Hamburg-Blankenese Anwohner von Nobelviertel blockieren Bau eines Flüchtlingsheims

Sie markieren heimlich Bäume, versperren Zufahrten und stellen Eilanträge: So will eine Gruppe von Anwohnern den Bau einer Flüchtlingsunterkunft in Hamburg-Blankenese stoppen.

Der Björnsonweg in Hamburg-Blankenese
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Der Björnsonweg in Hamburg-Blankenese


Im Hamburger Nobelstadtteil Blankenese sollten am Dienstag Bäume gefällt werden, um Platz zu machen für eine Unterkunft für 192 Flüchtlinge. Doch die Stadt musste das Vorhaben nach Protesten einiger Anwohner abbrechen - und nun sogar einen kurzfristigen Baustopp hinnehmen. Ein Anwohner hat beim Verwaltungsgericht einen entsprechenden Eilantrag eingereicht, sagte die Sprecherin des künftigen Betreibers der Flüchtlingsunterkunft, "Fördern und Wohnen".

Schon am Abend zuvor sei es zu Störungen gekommen. Als eine Biologin knapp 50 Bäume zum Fällen markieren wollte, sei sie von einer Person daran gehindert worden, die ihr die Spraydosen wegnahm. Anschließend seien weitere Bäume heimlich markiert worden. "Natürlich finden wir die eigentlichen Bäume wieder", sagte die Sprecherin - aber der Vorgang an sich sei schon ein deutliches Zeichen.

Am Dienstagmorgen dann, als die Bäume gefällt werden sollten, das nächste Zeichen: Rund 20 Autos versperrten den Weg für die Firma, die für die Arbeiten angerückt war. Die Fahrer der geparkten Wagen seien ausgestiegen und hätten Fotos gemacht. Das Bezirksamt Altona brach die Fällarbeiten wenig später ab, wie auch der NDR berichtet.

"Der Protest hat uns überrascht", sagt Susanne Schwendtke von "Fördern und Wohnen". Es gehe um eine vergleichsweise kleine Unterkunft, auch die Bauweise der neun Pavillons passe sich mit viel Holz "harmonisch" an die Umgebung an. "Eigentlich kennen wir die Blankeneser als sehr flüchtlingsfreundlich", sagt Schwendtke. So gebe es dazu bereits seit 1991 einen runden Tisch in dem Hamburger Stadtteil, der zu den Elbvororten zählt.

Dem NDR-Bericht zufolge gilt im Björnsonweg nur noch bis zum Wochenende eine Fäll-Sondergenehmigung. Werden die Arbeiten bis dahin verhindert, verzögere sich der Bau um ein halbes Jahr. Das Gericht soll noch am Donnerstag über den Eilantrag entscheiden.

vks

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