Franca Lehfeldt über ihren Reporterjob nach der Heirat mit Christian Lindner »Alles andere wäre ein Berufsverbot für eine Frau«

Auch nach ihrer Hochzeit mit dem Finanzminister arbeitet Franca Lehfeldt als Politikjournalistin. In einem »Zeit«-Interview erläutert sie, warum sie darin kein Problem sieht.
Franca Lehfeldt und Christian Lindner 2018 bei den Bayreuther Festspielen

Franca Lehfeldt und Christian Lindner 2018 bei den Bayreuther Festspielen

Foto: Frank Hoermann / Sven Simon / IMAGO

Es war die wohl meistbeachtete Promihochzeit in Deutschland im bisherigen Jahr: Franca Lehfeldt gab im Juli Finanzminister Christian Lindner (FDP) auf Sylt das Jawort – und hat nun erklärt, warum sie es richtig findet, auch danach weiter als Journalistin zu arbeiten. »Alles andere wäre geradezu ein Berufsverbot für eine Frau«, sagte die 32-Jährige der »Zeit« . Im Jahr 2022 erscheine ihr das »abwegig«.

Lehfeldt arbeitet seit diesem Jahr als Chefreporterin Politik beim Fernsehsender Welt des Axel-Springer-Verlags, zuvor tat sie dies in gleicher Funktion für RTL und n-tv. Der »Zeit« sagte sie, die Voraussetzung dafür, dass sie weiter über Politik berichten könne, sei die Einhaltung klarer Regeln. So berichte sie nicht über die FDP und das Bundesfinanzministerium, sondern über die CDU und die CSU.

Außerdem setze sie auf Transparenz, die es in der Zusammenarbeit zwischen Politikern und Journalisten allzu oft nicht gebe. »Im Unterschied zu anderen Konstellationen weiß bei mir jeder um das Verhältnis zu Christian«, sagte sie.

»Über meine Leistungen definiert werden«

Lindner und Lehfeldt hatten im Juli im Beisein von Familie, Freunden und prominenten Gästen auf Sylt geheiratet . Mit dabei waren unter anderem Kanzler Olaf Scholz (SPD), CDU-Chef Friedrich Merz, Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) und Nordrhein-Westfalens ehemaliger Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). Insbesondere die kirchliche Trauung des Paars war umstritten – Medienberichten zufolge sind beide konfessionslos.

Die aktuellen Debatten über ihre Rolle ärgerten sie aber nicht, sagte Lehfeldt der »Zeit«. Eine Beziehung mit einem prominenten Menschen rücke einen auch selbst in die Öffentlichkeit – das sei ihr klar gewesen, als der heutige Finanzminister und sie sich kennenlernten.

Gleichzeitig sei es ein Fortschritt, dass sie weiter arbeiten könne: »Vor zehn Jahren hätte es gar keine Debatte gegeben, da hätte sich die Frau fügen müssen«, sagte Lehfeldt. »Umso wichtiger ist es heute, dass ich meinen Anspruch verteidige, über meine Leistung definiert zu werden und nicht als ›Frau von‹. Schließlich hatte ich erst den Beruf und dann den Mann.«

»Für Christian ist Spitzenpolitik eine Aufgabe auf Zeit«

Sie äußerte sich auch zu einem umstrittenen Video, in dem Lehfeldt für die »Welt« als Reporterin zugeschaltet wird. Wenig zuvor war Lindner zu sehen. Darin hatte sie unter anderem erklärt, dass die Regierung nach »Welt«-Informationen über Gas-Notfallpläne diskutiere. Angesprochen darauf, ob die Zuschauer nicht denken könnten, dass die Informationen von Lindner stammten, sagte Lehfeldt der »Zeit«: »Das wäre wohl eher ein Problem für meinen Mann, wenn geheime Regierungspläne von mir im Fernsehen verbreitet würden.« Sie habe die Informationen aus der »Union, SPD und den Agenturen« gehabt.

Den Vorwurf der Befangenheit wies sie zurück. »Wir reden ständig über female empowerment, wippen zu Beyoncé-Beats und diskutieren über Parität. Wenn es aber hart auf hart um eine Frau geht, ist sie nur abgeleitete Größe ihres Mannes? Das ist ein Frauenbild aus den Fünfzigern«, sagte Lehfeldt. Mit ihrem Ehemann gebe es außerdem eine Verabredung: »Für Christian ist Spitzenpolitik eine Aufgabe auf Zeit. Während dieser Zeit nehme ich bestimmte Rücksichten, danach er.«

kko/AFP
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