Nach Abschiebung aus der Türkei Mutmaßliche IS-Anhängerinnen in Deutschland gelandet

Die Türkei hat erneut IS-Verdächtige nach Deutschland abgeschoben. Zwei Frauen landeten am Abend in Frankfurt. Istanbul hatte mehrere solcher Aktionen angekündigt. Kanzlerin Merkel versicherte, dass keine Gefahr bestehe.

Bundespolizisten am Frankfurter Flughafen (Archivbild)
Frank Rumpenhorst/dpa

Bundespolizisten am Frankfurter Flughafen (Archivbild)


Die Türkei hat zwei weitere deutsche Staatsbürgerinnen und mutmaßliche IS-Anhängerinnen abgeschoben. Die Frauen sind auf dem Frankfurter Flughafen gelandet. Sie seien am Freitagabend gegen 21.34 Uhr mit einer türkischen Linienmaschine angekommen, sagte ein Sprecher der Bundespolizei auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Sie seien einer Einreisekontrolle unterzogen worden. Das weitere Vorgehen liege in den Händen der Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern.

Aus Sicherheitskreisen hieß es, Beamte des Bundeskriminalamtes seien an Bord gewesen. In einem Medienbericht der privaten türkischen Nachrichtenagentur DHA war am Freitagabend von "ausländischen Terroristenkämpfern" mit deutscher Staatsbürgerschaft die Rede, die nach Frankfurt abgeschoben worden seien. Eine Bestätigung aus dem Innenministerium in Ankara lag zunächst nicht vor.

Neun deutsche Rückkehrer in dieser Woche

Damit hat die Türkei diese Woche insgesamt neun Menschen nach Deutschland abgeschoben, die sie als mutmaßliche Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) und Islamisten bezeichnete. Am Donnerstag war bereits eine deutsch-irakische Familie nach Berlin abgeschoben worden.

Ankara hatte am Montag öffentlich die Abschiebung mehrerer deutscher mutmaßlicher IS-Anhänger in dieser Woche angekündigt. Anfang Oktober waren türkische Truppen in Nordsyrien einmarschiert und gegen die Kurdenmiliz YPG vorgegangen. Die von der YPG geführten Syrischen Demokratischen Kräfte SDF bewachen in Nordsyrien immer noch Tausende IS-Gefangene. Nach Angaben pro-kurdischer Medienaktivisten hat die SDF trotz des türkischen Einmarsches noch die Kontrolle über alle IS-Gefangenenlager, mit Ausnahme von Ain Issa.

Eine der am Freitag nach Deutschland abgeschobenen Frauen ist nach dpa-Informationen eine 1998 geborene Frau, der es gelungen war, aus dem von Kurden bewachten Gefangenenlager Al-Hol in Syrien zu fliehen. Sie saß den Angaben zufolge zuletzt in der türkischen Stadt Gaziantep in Abschiebungsgewahrsam. Außerdem sollte eine gebürtige Hannoveranerin ins Flugzeug gesetzt werden. Sie soll sich aus dem inzwischen aufgelösten syrischen Gefangenenlager Ain Issa in Richtung Türkei abgesetzt haben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versicherte unterdessen, die deutschen Behörden würden gewährleisten, dass von Islamisten und mutmaßlichen IS-Anhängern, die die Türkei abschiebt, keine Gefahr ausgehe. Diese Menschen würden im gemeinsamen Terrorabwehrzentrum von Bund und Ländern einer Sicherheitsbewertung unterzogen, sagte Merkel in Berlin. "Dementsprechend wird dann natürlich sichergestellt, dass von diesen Personen keine Gefahr ausgeht."

yer/dpa



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