Ungarischer Grenzzaun Balkanländer bereiten sich auf neue Flüchtlingsroute vor

Über Griechenland, Mazedonien und Serbien nach Ungarn: Die Westbalkanroute wird von Zehntausenden Flüchtlingen frequentiert. Doch dieser Weg wird immer beschwerlicher - darum wappnen sich nun Bosnien, Kroatien und Slowenien.
Serbisch-ungarische Grenze bei Röszke: Suche nach Alternativroute

Serbisch-ungarische Grenze bei Röszke: Suche nach Alternativroute

Foto: Gregor Mayer/ dpa

Keine Busse und kaum Hilfe, stattdessen Stacheldraht und rechte Demonstranten. Der Weg über Ungarn ist für Flüchtlinge kaum noch ohne Schikanen passierbar. Wie lange wird es noch dauern, bis die Flüchtlinge ihre Route ändern?

Nicht lange, wenn man den Regierungen der Balkanstaaten glaubt. Die bosnische Ausländerbehörde rechnet damit, dass wegen der angespannten Lage in Ungarn viele Flüchtlinge nach Bosnien ausweichen werden.

"Es könnten schon im Herbst mindestens 10.000 syrische Flüchtlinge aus Serbien nach Bosnien kommen, vielleicht werden es sogar mehr als 20.000", sagte der stellvertretende Leiter der Behörde Izet Nizam. Derzeit hielten sich etwa 160.000 Flüchtlinge auf serbischem Territorium auf. Es sei zu erwarten, dass ein Teil davon den Weg nach Bosnien einschlagen werde.

Heißt: Die neue Route würde nicht über Ungarn, sondern über Bosnien, Kroatien und Slowenien nach Österreich und Deutschland führen. Die bosnische Regierung arbeitet an einem Sicherheitskonzept und einem Plan für humanitäre Maßnahmen.

"Problem ganz Europas"

In Slowenien trafen sich am vergangenen Donnerstagmorgen Vertreter des Innenministeriums und der Polizei mit den Bürgermeistern der 13 Städte, in denen mit den meisten Flüchtlingen gerechnet wird.

Die Regierung in Belgrad derweil bereitet sich vor für den Fall, dass die Flüchtlinge das Land nur noch sehr begrenzt über die serbisch-ungarische Grenze verlassen können. Serbiens Arbeits- und Sozialminister Aleksandar Vulin sprach von einem Aktionsplan, den die Regierung für diesen Fall beschlossen habe. Zu der Frage, welche genauen Maßnahmen im Plan vorgesehen seien, sagte er nichts. Gleichzeitig forderte Vulin mehr Geld von der EU. Bis dato hat die EU 1,7 Millionen Euro an Serbien und Mazedonien gezahlt, um den beiden Transitstaaten bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise zu helfen.

"Die Krise ist kein Problem Deutschlands oder einzelner Länder, sondern ein Problem ganz Europas", sagte Serbiens Ministerpräsident Aleksandar Vucic nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel an diesem Montag in Berlin. Er widersprach damit dem ungarischen Regierungschef Orbán, der die Krise als ein deutsches Problem bezeichnet hatte. Die Flüchtlingskrise könne nur gemeinsam auf europäischer Ebene bewältigt werden, sagte Vucic. Im Rahmen einer gemeinsamen Strategie würde Serbien seinen Teil der Verantwortung übernehmen, auch wenn das Land selbst noch nicht zur EU gehöre.

Unterdessen erklärte der serbische Innenminister Nebojsa Stefanovic, dass das Land bereit sei für Gespräche über die Aufnahme eines Teils der Migranten. Die kroatische Außenministerin Vesna Pusic sagte beim Treffen der EU-Außenminister in Luxemburg: "Wir sind absolut gegen die Errichtung von Zäunen." Kroatien werde sich Flüchtlingen gegenüber sicher nicht einzäunen.

140.000 Migranten kamen in diesem Jahr über die sogenannte Westbalkanroute nach Ungarn, die über Griechenland, Mazedonien und Serbien führt. Der Andrang wird immer größer: Derzeit überqueren täglich etwa 5000 Menschen die Grenze von Griechenland nach Mazedonien.

Am Freitagabend entschied Ungarn, Flüchtlinge vom Budapester Bahnhof in Bussen an die österreichische Grenze zu bringen. Österreich und Deutschland erklärten sich daraufhin bereit, die Flüchtlinge einreisen zu lassen. Die Flüchtlinge hatten zuvor tagelang am Bahnhof festgesessen. Sowohl Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) als auch österreichische und ungarische Regierungsvertreter erklärten jedoch, dass es sich bei der Aktion um eine Ausnahme gehandelt habe.

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