Pannenserie bei Regierungsfliegern Ministerium prüft, ob Lufthansa-Tochter Wartungsfehler gemacht hat

Der Beinahe-Absturz eines Regierungsfliegers hat Folgen. Der oberste Ermittler der Bundeswehr soll nun untersuchen, ob es systemische Probleme bei der Instandhaltung der Jets durch eine Tochter der Lufthansa gibt.
A340 Regierungsflieger "Konrad Adenauer" der Luftwaffe.

A340 Regierungsflieger "Konrad Adenauer" der Luftwaffe.

Foto: Ralf Hirschberger / DPA

Nach der gefährlichen Bruchlandung eines Regierungsfliegers Anfang der Woche in Berlin-Schönefeld lässt Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen untersuchen, ob es systemische Probleme bei der Wartung der sogenannten Weißen Flotte durch eine Tochter der Lufthansa gibt. Bereits am Mittwoch wurde deswegen der General Flugsicherheit angewiesen, den Unfall vom Dienstag aber auch mehrere andere Vorfälle der vergangenen Monate genau zu untersuchen.

Bei der Untersuchung durch den obersten Flugermittler der Bundeswehr geht es um die Frage, ob bei der externen Wartung der Regierungsjets nicht mit der nötigen Sorgfalt gearbeitet wurde. So vermuten die Ermittler bereits jetzt, dass die massiven Probleme eines Regierungsfliegers vom Typ "Global 5000" am Dienstag durch eine falsche Verkabelung der Spoiler an den Tragflächen des Jets ausgelöst wurden.

Gefährliche Schräglagen

Da der Business-Jet direkt aus der Wartung durch Lufthansa Bombardier Aviation Services kam, liegt die Vermutung nahe, dass dort nicht sorgfältig gearbeitet wurde. Die falsche Justierung der Spoiler war extrem gefährlich. So gerieten die Piloten schon in der Luft in gefährliche Schräglagen, es kam sogar zu einem Strömungsabriss. Bei der Notlandung dann verfehlte der Jet die Landebahn, schlitterte über den Rasen und wurde massiv beschädigt.

Es ist nicht das erste Mal, dass es Zweifel an der Wartung der Regierungsflieger durch die Lufthansa gibt. So kam auch der Jet, dessen Anti-Blockier-System bei einem USA-Flug von Bundesaußenminister Heiko Maas versagte, direkt aus der Wartung durch die Lufthansa. Der Vorfall endete zwar glimpflich. Allerdings stellte sich später heraus, dass die Lufthansa ausgerechnet das fehlerhafte Fahrwerk bei der Wartung ausgetauscht hatte.

Nach dem Pannenflug ging der A340 umgehend wieder nach Hamburg zur Technikabteilung der Lufthansa und wurde umfangreich gecheckt. Schon beim Rückflug zur Basis der Flugbereitschaft aber gab es erneut Probleme am gleichen Fahrwerk, wieder blockierte das sogenannte Anti-Skid-System, das ähnlich wie beim Auto das Blockieren der Reifen beim Aufsetzen von Verkehrsflugzeugen verhindern soll.

Lässt die Regierung die drei neuen Regierungsflieger vom Typ A350 umbauen?

Noch brisanter war ein Lapsus der Lufthansa Technik bei einer Generalüberholung des A340 im Jahr 2010. Damals wurde in den größten Regierungsflieger ein neues Kommunikationssystem eingebaut, die Flugbereitschaft der Bundeswehr wurde aber nicht wie vorgesehen über den Wechsel informiert.

Beim Pannenflug der Bundeskanzlerin im November 2018 zum G20-Gipfel nach Argentinien sorgte dies dafür, dass die Piloten nicht angemessen auf einen Stromausfall innerhalb der Bordelektronik reagieren konnten. Normalerweise hätten sie den Kurzschluss leicht überbrücken können. Ohne das wichtige Update des Bordhandbuchs aber fiel das komplette Kommunikationssystem aus und sie mussten nach Köln zurückkehren, die Kanzlerin musste am Ende Linie nach Buenos Aires fliegen.

Lufthansa Technik hatte sich damals auf die Formalie zurückgezogen, dass die Information über den Austausch des Systems nicht verpflichtend war. Eine entsprechende SPIEGEL-Meldung über den Fehler bei der Wartung hatte der Konzern dann mit dem allgemeinen Hinweis kommentiert, man halte sich an die Vorschriften im Luftverkehr. Die Aussage war damals von vielen Medien als Dementi interpretiert worden.

Für Lufthansa Technik ist die Untersuchung der Bundeswehr mehr als unangenehm. Die Tochter der deutschen Airline gilt als Premium-Dienstleister beim lukrativen Ausbau von Flugzeugen zu fliegenden Luxustempeln. Neben der Flugbereitschaft der Bundeswehr bedient das Unternehmen vor allem reiche Kunden aus aller Welt, die sich Flugzeuge in fliegende Wohnungen mit allen Extras umbauen lassen.

Zudem dürften die Recherchen Einfluss darauf haben, ob die Bundeswehr auch die drei neuen Regierungsflieger vom Typ A350 umbauen wird oder nicht. Wegen des Alters der sogenannten Weißen Flotte hatte die Bundesregierung sehr spontan die Bestellung der drei neuen Jets auf den Weg gebracht, der erste soll schon Ende 2020 ausgeliefert und dann mit einer VIP-Kabine ausgestattet werden.

Bei Lufthansa Technik war zunächst keine Stellungnahme zu den Zweifeln an der korrekten Wartung der Regierungsflieger zu bekommen. Der Sprecher des Unternehmens ließ entsprechende SPIEGEL-Anfragen vom Freitag unbeantwortet.

Video: Planespotter fotografiert Notlandung

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