Flüchtlingskrise Knobloch lobt das "Glanzlicht-Deutschland"

Das deutsche Engagement in der Flüchtlingskrise ist international angesehen - auch bei Charlotte Knobloch. Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden sieht in ihrem Land ein "Synonym für Hoffnung und Sicherheit".

Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Knobloch: "Hervorragendes Engagement"
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Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Knobloch: "Hervorragendes Engagement"


Menschen spenden Kleidung und Essen, Ehrenamtliche helfen an überfüllten Bahnhöfen - Deutschland hat für sein Verhalten in der Flüchtlingskrise international viel Lob erhalten. Dem schließt sich auch Charlotte Knobloch an. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern schrieb in einem Gastkommentar in der "Süddeutschen Zeitung": "Dieses Deutschland zu erleben ist wohltuend, gerade für die jüdische Gemeinschaft. Nicht zuletzt für jene, deren Erinnerung an Verfolgung und Flucht noch immer präsent ist."

Das Land, das sich im 20. Jahrhundert für die schrecklichsten Kapitel der Menschheitsgeschichte verantwortlich gezeichnet habe, sei heute zu Recht ein "Synonym für Hoffnung und Sicherheit", so Knobloch. Die 82-Jährige war bis 2010 Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland und von 2005 bis 2013 Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses.

Zwar zeugten die rechtsextremen Abwehrreflexe, Anschläge und Ausschreitungen auch von der dunklen Seite des Landes, schrieb sie. "Diese Bilder schockieren, überdecken jedoch nicht das Glanzlicht-Deutschland, das sich in den letzten Wochen entpuppt hat", so Knobloch. "Das hervorragende Engagement - am Limit - von Politik, Verwaltung, Polizei und Bürgergesellschaft demonstriert einen Staat in bester Verfassung."

Allerdings dürfe Deutschland nicht die Fehler früherer Jahre bei der Integration von Einwanderern wiederholen, warnte Knobloch. Die Eingliederung der Flüchtlinge in die Gesellschaft, das Schulsystem, den Arbeitsmarkt und in die Kultur und Werte Deutschlands: "Das ist das eigentliche Mammutprojekt."

Wer hier leben wolle, müsse verstehen und respektieren, dass die aktive Erinnerung an den Holocaust ebenso deutsche Staatsräson ist wie der Kampf gegen Antisemitismus sowie das Einstehen für die Existenz und die Sicherheit Israels.

kev/dpa



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