Sicherheitsprobleme bei Flugsicherung Nato-Manöver löste mysteriöse Radarstörungen aus

Zweimal verschwanden im Juni gleich mehrere Maschinen vom Radar der Flugsicherung in Deutschland und den Nachbarländern. Jetzt kam heraus: Militärmanöver der Nato waren offenbar Ursache der gefährlichen Störung.
Fluglotsen (am Bremer Airport): Gefährliche Störungen durch Manöver

Fluglotsen (am Bremer Airport): Gefährliche Störungen durch Manöver

Foto: Ingo Wagner/ dpa

Berlin - Die bisher mysteriösen Probleme bei der Flugsicherung in Deutschland und Österreich am 5. und 10. Juni dieses Jahres sind möglicherweise doch durch Nato-Manöver zur elektronischen Kampfführung ausgelöst worden. Die Bundesregierung berichtete kürzlich in einer Antwort an die Linksfraktion erstmals, dass die Nato an beiden Tagen in Ungarn und Italien eine Übung zur elektronischen Kampfführung mit dem Namen "NEWFIP" durchgeführt hatte. Bisher war nur bekannt, dass ein solches Manöver am ersten Tag der Störungen stattfand.

Bisher rätselten Experten über die durchaus gefährliche Störung bei der Flugsicherung. So verloren die Bodenkontrolleure des Flugverkehrs am 5. Juni von 13.55 bis 16 Uhr fünf und am 10. Juni von 13.22 bis 14.40 Uhr das sogenannte Sekundärsignal von insgesamt 54 Verkehrsfliegern in Süddeutschland. Auch in Tschechien, Polen und Österreich gab es das gleiche Phänomen: Zwar sahen die Lotsen die Flugzeuge noch auf dem Radar, allerdings meldeten diese wichtige Daten wie Geschwindigkeit und Flughöhe nicht mehr.

Fluglotsen schlugen Alarm

Die Fluglotsen am Boden schlugen wegen der Störung umgehend Alarm. Aus Sicherheitsgründen wurde sofort die Dichte des Flugverkehrs, also die Zahl der Flugzeuge im Luftraum, vermindert, um mögliche Zusammenstöße zu verhindern. Durch die Sicherheitsmaßnahme entstanden bei den Airlines Verspätungen von insgesamt rund 40 Stunden. Das Verkehrsministerium schreibt nun, die Ursache für die Störung, im Fachjargon "Spurlücke" genannt, sei eindeutig "durch eine externe Quelle" ausgelöst worden.

Nach der Störung war vermutet worden, dass das Nato-Manöver "NEWFIP" in der ungarischen Region Kecskemet die Ursache für die Spurlücke am 5. Juni gewesen sein könnte. An der Übung, bei der als elektronische Kampfführung auch das Stören des Radars geprobt wird, nahmen damals die 59. ungarische Fliegerbasis Szentgyörgyi Dezsö, ein Luftabwehr-Regiment und das Radarregiment Veszprem teil. Da die Störung aber am 10. Juni erneut auftauchte - damals wurde in Ungarn nicht mehr geübt - wurde die These wieder verworfen.

Durch die Antwort der Bundesregierung aber wird der Verdacht wieder aktuell. So berichtet das Verkehrsressort, auch vom 9. bis zum 20 Juni habe die Nato im Rahmen der Operation "NEWFIP" geübt - dieses Mal aber nicht in Ungarn, sondern in Italien. Ebenso berichtet das Ministerium, dass eine mögliche Rolle der Militärallianz derzeit vom Hauptquartier des Allied Air Commands der Nato in Ramstein geprüft würde. Ein Ergebnis liege aber noch nicht vor.

Der Linken-Politiker Andrej Hunko, der die Fragen an die Bundesregierung gestellt hatte, kritisierte die zuständigen Stellen wegen ihrer Informationspolitik. "Es liegt auf der Hand, dass das Nato-Manöver ursächlich für die Störungen war", sagte Hunko zu SPIEGEL ONLINE. "Deswegen ist es empörend, wie die deutsche Flugsicherung den Vorfall bis heute herunterspielt". "Dass die Nato den Fall nun lediglich intern aufklären soll", so der Bundestagsabgeordnete, "lässt bei mir keinerlei Beruhigung aufkommen."

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