Förmlicher Protest Bischöfe wettern gegen Stoibers Familienfrau

Eine unverheiratete Mutter hat als Familienexpertin im Kompetenzteam des Unionskanzlerkandidaten nichts verloren. Das zumindest findet die Deutsche Bischofskonferenz und hat jetzt offiziell bei den C-Parteien Protest gegen die Berufung von Katherina Reiche eingelegt.


Die Frau, die katholische Bischofsgemüter erregt: Katherina Reiche
AP

Die Frau, die katholische Bischofsgemüter erregt: Katherina Reiche

Fulda - Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen bestätigte am Mittwoch, "dass die Bischofskonferenz über das katholische Büro in Berlin und ihr Sekretariat deutlich bei der CDU/CSU-Führung interveniert hat". Die unverheiratete Mutter Reiche ist im Stoiber-Team für die Familienpolitik zuständig.

Algermissen sieht in der Berufung der Politikerin aus Brandenburg keine Grundsatzentscheidung der Union sondern wahltaktische Überlegungen. Dagegen hatte der Kölner Kardinal Joachim Meisner die Entscheidung der Christdemokraten heftig kritisiert und die Streichung des "C" im Parteinamen verlangt. Sein Sprecher sagte: "Mit dem C bei der CDU verhält es sich nach Meinung des Kardinals wie bei einer Weinflasche, auf der Wein draufsteht und Wasser drin ist."

Edmund Stoiber verteidigte jedoch die Berufung Reiches. "Frau Reiche ist eine hoch intelligente Kollegin, die ein hohes Maß an Kompetenz mitbringt. Sie hat meine volle Rückendeckung und die Qualifikation für ein Ministeramt", sagte er der "Passauer Neuen Presse".

CDU-Chefin Angela Merkel äußerte sich in der "Mittelbayerischen Zeitung" zu dem Streit: "So wenig, wie es nur eine Meinung in der CDU gibt, gibt es auch nur eine Meinung in der katholischen Kirche. Mit Katherina Reiche wurde eine Frau ins Kompetenzteam berufen, die sehr wohl die Mehrheit in unserer Partei vertritt."



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