Frankfurter Razzia Enthauptungsvideos in der Koranschule

In Frankfurt untersucht die Staatsanwaltschaft derzeit bei einer Razzia in einer Koranschule sichergestellte Videobänder. Der marokkanische Kulturverein, zu dem die Schule gehört, soll dort Kindern Menschen verachtende Filme vorgespielt haben.


Frankfurt/Main - Die Polizei habe Datenträger aller Art, darunter Videobänder und DVDs konfisziert, wie die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Doris Müller-Scheu, heute sagte. Es sei aber noch nicht klar, ob es sich dabei um Beweismaterial handele. Die Auswertung werde vermutlich mehrere Wochen dauern, da die Videobänder und DVDs erst aus dem Arabischen übersetzt werden müssten.

Die gestrige Durchsuchung in der Schule eines marokkanischen Kulturvereins in der Nähe des Frankfurter Hauptbahnhofes ging unter anderem auf den Hinweis einer Schülerin zurück. Die hatte berichtet, den Kindern in der Schule sei Menschen verachtendes Videomaterial vorgespielt worden, unter anderem Aufnahmen von einer Enthauptung. Laut Staatsanwaltschaft habe damit zum "Kampf gegen die Ungläubigen" aufgerufen werden sollen.

Der stellvertretende Vorsitzende des Kulturvereins, Ahmed Ayaou, wies die Vorwürfe zurück. Der Verein akzeptiere und respektiere die deutschen Gesetze, sagte Ayaou heute. Er wisse nicht, was die Polizei suche, die Durchsuchung sei völlig überraschend gekommen. Die Behörden hätten neben DVDs und Videos auch Computer beschlagnahmt. Auf den DVDs und Videos seien aber lediglich Aufnahmen von Veranstaltungen in der zum Verein gehörenden Moschee gespeichert, sagte Ayaou.

Rund 60 Polizisten und mehrere Dutzend Beamte der städtischen Ordnungsbehörden waren an der Aktion beteiligt, wie die ARD berichtete. In der Schule würden an Wochenenden bis zu 300 Kinder und Jugendliche unterrichtet.



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