Fotostrecke Scharpings Höhenflüge und Bruchlandungen

Kein Minister des Kabinetts Schröder hat so viel Hohn und Spott ertragen müssen wie Rudolf Scharping. Der Verteidigungsminister lieferte dafür jede Menge Stoff, kein Fettnäpfchen war vor ihm sicher.


Eine Schramme am Kopf und eine Wunde am rechten Bein trug Scharping davon, als das Auto mit dem Minister im September 2000 ein metallenes Sicherheitshindernis am Pentagon überfuhr

Eine Schramme am Kopf und eine Wunde am rechten Bein trug Scharping davon, als das Auto mit dem Minister im September 2000 ein metallenes Sicherheitshindernis am Pentagon überfuhr

"Cyclassics": Der Hobbyradfahrer Scharping geht im August 2000 bei einem Jedermann-Radrennen in Hamburg an den Start. 1996 und 1999 verletzte er sich schwer bei Stürzen vom Rad

"Cyclassics": Der Hobbyradfahrer Scharping geht im August 2000 bei einem Jedermann-Radrennen in Hamburg an den Start. 1996 und 1999 verletzte er sich schwer bei Stürzen vom Rad

Foto: DPA
Scharping steigt ins Cockpit eines Prototyps des Eurofighters

Scharping steigt ins Cockpit eines Prototyps des Eurofighters

Foto: AP
Eine gute Figur gab Scharping im Juni 2002 in Potsdam ab: Nachdem er Satellitenempfänger und Fernseher für die deutschen Isaf-Soldaten in Afghanistan vorgestellt hatte, zeigte er sich als Ballkünstler

Eine gute Figur gab Scharping im Juni 2002 in Potsdam ab: Nachdem er Satellitenempfänger und Fernseher für die deutschen Isaf-Soldaten in Afghanistan vorgestellt hatte, zeigte er sich als Ballkünstler

Foto: AP
Oktober 2001: Scharping besucht die Truppe bei Hammelburg

Oktober 2001: Scharping besucht die Truppe bei Hammelburg

Foto: REUTERS
Scharping mit den Generälen Gudera (li.) und von Butler (re.) in Kabul

Scharping mit den Generälen Gudera (li.) und von Butler (re.) in Kabul

Foto: AP
Scharping macht im Juli 1994 mit seiner damaligen Ehefrau Jutta Urlaub bei Bordeaux

Scharping macht im Juli 1994 mit seiner damaligen Ehefrau Jutta Urlaub bei Bordeaux

Foto: AP
November 2000: Scharping tanzt mit seiner Lebensgefährtin Kristina Gräfin Pilati-Borggreve beim Sportpresseball in Frankfurt am Main

November 2000: Scharping tanzt mit seiner Lebensgefährtin Kristina Gräfin Pilati-Borggreve beim Sportpresseball in Frankfurt am Main

Foto: DDP
Oktober 2001: Scharping kommt mit einem Luftwaffen-Airbus in Sarajewo an. Um die Zeit werden Bilder veröffentlicht, die Scharping beim Baden mit Gräfin Pilati in einem Pool auf Mallorca zeigen

Oktober 2001: Scharping kommt mit einem Luftwaffen-Airbus in Sarajewo an. Um die Zeit werden Bilder veröffentlicht, die Scharping beim Baden mit Gräfin Pilati in einem Pool auf Mallorca zeigen

Foto: DDP




Klicken Sie einfach auf ein Bild, um zur Großansicht zu gelangen!




Das Stehaufmännchen

Es gab kaum eine Niederlage, die Scharping auf dem Weg nach oben bremsen konnte. Wie ein Stehaufmännchen steckte er Erniedrigungen weg. 1987 verlor er die rheinland-pfälzische Landtagswahl, im gleichen Jahr musste er auch eine Niederlage bei der Ortsbürgermeisterwahl der SPD in Lahnstein hinnehmen. 1994 unterlag er als Kanzlerkandidat in der Bundestagswahl Helmut Kohl, 1995 stieß ihn Oskar Lafontaine auf dem Mannheimer Parteitag unsanft vom Thron des Parteivorsitzenden, eine bittere Schmach für den Westerwälder. Aber Scharping machte weiter, als Fraktionsvorsitzender und Verteidigungsminister - bis zur letzten Niederlage.

Der "Radlscharping Hinfallrudolf"

Scharping und sein Pechvogel-Image: "Radlscharping Hinfallrudolf" titelte die "Süddeutsche Zeitung", als er im Juni 1996 bei einem Sturz mit dem Fahrrad in einer Linkskurve im heimischen Lahn so schwer mit dem Kopf aufschlug, dass er das Bewusstsein verlor. Zwar fuhr er seitdem nur noch mit Schutzhelm, der schützte ihn aber nicht davor, dass 1999 ein Ast zwischen die Speichen geriet - beim anschließenden Sturz brach er sich den Arm.

Aber auch im Auto ist der Mann nicht sicher - eine Terroristen-Sperre wurde ihm beinahe zum Verhängnis. Beim Besuch in Washington wurde der Minister fast aufgespießt, als eine defekte Barriere bei seiner Einfahrt ins Verteidigungsministerium hochschnellte. Scharping knallte gegen das Autodach und dann an die Trennscheibe.

Der Ausplauderer

Geheimnisträger war er, und was für einer. Der Aufmarschplan der Bundeswehr in Mazedonien war eindeutig kein Geheimnis, dachte sich der Minister. Freimütig plauderte er darüber während einer Pressekonferenz im Sommer 2001 mit den Journalisten. Seine Soldaten mussten den Fehltritt ausbaden und die schwierige Ersatzstrecke entlang der mazedonisch-albanischen Front nehmen. Scharpings Pech: Ein Videoband hielt seinen Ausrutscher fest, die Schuld konnte also nicht wie geplant den Briten in die Schuhe geschoben werden.

Kurze Zeit später berichtete er Journalisten von Nato-Plänen über einen möglichen Somalia-Einsatz - ohne Absprache mit den Alliierten. Viel versprach er den Partnerländern in Sachen Airbus A400M: Deutschland werde 73 Militärmaschinen vom Typ Airbus A400M im Gesamtwert von 9,5 Milliarden Euro abnehmen - der Haushaltsausschuss des Bundestags allerdings hatte nur 5,1 Milliarden bewilligt.

Der Vielflieger

Im Juni 2000 wurde der Minister von seiner Luftwaffe auf dem Weg zum EU-Gipfel nach Portugal vergessen - erst 400 Kilometer fiel später auf, dass der Chef noch immer in Köln auf den Check-in wartete. Ein Jahr später schien er das System besser zu kennen. Er nutzte den militärischen Shuttle-Service, um einen Abstecher nach Mallorca in die Arme seiner Geliebten Kristina Gräfin Pilati zu machen, pendelte binnen eines Jahres 50-mal an den Wochenenden zwischen seinem Arbeitsplatz Berlin und Pilatis Wohnort Frankfurt - alles auf Staatskosten.

Der Plantscher

Bereits im Dezember 2000 brüskierten sich Kollegen, Scharping präsentiere sein Privatleben allzu öffentlich. Eine Fotoserie im Klatschmagazin "Bunte", die Scharping mit seiner Lebensgefährtin Kristina Gräfin Pilati in einem Pool auf Mallorca zeigte, brachte im August 2001 das Fass beinahe zum Überlaufen. Während seine Soldaten sich auf den Mazedonien-Einsatz vorbereiten, plantschte der Minister mit seiner Gräfin. Ein Vorfall, der in der Truppe ebenso wie in der Partei für blankes Entsetzen sorgte.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.