Überfüllte Camps in Griechenland Deutschland lässt weitere geflüchtete Kinder einreisen

Wegen der schwierigen humanitären Lage in griechischen Flüchtlingscamps nimmt Deutschland Minderjährige von dort auf. Kürzlich sind wieder sechs Kinder in Frankfurt angekommen.
Geflüchtete aus dem Camp Moria kommen im Mai im Hafen von Piräus an

Geflüchtete aus dem Camp Moria kommen im Mai im Hafen von Piräus an

Foto:

Angelos Tzortzinis/ DPA

Die Lage in den Camps auf den ägäischen Inseln ist katastrophal, sie sind überfüllt, laut Helfern und Menschenrechtlern fehlt es an Wasser, Hygiene und Wohnraum für Zehntausende Flüchtlinge. Zehn EU-Mitgliedstaaten hatten sich deshalb bereit erklärt, unbegleitete Minderjährige von dort aufzunehmen. Im April kamen schon einmal rund 50 Jugendliche nach Deutschland, kürzlich sind noch einmal sechs Minderjährige am Flughafen Frankfurt eingetroffen.

Die sechs afghanischen Jungen im Alter von 13 und 14 Jahren kamen am 26. Juni am Flughafen Frankfurt an, wie das Bundesinnenministerium der Nachrichtenagentur dpa auf Anfrage sagte. Es handelt sich um Nachzügler aus einer ersten Gruppe im April. Sie sollen nun in Deutschland ein "ergebnisoffenes Asylverfahren" durchlaufen, wie eine Sprecherin erklärte. Selbst im Falle einer Ablehnung können sie aber vorerst bleiben, weil Deutschland normalerweise keine unbegleiteten Minderjährigen abschiebt.

Hilfsorganisationen kritisieren die Aufnahmezahlen als zu gering

Deutschland will nach einem Beschluss der Koalition aus CDU, CSU und SPD aus dem März 350 bis 500 Kinder von den griechischen Ägäis-Inseln aufnehmen. Zwei Gruppen sollen für die Aufnahme infrage kommen: Kinder, bevorzugt Mädchen, die ohne ihre Familie unterwegs sind, sowie schwer kranke Kinder und Jugendliche, die dringend behandlungsbedürftig sind. Da es kaum allein reisende Mädchen unter den Geflüchteten gibt, will sich die Bundesregierung nun auf erkrankte jugendliche Migranten konzentrieren. Inklusive Angehöriger dürfte es nach früheren Angaben von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) um rund 900 Menschen gehen.

Neben Deutschland haben sich weitere neun EU-Mitgliedstaaten bereit erklärt, insgesamt rund 1600 unbegleitete Minderjährige von den griechischen Inseln aufzunehmen. Unter anderem wegen der Coronakrise hatte sich die Hilfsaktion wiederholt verzögert. Ziel ist laut Innenministerium, "Griechenland bei der schwierigen humanitären Lage auf den griechischen Inseln zu unterstützen". Hilfsorganisationen kritisieren die Zahl der nun Aufgenommenen als viel zu gering.

mst/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.