"Forum zum Freitag" CSU-Mann Söder wettert gegen muslimische ZDF-Sendung

Im ZDF wird an einer speziellen Internet-Sendung für Muslime in Deutschland gearbeitet. Für den CSU-Generalsekretär Markus Söder ist dieses "Forum zum Freitag" ein Fehler - mit dem Angebot würde die Integration erschwert. Grünen-Chefin Claudia Roth wirft ihm deshalb "üble Hetze" vor.


Berlin - Markus Söder wird seiner Rolle als scharfzüngiger CSU-Generalsekretär einmal mehr gerecht. In der "Bild am Sonntag" griff er Pläne des ZDF an, ein sogenanntes "Forum zum Freitag" für Muslime einzurichten. Kategorisch erklärte er: "Deutschland braucht keinen Moschee-Sender".

Söder ereiferte sich: Dafür seien Gebührengelder nun wirklich nicht da. Ein solche Sendung fördere auch nicht die Integration, sondern bestärke Parallelgesellschaften, glaubt der Christsoziale.

Prompt handelte er sich eine Gegenattacke der Grünen-Parteichefin Claudia Roth ein. Es sei "üble Hetze", was Söder erklärte. Sie warf ihm vor, damit erneut seine eigene mangelnde Integrationsbereitschaft und -fähigkeit bewiesen zu haben: "Söder ist nicht angekommen in der Realität unseres Landes." Diese Realität heiße: "Wir leben in einer multireligiösen Gesellschaft. Und die zweitgrößte Religionsgemeinschaft bilden die Muslime." Die Grüne verteidigte die Pläne des ZDF. Der Sender zeige damit, dass er seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag ernst nehme, alle Gebührenzahler einzubeziehen und Defizite bei Informationen über unterschiedliche Religionen und Herkünfte zu überwinden.

CSU-Generalsekretär Söder: "Deutschland braucht keinen Moschee-Sender"
DDP

CSU-Generalsekretär Söder: "Deutschland braucht keinen Moschee-Sender"

Der TV-Sender will im Sommer 2007 das umstrittene Islam-Forum in seinem Online-Dienst starten. Bestehen soll das Angebot aus Kommentaren, Gesprächen und Interviews. Interview- oder Gesprächspartner können von den muslimischen Verbänden in Deutschland vorgeschlagen werden. Die Auswahl will das ZDF aber selbst treffen. Inhaltlich soll sich das "Forum zum Freitag" mit ethischen Themen, Spiritualität und Sinnfragen befassen, aber auch den Muslimen in Deutschland die Möglichkeit geben, sich zu aktuellen Ereignissen zu äußern.

Der Vertraute von Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber sieht in dem Angebot die Gefahr einer Abspaltung der Muslime. "Das öffentlich-rechtliche Fernsehen muss bestehende Gräben überwinden und darf sie nicht vertiefen", erklärte Söder. Statt über Islamkunde zu reden, sollte mehr über Werte und Alltagskultur berichtet werden, verlangte er.

Der CSU-Generalsekretär warnte zugleich vor der Möglichkeit, "dass aggressive Islamgruppen diese Internetplattform für ihre Zwecke nutzen". ZDF-Pressesprecher Walter Kehr sagte der "Bild am Sonntag": "Die gesamte Entscheidungshoheit über Inhalte liegt ausschließlich beim ZDF."

Kritik an ZDF-Plänen vom Zentralrat der Juden

Am Freitag hatte das ZDF seine Pläne öffentlich vorgestellt. "Es ist nicht an eine Verkündigungssendung gedacht, auch wenn religiöse Inhalte eine Rolle spielen sollen", sagte der Vorsitzende des ZDF-Fernsehrates, Ruprecht Polenz (CDU), bei der Präsentation. ZDF-Intendant Markus Schächter betonte, bei der Online-Sendung habe inhaltlich das ZDF das letzte Wort, nicht die islamischen Verbände. Diese hatten zuvor genau das verlangt, waren damit aber beim ZDF auf Widerstand gestoßen.

Auf der Grundlage des ZDF-Konzepts zum "Forum zum Freitag" - das ursprünglich als "Wort zum Freitag" im Gespräch war - werden Programmdirektor Thomas Bellut und Chefredakteur Nikolaus Brender mit Vertretern der muslimischen Verbände das Verfahren besprechen, wie es hieß. Die gefundene Lösung werde dann für ein Jahr erprobt.

Die Einrichtung des "Forum am Freitag" ausschließlich für Muslime ist auch innerhalb des ZDF umstritten. Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Salomon Korn, hatte erklärt, ein Forum nur für Muslime greife zu kurz. Korn schlug ein "Wort zum Wochenende" verschiedener Religionsgemeinschaften vor. Das ZDF erklärte, Korn, der auch Mitglied des ZDF-Fernsehrates ist, habe das Konzept des Senders am Freitag aber als richtig bewertet. Zugleich hatte ZDF-Intendant Schächter ein Gespräch mit Vertretern des Zentralrats der Juden in Deutschland angekündigt. Darin sollen "die Möglichkeiten und die Perspektiven für die jüdische Gemeinde - auch im Hinblick auf eine Umsetzung im Online-Bereich - erörtert werden".

sev/ap/ddp



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.