Rückläufiger Trend Bundesamt rechnet mit weniger Asylanträgen

Immer weniger Menschen stellen laut einem Medienbericht in Deutschland einen Erstantrag auf Asyl. Wie gefährlich der Weg nach Europa für Flüchtlinge ist, zeigen Zahlen der Uno.

Flüchtlinge bei der Erstaufnahme (Symbolbild): Zahl der Asylanträge sinkt
Michael Reichel/ DPA

Flüchtlinge bei der Erstaufnahme (Symbolbild): Zahl der Asylanträge sinkt


Der Trend setzt sich fort: Auch im laufenden Jahr wird die Zahl der Erstanträge auf Asyl in Deutschland nach Einschätzung der zuständigen Behörden leicht sinken. "Ich gehe davon aus, dass wir bis Ende des Jahres bei 140.000 bis 145.000 landen werden, also noch etwas weniger als 2018", sagte Hans-Eckard Sommer, Chef des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf), der "Bild am Sonntag".

Die Zahl der Asylanträge liegt damit weiter unter der Marke von 200.000, welche die große Koalition als Obergrenze angepeilt hat. Vor allem die CSU hatte auf diese Obergrenze gedrungen.

Im Jahr 2018 hatte die Zahl bei knapp 162.000 gelegen, im Jahr 2016 waren es noch 722.000 Erstanträge.

"Wir stehen derzeit bei etwa 110.000 Erstanträgen", sagte Sommer. Das entspricht elf Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl wurde bereits mit der jüngsten Monatsstatistik des Bamf im Oktober bekannt gegeben und bezieht sich auf die Monate Januar bis September 2019. Hauptherkunftsland war nach Angaben des Bundesinnenministeriums Syrien mit rund 30.000 Anträgen, gefolgt vom Irak mit knapp 11.700 Anträgen. Auf Platz drei kam die Türkei mit etwas mehr als 8300 Anträgen.

Sommer zufolge können die Behörden die derzeitige Menge der Anträge gut bewältigen. Bei den allermeisten Verfahren betrage die Bearbeitungszeit 3,1 Monate. "Lediglich kompliziertere Verfahren dauern länger. Daher liegt die Bearbeitungszeit für alle Verfahren insgesamt bei sechs Monaten."

Der Bamf-Chef wies darauf hin, dass nur 35 bis 38 Prozent der Anträge anerkannt würden. "Das heißt: Fast zwei Drittel der Personen, die nach Deutschland kommen, haben keinen Asylgrund."

Verdursten, Verhungern, Verkehrsunglücke: Tragödien auf dem Landweg

Das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hatte im Oktober aktuelle Zahlen veröffentlicht, die deutlich machen, welchen Gefahren Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa ausgesetzt sind. Bei der Flucht über das Mittelmeer seien in diesem Jahr bereits mehr als 1000 Menschen ertrunken. 2018 hatte das UNHCR 2277 Tote und Vermisste gezählt.

Das Hilfswerk warnt jedoch auch vor den Gefahren für Migranten auf dem Landweg. Es gehe davon aus, dass vermutlich mindestens doppelt so viele Menschen auf dem Weg zum Mittelmeer stürben wie im Mittelmeer selbst, sagte Vincent Cochetel, UNHCR-Beauftragter für die Situation der Flüchtlinge auf der zentralen Mittelmeerroute, der "Welt am Sonntag".

Wie viele es genau sind? Das kann laut Cochetel niemand "mit Sicherheit sagen, aber es ist eine Tragödie". Warum die Menschen sterben? Als Haupttodesursachen auf den Landrouten für 2018 nennt die Internationale Organisation für Migration (IOM) dem Zeitungsbericht zufolge Verkehrsunglücke, gefolgt von Verdursten, Gewalttaten, Verhungern und Krankheiten.

jus/dpa

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