Wegen Stopp des Bahnverkehrs Hunderte Flüchtlinge laufen auf dänischer Autobahn

Hunderte Flüchtlinge haben sich auf der dänischen Autobahn zu Fuß auf den Weg nach Schweden gemacht. Sie waren zuvor aus einem Zug geholt worden. Der Bahnverkehr zwischen Deutschland und Dänemark ist eingestellt, die Autobahn zweitweise gesperrt.

AP/ Polfoto

Nicht nur Deutschland ist ein begehrtes Ziel für Flüchtlinge. Viele wollen weiter in den Norden nach Schweden. Rund 300 Menschen haben versucht, das Land nun sogar von Dänemark aus zu Fuß zu erreichen und nutzten dafür die Autobahn.

Sie waren zuvor mit dem Zug nach Padborg in Südjütland kurz hinter der deutschen Grenze gelangt und in einer Schule in der Stadt einquartiert worden.

Die Polizei sperrte die E45 bei Padborg in beide Richtungen. Den dänischen Verkehrsmeldungen zufolge bestand die Sperre bis zum späten Abend fort. Erst um 21.30 Uhr teilte die dänische Straßenbehörde auf ihrer Website mit, dass der Streckenabschnitt wieder befahrbar sei - allerdings unter besonderer Vorsicht.

Unter den Flüchtlingen waren nach Angaben der Polizei viele Frauen, Kinder und ältere Menschen. Einige von ihnen hätten bereits nach kurzer Zeit darum gebeten, zurückgefahren zu werden.

Die Europastraße 45 führt auf deutscher Seite als A7 weiter und ist eine der wichtigsten Straßenverbindungen zwischen beiden Ländern. Laut Polizei gab es auch in Deutschland eine zwischenzeitliche Sperrung. Auf Bitten der dänischen Behörden sei die A7 zwischen Harrislee und der Grenze zwischen 10.30 Uhr und etwa 15 Uhr in Richtung Norden abgeriegelt worden.

Fotostrecke

8  Bilder
Flüchtlinge: Fußmarsch auf der dänischen Autobahn
Per Bahn geht zwischen Deutschland und Dänemark angesichts der Flüchtlingskrise gar nichts mehr. Die dänische Bahn hat auf Anweisung der Polizei den Zugverkehr zwischen beiden Ländern komplett eingestellt. Zwischen Flensburg und Padborg in Südjütland rollen auf unbestimmte Zeit keine Züge mehr, wie ein Sprecher der Bahngesellschaft DSB bestätigte.

Wie lange diese Regelung gelte, sei nicht bekannt, hieß es bei der Deutschen Bahn. Zwischen Hamburg und Kopenhagen fahren unter der Woche täglich in beide Richtungen je fünf Fernzüge. Auf der zweiten Verbindung Flensburg-Padborg sind täglich mindestens neun Züge unterwegs.

Schleswig-Holsteins Innenminister Stefan Studt forderte die Bundesregierung am Abend auf, umgehend mit der dänischen Regierung ein "verbindliches und transparentes Verfahren für die Durchreise und Übernahme von Flüchtlingen" zu vereinbaren. "Es ist von großer Bedeutung für beide Länder, dass die grenzüberschreitenden Verkehre so schnell wie möglich wieder frei fließen", erklärte der Sozialdemokrat.

Über die Grenze nach Dänemark

In den vergangenen Tagen waren laut dem dänischen Ministerpräsidenten Lars Løkke Rasmussen rund 3000 Flüchtlinge über die Grenze nach Dänemark gelangt. Die neue dänische Regierung fährt eine harte Linie in der Flüchtlingspolitik.

Auch auf den Fähren, die zwischen Puttgarden auf Fehmarn und Rødby auf der dänischen Insel Lolland verkehren, sollen vorübergehend keine Züge transportiert werden. Am Mittwoch hatte die Polizei eine Fähre aus Fehmarn mit etwa hundert Flüchtlingen an Bord im Hafen von Rødby gestoppt. Am frühen Abend war die Überprüfung der Ankömmlinge noch nicht beendet. Weitere Fähren mussten nach Polizeiangaben im Hafen warten. Seit gestern Nacht waren etwa 330 Flüchtlinge auf Lolland angekommen.

Die Polizei in Dänemark könne den Flüchtlingen die Weiterreise nach Schweden nicht erlauben, sagte eine Sprecherin. Wer sich nicht in Dänemark als Asylbewerber registrieren lassen will, muss damit rechnen, nach Deutschland zurückgeschickt zu werden.

Die schleswig-holsteinische Polizei hatte in Puttgarden am Mittwoch erneut einen ICE mit 80 Flüchtlingen mit Ziel Kopenhagen gestoppt. Laut Polizei wurde ihnen Unterkunft in schleswig-holsteinischen Erstaufnahmeeinrichtungen angeboten. Wie bereits am Dienstag will die Polizei auch in diesem Fall keine Gewalt anwenden. Derzeit laufen Gespräche zwischen Polizei und Flüchtlingen.

Am Dienstag hatte die Polizei 170 Flüchtlinge trotz fehlender Papiere mit dem Zug nach Dänemark weiterreisen lassen. Sie hatten sich nach dem Stopp ihres Fernzugs in Lübeck geweigert, in eine hiesige Erstaufnahmeeinrichtung gebracht zu werden.



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.