Fotostrecke

Fracking-Vorstoß: "Thema genauer anschauen"

Foto: Brennan Linsley/ AP/dpa

Umstrittene Gasförderung Oettinger will Fracking europaweit regeln

EU-Kommissar Günther Oettinger kündigt Vorgaben aus Brüssel zur umstrittenen Förderung von Erdgas an. Die EU werde sich Fracking noch in diesem Jahr "genauer ansehen", sagte er der "Welt". Der Politiker warnte vor einer zu großen Furcht vor der Technologie.

Berlin - Für das umstrittene Erdgas-Förderverfahren Fracking könnte es noch in diesem Jahr EU-weite Regeln geben. Das hat Energiekommissar Günther Oettinger in Aussicht gestellt. Auf EU-Ebene "wird man sich das Thema Fracking und Umweltschutz in diesem Jahr genauer anschauen", sagte er der Zeitung "Die Welt".

Oettinger wies dabei vor allem auf die Chancen des Verfahrens hin. "Der Schutz von Gebieten, wo Trink- und Grundwasser vorkommt, wie im Falle des Bodensees, ist absolut richtig", sagte er zwar - warnte allerdings auch vor einer zu hohen Furcht vor den Risiken. Deutschland dürfe sich die Möglichkeiten nicht entgehen lassen, die Gasvorkommen unter dem eigenen Boden bedeuteten.

Es sollte die nötige Rechtsgrundlage "für Demonstrationsprojekte und für die praktische Erprobung" geschaffen werden, sagte er. "Wenn wir Probebohrungen zulassen, werden wir in einigen Jahren weit klüger sein und auch über die Kosten besser Bescheid wissen. Das muss man einem Ingenieurland wie Deutschland dringend raten."

"Ernsthaft ausleuchten"

Auch der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sprach sich in der "Welt" für einen offenen Umgang mit der Technik aus . "Es wäre falsch, Fracking in Deutschland komplett zu verbieten", sagte er der Zeitung. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagte, er sei dafür, "dass wir diese Technologie nach allen Seiten hin ernsthaft ausleuchten". Beide Politiker plädierten dafür, Entscheidungen erst nach der Bundestagswahl und den Landtagswahlen in ihren Ländern im Herbst zu treffen.

In der Koalition hatte es zuletzt Streit über eine gesetzliche Regelung für die Gasförderung gegeben. Mitte Mai wurde ein Gesetzentwurf wegen des Widerstands in der Union wieder von der Kabinetts-Tagesordnung genommen. Damit wird eine Entscheidung vor der Bundestagswahl immer unwahrscheinlicher.

Beim Fracking wird Gas unter hohem Druck aus Gesteinsschichten tief unter der Erde gelöst. Die Technologie ist unter anderem deshalb umstritten, weil dabei Chemikalien eingesetzt werden, die auch das Trinkwasser verunreinigen könnten.

In den USA wird die Technik bereits eingesetzt, dort führte sie zu einem neuen Gasboom. Die US-Regierung will bei Gas und Öl unabhängig von Importen werden - dafür ist Fracking ein wichtiger Baustein. Nach Einschätzung vieler Experten sind die Vereinigten Staaten wegen der neuen Möglichkeiten dabei, der weltgrößte Gas- und Ölförderer zu werden.

In Europa dagegen stößt Fracking auf Widerstand - und das nicht nur in Deutschland. Verboten ist die Technik etwa in Frankreich, wo es ebenfalls große Vorkommen an Schiefergas geben soll.

rls/dpa/AFP