Infografik So haben sich die Flüchtlingszahlen entwickelt

Im Vergleich zum Winter kamen im Juli nur noch wenige Flüchtlinge nach Deutschland. Zugleich wurden mehr Asylanträge bearbeitet, wie die Infografik der Woche zeigt.


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Als neue Heimat für Flüchtlinge hat sich Deutschland in den vergangenen zwölf Monaten stark gewandelt. Das Abkommen zwischen der EU und der Türkei sowie die Schließung der Balkan-Route haben den Weg nach Deutschland erschwert, das Asylpaket II hat den Familiennachzug für viele Flüchtlinge unmöglich gemacht. Das Ergebnis dieser Veränderungen zeigt sich auch in den offiziellen Statistiken. Deutlich weniger Schutzsuchende erreichen Deutschland, zugleich werden mehr Asylverfahren abgeschlossen.

Wie die Infografik der Woche von SPIEGEL ONLINE und Statista zeigt, wurden im November erstmals mehr als 200.000 Flüchtlinge im Erstregistriersystem Easy erfasst. Danach sank die Zahl der Registrierungen rapide und liegt seit April konstant bei rund 16.000, wie Zahlen des Bundesinnenministeriums zeigen. Die meisten Flüchtlinge kamen in allen Monaten dieses Jahres aus Syrien, Afghanistan und Irak nach Deutschland.

Im selben Zeitraum ist die Zahl der erledigten Asylverfahren gestiegen, von 22.700 im Juli des vergangenen Jahres auf mehr als 53.000 im Juli 2015. Allerdings wächst laut der jüngsten Asylstatistik des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) der Berg der anhängigen Verfahren weiter. Knapp 530.000 Fälle waren im Juli noch nicht entschieden, sechs Prozent mehr als im Vormonat - und doppelt so viele wie noch ein Jahr zuvor. Allein 118.600 Syrer warten derzeit darauf, dass ihr Erstantrag auf Asyl vom Bundesamt abgeschlossen wird.

Auch die Ergebnisse der Entscheidungen fallen mittlerweile tendenziell anders aus als noch vor einem Jahr. Das hängt zum einen mit den Herkunftstaaten der Flüchtlinge zusammen: Im vergangenen Jahr kamen noch mehr Menschen aus den Balkanstaaten nach Deutschland, vor allem aus dem Kosovo und Albanien, die inzwischen als sichere Herkunftsländer gelten.

Während Asylanträge von Flüchtlingen aus diesen Staaten häufiger abgelehnt werden, passiert das bei Schutzsuchenden aus Syrien oder Irak besonders selten. Von Januar bis Juli 2016 lag die Schutzquote für syrische Flüchtlinge bei rund 98 Prozent - also der Anteil der Asylverfahren, die mit einer Anerkennung als Flüchtling, einem Abschiebeverbot oder dem sogenannten subsidiären Schutz abgeschlossen wurden.

Erschwerter Familiennachzug

Gerade der subsidiäre Schutz wird inzwischen viel häufiger ausgesprochen. Asylbewerber werden dann nicht als Flüchtling im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention anerkannt, dürfen aber in Deutschland bleiben, weil ihnen ernsthafter Schaden droht oder sie aus einem Bürgerkriegsland stammen. Ihre Aufenthaltserlaubnis ist jedoch zunächst auf ein Jahr befristet und muss verlängert werden, zudem wurde mit dem Asylpaket II im März der Familiennachzug für diese Gruppe bis 2018 ausgesetzt.

Seitdem ist der Anteil dieser Schutzkategorie stark gestiegen. Während er in den ersten drei Monaten dieses Jahres noch unter einem Prozent lag, wurde im Juli 2016 bei fast jedem dritten erledigten Asylantrag subsidiärer Schutz ausgesprochen. Besonders häufig wurde in diesem Jahr Flüchtlingen aus Syrien subsidiärer Schutz gewährt. Bei ihnen endete jedes fünfte erledigte Asylverfahren in diesem Jahr mit dieser Entscheidung, für alle Herkunftsländer lag der Anteil nur bei einem Achtel.

Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl kritisierte, die häufigere Zuerkennung des subsidiären Schutzes sei politisch motiviert und diene dazu, die Zahlen des Familiennachzugs zu drücken. Wie im Juli bekannt wurde, ist es derzeit aber auch für anerkannte syrische Flüchtlinge schwierig, ihre Angehörigen nach Deutschland zu holen. Ursachen sind lange Wartezeiten, verlorene Pässe und die erschwerte Flucht aus Syrien.


Mehr Infografiken der Woche finden Sie auf der Themenseite.

che/agr



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