Merkel über Flüchtlinge "Ja, es sind sehr, sehr viele. Aber wir sind 80 Millionen"

In Nürnberg hat sich Kanzlerin Angela Merkel dem Dialog mit 60 Bürgern gestellt. Das wichtigste Thema: die Flüchtlingskrise in Deutschland. Die Kanzlerin plädierte für "möglichst viele Begegnungen".

Angela Merkel: Kanzlerin räumt Probleme ein
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Angela Merkel: Kanzlerin räumt Probleme ein


Gleich der erste Fragesteller beim Bürgerdialog in Nürnberg lobte die Kanzlerin für ihre Haltung in der Flüchtlingskrise. Er habe Angela Merkels Politik nie unterstützt, sagte der Lehrer, aber nun seine Meinung geändert. Einem Freund gehe es genauso. "Na dann sind wir ja schon drei", sagte die CDU-Chefin selbstironisch und mit Blick auf wachsende Kritik aus den eigenen Reihen.

Die Flüchtlingskrise war eines der wichtigsten Themen beim Bürgerdialog unter dem Motto "Gut leben in Deutschland" auf der Kaiserburg in Nürnberg, an der 60 ausgewählte Bürger teilnahmen.

Sie verstehe angesichts der hohen Flüchtlingszahlen und damit verbundenen Ängsten bei vielen Menschen die Sorge, dass die gesellschaftliche Mitte in Deutschland verloren gehen könne, sagte die Kanzlerin. Dagegen müsse mit "aller Macht" gearbeitet werden. Es müsse über Risiken ebenso wie über die Chancen der hohen Flüchtlingszahlen geredet werden, forderte die CDU-Chefin.

"Wir müssen alles daran setzen, die Mitte, die Deutschland so stark macht und die auch tolerant ist, zu erhalten", sagte Merkel. Sie plädiere deswegen für "möglichst viele Begegnungen", um keine Vorurteile aufkommen zu lassen. Dann werde die Integration gelingen. "Ja, es sind sehr, sehr viele. Aber wir sind 80 Millionen", sagte sie.

Die Regierungschefin räumte ebenso ein, dass die Bewältigung der Flüchtlingskrise "im Moment alles andere als perfekt" laufe. Sie verwies unter anderem auf eine fehlende europäische Regelung zur Verteilung von Flüchtlingen innerhalb der Europäischen Union.

syd/AFP



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