Kurz nach 100. Geburtstag Wohnhaus von Franz Josef Strauß wird zwangsversteigert

Im September wäre Franz Josef Strauß 100 Jahre alt geworden. Die CSU feiert ihren Übervater mit viel Pomp - während die Familie sein Erbe unter den Hammer bringen muss. Der Grund: Sohn Franz Georg hat Geldprobleme.

DPA

Von Angela Böhm und


Die Partei wird das Jubiläum mit Pomp und Getöse begehen. Am 6. September wäre ihr großer Vorsitzender und langjähriger Ministerpräsident Franz Josef Strauß 100 Jahre alt geworden. Die Liste der Gedenkveranstaltungen ist lang, die Junge Union (JU) lädt zum großen Strauß-Abend in den Münchner Post-Palast, die Hanns-Seidel-Stiftung und das Münchner Stadtmuseum ehren FJS mit einer Film- und Fotoausstellung.

Doch bei seinen Erben herrscht Krisenstimmung. 18 Tage nach dem Fest, am 24. September um 9 Uhr morgens, soll das frühere Wohnhaus des CSU-Übervaters in der Hirsch-Gereuth-Straße 28 in München beim Amtsgericht zwangsversteigert werden. Im Sitzungssaal 202 des Justizgebäudes an der Infanteriestraße kommt die Villa mit Schwimmbad, Sauna, Whirlpool, Aufzug und einem herrlichen Garten unter den Hammer. Schätzwert: 2,7 Millionen Euro.

Besitzer des Anwesens im Stadtteil Mittersendling ist der Medien-Unternehmer und jüngere Strauß-Sohn Franz Georg. Nach dem Tod des Vaters am 3. Oktober 1988 hatten sich die drei Kinder das Erbe aufgeteilt:

  • Monika Hohlmeier, die für die CSU im Europaparlament sitzt, übernahm das Ferienhaus an der Côte d'Azur, in dem Strauß seine Sommerurlaube verbrachte.
  • Der älteste Sohn Max Strauß bekam die herrschaftliche Wohnung im Klosterkomplex von Rott am Inn, die aus der Familie seiner Mutter stammt. Hier zog FJS als Bundesverteidigungsminister nach der Hochzeit mit Marianne Zwicknagl ein.
  • Den späteren Familienwohnsitz in München übernahm Franz Georg Strauß: 1637 Quadratmeter Grund, 419 Quadratmeter Wohnfläche und 254 Quadratmeter Nutzfläche.

1978 musste die Familie Strauß geradezu fluchtartig in das noch nicht ganz fertige Haus in der Hirsch-Gereuth-Straße umziehen, da die Fenster ihrer Wohnung kein Panzerglas hatten. Der CSU-Chef war damals wie kaum ein anderer deutscher Politiker in den Fokus der RAF-Terroristen geraten. Die Familie lebte in ständiger Angst.

Sie bewohnte eine Hochhauswohnung im 14. Stockwerk am Listseeweg in München-Sendling, die Aufgänge im Treppenhaus wurden vergittert. 1977 wurde festgestellt, dass die Terroristin Verena Becker - deren Beteiligung am Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback am 7. April 1977 bis heute nicht wirklich geklärt ist - im gegenüberliegenden Hochhaus auf der gleichen Höhe eine Wohnung für konspirative Zwecke gemietet hatte. Es blieb nur der sofortige Umzug. Vor der neuen Villa baute man ein Pförtnerhäuschen für die Polizisten, die Strauß Tag und Nacht bewachen mussten.

"Ich bin in eine finanzielle Schieflage geraten"

Doch nun hat Strauß' jüngster Sohn als Besitzer des legendären Anwesens Geldprobleme. "Ich habe einen Fehler gemacht. Ich bin in eine finanzielle Schieflage geraten", sagt Franz Georg Strauß am Freitag. Schuld daran sei die Investition in eine Firma gewesen, "die ich besser nicht gemacht hätte". Bereits am 25. August 2014 wurde der Versteigerungsvermerk ins Grundbuch eingetragen. Gläubigerin ist das Bankhaus UniCredit, das vergangenen Sommer offenbar kein Nachsehen mehr mit ihrem Schuldner Franz Georg Strauß hatte.

Zwischenzeitlich geriet auch die Firma von Franz Georg Strauß, die HeronMedia Werbegesellschaft mbH, ins Schlingern. Ein Gläubiger hatte Insolvenzantrag gegen das Unternehmen gestellt. "Die Verbindlichkeiten habe ich inzwischen gezahlt", versichert Franz Georg Strauß. Die Androhung der Insolvenz sei vom Tisch. "Die Firma hat sich konsolidiert."

Aufgeben will der Unternehmer sein Elternhaus noch nicht. Franz Georg kämpft derzeit um eine Lösung. "Ich habe die Fristen deutlich unterschätzt. An der Ablösung der Verbindlichkeiten bin ich jetzt dran und auf einem guten Weg", sagt er. Über die Höhe seiner Verbindlichkeiten will Strauß allerdings nicht reden. Nur so viel: "Sie liegen weit unter dem Schätzwert des Hauses."

Die drohende Zwangsversteigerung blieb sogar CSU-Insidern verborgen. Nicht einmal engste Freunde von Franz Georg Strauß und seiner Frau Birgit sollen davon gewusst haben. Anmerken ließen sie sich offenbar nichts. "Quietschfidel und flott", so ein Bekannter, sei Franz Georg Strauß noch vor ein paar Tagen seinen Mercedes 190 SL Oldtimer gefahren. Der soll immerhin mit rund 120.000 Euro gelistet sein.



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