Prognose für 2016 Flüchtlingsandrang - Nahles erwartet mehr Arbeitslose

"Erst mal wird die Arbeitslosenzahl steigen": Ministerin Andrea Nahles rechnet mit Auswirkungen der Flüchtlingskrise auf den deutschen Stellenmarkt. Die Jobcenter sollen mehr Geld und Personal bekommen.
Andrea Nahles: "Wir können, wenn wir das gut machen, auch viele in Arbeit vermitteln"

Andrea Nahles: "Wir können, wenn wir das gut machen, auch viele in Arbeit vermitteln"

Foto: Markus Schreiber/ AP

Die Jobcenter stehen vor einer großen Aufgabe: Einerseits kommen viele Flüchtlinge nach Deutschland, andererseits sollen Langzeitarbeitslose nicht vernachlässigt werden. "Wir denken, dass im nächsten Jahr der Zustrom auf den deutschen Arbeitsmarkt deutlich ansteigt. Ich rechne auch damit, dass die Arbeitslosenzahlen steigen", sagte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles dem Deutschlandfunk .

Dies bedeute eine besondere Herausforderung für die Arbeitsagenturen. "Damit sich niemand Illusionen macht: Wir sind gut, wir können auch viele Leute vermitteln, aber es wird nicht von heute auf morgen erfolgen, und deswegen wird erst mal die Arbeitslosenzahl steigen", sagte Nahles. Das müsse aber niemanden beunruhigen. "Wir können, wenn wir das gut machen, auch viele in Arbeit vermitteln." Angesichts vieler offener Stellen und der erfreulichen Reaktion der deutschen Wirtschaft müsse es schon "mit dem Teufel zugehen", wenn dies nicht gelänge, sagte die SPD-Politikerin.

Asylbewerber dürfen zunächst gar nicht in Deutschland arbeiten. In den ersten drei Monaten ist ihnen das komplett verwehrt. Erst nach 15 Monaten fällt zudem die "Vorrangprüfung": Steht ein Deutscher oder ein EU-Bürger für den Job zur Verfügung, bekommen Asylbewerber keine Beschäftigungserlaubnis.

"Wir brauchen definitiv mehr Personal"

Die Arbeitgeber fordern eine Senkung dieser Fristen - denn der Bedarf an Arbeitskräften ist groß. Allerdings haben die Betroffenen auch aus anderen Gründen oft Schwierigkeiten, einen Job zu finden. So fehlen ihnen oft in Deutschland anerkannte Qualifikationen und Abschlüsse. "Das Hauptproblem ist aber die Sprache", sagte Nahles.

Nach Einschätzung des Münchner Ifo Instituts sind die meisten Flüchtlinge nicht gut genug für den deutschen Arbeitsmarkt qualifiziert. Damit die Flüchtlingskrise den Steuerzahler jedoch nicht dauerhaft überlaste, müssten die Zuwanderer so schnell wie möglich bezahlte Jobs annehmen, erläuterten die Wirtschaftsexperten in einer Mitteilung: "Es steht zu befürchten, dass viele von ihnen bei einem Mindestlohn von 8,50 Euro keine Beschäftigung finden, weil ihre Produktivität schlicht zu gering ist." Das Institut plädiert deshalb dafür, den Mindestlohn abzusenken.

Laut "Welt am Sonntag" will die Ministerin die Jobcenter mit zusätzlichen Mitteln stärken, um die Integration Langzeitarbeitsloser in den Arbeitsmarkt zu fördern. So solle eine Neiddebatte beim Rest der Bevölkerung vermieden werden. Auch personell solle in Jobcentern aufgestockt werden, sagte Nahles. "Wir brauchen definitiv mehr Personal, wir brauchen mehr Sprachkurse." Insgesamt wird der Bedarf auf 2800 zusätzlichen Stellen geschätzt.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will nach SPIEGEL-Informationen im Haushalt 2016 umfangreiche Einsparungen vornehmen, um die finanziellen Belastungen durch die Flüchtlingskrise schultern zu können. Die Maßnahmen sollen bis zu 2,5 Milliarden Euro bringen.

wit/dpa
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