatten wir 160 Flüchtlinge in der Mannheimer Bedarfserstaufnahme-Stelle. Seit Mitte Juli sind es 1100. Das ist natürlich ein enormer Kraftakt für die Verwaltung. Da läuft nicht immer alles rund. Andererseits ist hier alles renoviert, die Asylbewerber müssen nicht wie andernorts in Zelten schlafen. Klar ist trotzdem: Die Asylverfahren müssen viel schneller bearbeitet werden.

Zur Person
  • privat
    Manfred Asel ist Sozialpädagoge und arbeitet in Mannheim. Der 59-Jährige leitet ein Team des Vereins Freundeskreis Asyl in der Bedarfserstaufnahme-Stelle. Mit Festangestellten und Praktikanten betreuen sie hier, in einem ehemaligen US-Kasernengelände, Flüchtlinge und beraten sie in Sozial- und Verfahrensfragen. Seit März ist der Karlsruher Verein in der Mannheimer Unterkunft aktiv.



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