Steinmeier in Auschwitz "Wir müssen wissen, dass es wieder geschehen kann"

In Auschwitz gedenken europäische Spitzenpolitiker der Befreiung des deutschen Todeslagers vor 75 Jahren. Bundespräsident Steinmeier nannte Auschwitz eine Mahnung auch für das "Hier und Jetzt".
Bundespräsident Frank Walter-Steinmeier unter dem Lagertor mit dem zynischen deutschen Schriftzug "Arbeit macht frei"

Bundespräsident Frank Walter-Steinmeier unter dem Lagertor mit dem zynischen deutschen Schriftzug "Arbeit macht frei"

Foto:

Britta Pedersen/ dpa

Bei einem Besuch im nationalsozialistischen Vernichtungslager Auschwitz hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor einem Wiederaufleben von übersteigertem Nationalismus und völkischen Ideologien gewarnt.

"Auschwitz, das ist die Summe von völkischem Denken, Rassenhass und nationaler Raserei", sagte Steinmeier in der Gedenkstätte, die er aus Anlass des 75. Jahrestags der Befreiung erstmals besuchte.

Wenn er sich die heutige Zeit anschaue, habe er manchmal den Eindruck, "dass das Böse noch vorhanden ist", sagte der Bundespräsident. "Und deshalb reden wir hier in Auschwitz - und das ist auch der Wunsch der Überlebenden - nicht nur über die Vergangenheit, sondern begreifen es als leitende Verantwortung, den Anfängen zu wehren, auch in unserem Land."

"Ort des Schreckens und deutscher Schuld"

Auschwitz sei "ein Ort des Schreckens und deutscher Schuld", sagte Steinmeier. "Wir ringen um Worte, wenn wir das Ausmaß des Grauens beschreiben wollen." Auschwitz sei eine Mahnung, "dass wir uns erinnern, um im Hier und Jetzt vorbereitet zu sein". Ins Gästebuch der Gedenkstätte schrieb Steinmeier: "Wir wissen, was geschehen ist, und müssen wissen, dass es wieder geschehen kann."

Polens Präsident Andrzej Duda forderte anschließend dazu auf, das Gedenken an die Gräueltaten in dem deutschen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau zu bewahren und eine Wiederholung der Geschichte zu verhindern.

Im Namen der Republik Polen erneuerte er die Verpflichtung, die Erinnerung zu pflegen und die Wahrheit zu schützen, was in Auschwitz passiert sei, sagte Duda beim Gedenken. Er forderte die Gäste dazu auf, vor den letzten Überlebenden und Augenzeugen die gemeinsame Verpflichtung einzugehen, "die Botschaft und die Warnung für die Menschheit, die von diesem Ort ausgehen, in die Zukunft zu tragen".

In Auschwitz wurden mehr als eine Million Männer, Frauen und Kinder, die meisten von ihnen Juden, in Gaskammern getötet, erschossen oder durch Zwangsarbeit und Hunger in den Tod getrieben.

Vor 75 Jahren, am 27. Januar 1945, hatten sowjetische Truppen das NS-Vernichtungslager erreicht, die letzten Gefangenen befreit - und den Blick der Welt auf ein Menschheitsverbrechen gerichtet, das bis dahin viele nicht für möglich gehalten hatten. Die Befreier trafen in dem Lager nur rund 7500 noch lebende Häftlinge an. In ganz Europa ermordeten die Nationalsozialisten während der Schoah etwa sechs Millionen jüdische Menschen und Hunderttausende Sinti und Roma, Homosexuelle, Menschen mit Behinderung und politisch Andersdenkende.

cht/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.