Frankfurt BKA untersucht angebliche Todesliste der Taliban

In Frankfurt am Main sorgt eine mutmaßliche Todesliste für Aufregung. In dem Papier soll Mullah Omar zum Mord an 106 Taliban-Gegnern aufrufen. Vier der Personen halten sich offenbar in Deutschland auf.


Mainz/Wiesbaden - Das Bundeskriminalamt prüft das vierseitige Schreiben jetzt auf seine Echtheit. Die Namen würden bei Gefährdungsanalysen berücksichtigt, sagte BKA-Sprecherin Birgit Heib am Montag in Wiesbaden.

Die von Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar unterzeichnete und in der Landessprache Afghanistans verfassten Liste sei unter anderem an illegale Botschaften und Konsulate des Regimes verschickt worden, berichtet das SWR-Magazin "Report Mainz". Sie stamme aus dem Umfeld der Vertretung der inzwischen geschlossenen Vertretung der Taliban in Frankfurt.

Unter den 106 Oppositionellen befänden sich unter anderem Anhänger des früheren Königs Mohammed Sahir Schah, aber auch Sozialisten, Kommunisten sowie Angehörige der so genannten Nordallianz. Des Weiteren seien Taliban-Abtrünnige genannt. Neben den vier in Deutschland lebenden Personen sollen sich weitere 18 im Ausland aufhalten, davon sieben in den USA.

"Killed"

Hinter einigen Namen finde sich die Anmerkung "killed" (getötet). Recherchen von "Report Mainz" zufolge sollen einige der aufgelisteten Menschen erst kürzlich Anschlägen zum Opfer gefallen sein. Alle, die im Laufe der vergangenen zwölf Monate umgebracht worden seien, seien nach ihrer Einreise in Pakistan erschossen worden.

In einer Art Vorwort heiße es unter anderem: "Für diejenigen, die sich im Ausland aufhalten, muss auch eine Lösung gefunden werden. Bei der Entscheidung über diese Leute haben Sie freie Hand". Terrorismus-Experten würden darin einen Aufruf zum gezielten Mord erkennen, berichtet das Magazin.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International habe darauf verwiesen, dass es sich um eine Fortschreibung einer Liste handeln könnte, die bereits vor zwei Jahren aufgetaucht sei.



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