Nach Abschiebung aus der Türkei Mutmaßliche IS-Anhängerin in Frankfurt festgenommen

Die Türkei hat zwei Frauen nach Deutschland abgeschoben. Nach der Ankunft in Frankfurt nahmen die deutschen Behörden nun eine der beiden fest. Die 21-Jährige soll den "Islamischen Staat" unterstützt haben.

Bundespolizisten am Frankfurter Flughafen (Archivbild)
Frank Rumpenhorst/dpa

Bundespolizisten am Frankfurter Flughafen (Archivbild)

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Die deutschen Sicherheitsbehörden haben eine der beiden mutmaßlichen IS-Anhängerinnen, die am Freitagabend aus der Türkei abgeschoben worden waren, am Frankfurter Flughafen festgenommen.

Die 21-jährige Nasim A. aus Hessen soll noch am Samstag nach Karlsruhe gebracht und dort einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden, da der Generalbundesanwalt einen Haftbefehl wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation beantragt hat.

Die beiden Frauen waren am Freitagabend gegen 21.30 Uhr mit einer Linienmaschine von Turkish Airlines aus Istanbul in Frankfurt am Main angekommen. Dort wurden beide von Polizisten befragt, sollen aber jegliche Aussage verweigert haben. Während des Flugs wurden die Frauen durch BKA-Beamte begleitet.

Hochzeit nach islamischem Ritus

Die 27-jährige Heida R. wurde entlassen, nachdem die Polizei Fingerabdrücke und wohl auch eine DNA-Probe genommen hatten. Die Frau aus Niedersachsen wird schon seit Monaten von einem Verein zur Deradikalisierung von Islamisten betreut und hat sich nach eigenen Angaben vom IS gelöst.

Bei Nasim A. sehen die Behörden die Lage anders. Die junge Frau mit somalischen Wurzeln soll schon als Minderjährige 2014 von Deutschland aus nach Syrien gezogen sein und heiratete dort nach Erkenntnissen der Ermittler Ende 2015 nach islamischem Ritus einen Kämpfer der Terrormiliz.

Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft zogen die beiden zunächst in den Irak und wohnten in der Stadt Tall Afar in einem vom IS zur Verfügung gestellten Haus. Die Beschuldigte, so die Ankläger, verrichtete den Haushalt und erhielt dafür auch Geldzahlungen vom IS. Zudem soll sie regelmäßig eine Waffe getragen haben.

Bundeskanzlerin Merkel: "keine Gefahr"

Später soll Nasim A. mit ihrem Ehemann nach Syrien gezogen sein, auch dort kämpfte dieser für den IS. Anfang des Jahres 2019 wurde die Frau von kurdischen Sicherheitskräften in Gewahrsam genommen und in das Camp "Al Hawl" gebracht und später nach ihrer Flucht von türkischen Sicherheitskräften festgenommen.

Einiges deutet darauf hin, dass die Ermittler Nasim A. wegen der Unterstützung des IS anklagen wollen. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs setzt dies eine "gewisse formale Eingliederung" in die Organisation voraus, deswegen die Hinweise auf die Bezahlung durch den IS.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zuletzt versichert, die deutschen Behörden würden gewährleisten, dass von Islamisten und mutmaßlichen IS-Anhängern, die die Türkei abschiebt, keine Gefahr ausgehe. Diese Menschen würden im gemeinsamen Terrorabwehrzentrum von Bund und Ländern einer Sicherheitsbewertung unterzogen, sagte sie. "Dementsprechend wird dann natürlich sichergestellt, dass von diesen Personen keine Gefahr ausgeht."

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