Abfertigungschaos Ampel will rasch ausländische Hilfskräfte an deutsche Flughäfen holen

Lange Warteschlangen, vermisste Koffer, gestrichene Flüge: Die Deutschen wollen wieder reisen, doch die Flughäfen sind überfordert. Nun verspricht die Ampel Rettung aus dem Ausland. Vor allem ein Land soll helfen.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD)

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD)

Foto: Metodi Popow / IMAGO

Wegen fehlenden Personals gibt es derzeit an vielen Flughäfen Engpässe und dadurch lange Wartezeiten – die Lage droht sich während der Hauptreisezeit im Sommer zu verschärfen. Die Bundesregierung will als Abhilfe nun den kurzfristigen Einsatz ausländischer Beschäftigter möglich machen. »Wir ermöglichen, dass die Unternehmen Hilfskräfte aus dem Ausland, vor allem aus der Türkei, einsetzen können«, sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) bei der Vorstellung entsprechender Pläne der Regierung in Berlin.

Gemeinsam mit Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) bekräftigte die Ministerin, dass es keine Abstriche bei der Sicherheit geben dürfe. Die Hilfskräfte sollten außerdem nach Tariflohn bezahlt werden. Es fehlten vor allem Fachkräfte bei Bodendienstleistern und privaten Sicherheitsfirmen. Man wolle nun schnell Aufenthalts- und Arbeitserlaubnisse erteilen, sagte Faeser. Heil ergänzte, Lohn- und Sozialdumping sollten ausgeschlossen werden. Leiharbeit werde es nicht geben.

Die Union hatte das Vorhaben vorab kritisiert. »Das Flughafenchaos könnte dauerhaft mit inländischen Fachkräften gelöst werden«, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Thomas Bareiß (CDU), der »Rheinischen Post«. »Ich fordere die verantwortlichen Fachminister auf, in diesem Sinne zu handeln.«

»An der ein oder anderen Stelle übertrieben«

Europaweit streichen Airlines Tausende Flüge, um das überforderte System zu entlasten. Allein die Lufthansa nimmt für den Sommer rund 3000 Verbindungen an ihren Drehkreuzen Frankfurt und München aus dem Flugplan. Airline-Chef Carsten Spohr entschuldigte sich bei den Passagieren und räumte ein, dass man nach der Pandemie beim Sparen »an der ein oder anderen Stelle übertrieben« habe.

»Gut gelaufen ist das ganz offensichtlich bei den verantwortlichen Unternehmen nicht«, sagte Bundesverkehrsminister Wissing. Er stelle sich die Frage, warum die Unternehmen das sich andeutende Personalproblem nicht früh genug angepackt hätten. Die Fachkräftesicherung sei kein Thema, das neu wäre. »Dass ausgerechnet jetzt der Flugverkehr nicht funktioniert – also, mich ärgert das auch.«

Ähnlich äußerte sich die Parlamentarischer Geschäftsführerin der SPD-Fraktion, Katja Mast. Es sei »absolut verständlich«, dass sich die Menschen auf den Sommerurlaub freuten – »umso ärgerlicher, wenn der verdiente Urlaub dann im Frust endet«, sagte sie der Nachrichtenagentur AFP.

»Zwar waren es auch für Fluggesellschaften und Airportbetreiber mitunter harte Zeiten. Aber Tausende – oft auch kurzfristig – gestrichene Flüge, endlose Schlangen vor Sicherheitsschleusen und verlorenes Gepäck können keine Antwort sein«, kritisierte Mast. »Ich fordere alle Beteiligten auf, das endlich in den Griff zu bekommen.«

mrc/dpa/AFP
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