Flüchtlingsaffäre Cap Anamur trennt sich von Chef Bierdel

Ein Vierteljahr nach dem Flüchtlingsdrama im Mittelmeer trennt sich die Hilfsorganisation Cap Anamur von ihrem Vorsitzenden Elias Bierdel. Neue Chefin wird Edith Fischnaller, die bisherige medizinische Koordinatorin.


Elias Bierdel, Mitte Juli: Umstrittene Aktion im Mittelmeer
DPA

Elias Bierdel, Mitte Juli: Umstrittene Aktion im Mittelmeer

Köln - Die Personalie gab Cap Anamur heute in Köln mit. Bierdel war in die Kritik geraten, als er im Juli afrikanische Flüchtlinge mit dem Schiff der Organisation gerettet und nach Italien gebracht hatte. Die Behörden werfen ihm Beihilfe zur illegalen Einreise vor.

Bierdel gab nach der Rettung von 37 Afrikanern im Mittelmeer zwar Fehler zu. Gleichzeitig rechnete er aber auch mit dem Gründer der Organisation, Rupert Neudeck, und mit Innenminister Otto Schily ab, die die Vorgänge kritisiert hatten. Schily habe sich "sehr schnell und ohne verlässliche Datengrundlage" über ein laufendes Ermittlungsverfahren in Italien geäußert. Über Neudeck sagte Bierdel: "Er gehört zu den ganz wenigen Menschen in Deutschland, die sich auch ohne jede Detailkenntnis selbst zu sehr komplizierten Sachverhalten jederzeit öffentlich äußern dürfen." Sollte stimmen, was er über Neudeck gelesen habe, dann habe man es möglicherweise mit einem "bizarren Fall von senilem Zynismus" zu tun. Später entschuldigte er sich für diesen Satz.

Bierdel gab im Anschluss an die Aktion Versäumnisse bei der Seenot-Rettung der Afrikaner zu. Zum Beispiel habe die Hilfsorganisation zu spät Kontakt mit den italienischen Behörden gesucht. "Das hätten wir viel besser und leichter erreichen können." Bierdel wies aber Vorwürfe zurück, die Aktion sei eine Medieninszenierung gewesen. Er war nach der Aktion für fünf Tage in italienischer Untersuchungshaft.

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