Plagiate Giffey verliert Doktortitel

Wegen der anhaltenden Vorwürfe, sie habe in ihrer Doktorarbeit plagiiert, war Franziska Giffey bereits als Familienministerin zurückgetreten. Nun erkennt ihr die Freie Universität Berlin den akademischen Grad ab.
Ex-Familienministerin Giffey: »Fehler, die mir bei der Anfertigung der Arbeit unterlaufen sind, bedaure ich«

Ex-Familienministerin Giffey: »Fehler, die mir bei der Anfertigung der Arbeit unterlaufen sind, bedaure ich«

Foto: Dorothee Barth / dpa

Die Freie Universität Berlin entzieht Franziska Giffey (SPD) den Doktortitel. Er sei durch »Täuschung über die Eigenständigkeit ihrer wissenschaftlichen Leistung« erworben worden, teilte die Hochschule zur Begründung mit.

Texte und Literaturnachweise anderer Autorinnen und Autoren seien übernommen worden, ohne dass dies hinreichend gekennzeichnet worden sei, hieß es weiter. Giffey habe dabei »mindestens mit bedingtem Vorsatz gehandelt«. Das Präsidium habe den Entzug des Doktorgrades nach »umfassender Beratung einstimmig beschlossen«, teilte die FU mit. Die Arbeit genüge »nicht den Anforderungen an die gute wissenschaftliche Praxis«.

Giffey teilte in einer Stellungnahme mit, die Universität sei nun zu einem anderen Ergebnis gekommen als noch 2019, als man die Arbeit als »eigenständige wissenschaftliche Leistung« bewertet habe. »Diese Entscheidung akzeptiere ich«, hieß es von Giffey nun zur Aberkennung ihres Doktortitels.

Nach wie vor stehe sie zur Aussage, die 2009 eingereichte Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen verfasst zu haben. »Fehler, die mir bei der Anfertigung der Arbeit unterlaufen sind, bedaure ich. Diese waren weder beabsichtigt noch geplant.«

Im Begründungsschreiben der FU, das dem SPIEGEL vorliegt, heißt es allerdings, das Präsidium habe zutreffend festgestellt, dass Giffey mindestens mit bedingtem Vorsatz gehandelt habe.

Die Entziehung des Doktorgrades diene dem Schutz des Vertrauens der Öffentlichkeit und der Wissenschaft in die mit der Verleihung dieses akademischen Grads festgestellte Qualifikation und in die Erwartung, dass eine Dissertation, die zur Verleihung dieses akademischen Grads geführt habe, wissenschaftlichen Anforderungen genüge, heißt es in dem Schreiben ebenfalls. Bei anderen Wissenschaftlern, Doktoranden und potenziellen Doktoranden könne sonst der Eindruck entstehen, dass die FU Täuschungen in wissenschaftlichen Qualifikationsarbeiten hinnehme.

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Die Hochschule bezog dem Schreiben zufolge auch in ihre Entscheidung ein, dass der Entzug des Doktortitels eine »erhebliche Beeinträchtigung« des öffentlichen Ansehens Giffeys bewirke; dies habe besonderes Gewicht für eine Politikerin. Doch weiter heißt es, das öffentliche Interesse an dem Schutz der Mindestanforderungen wissenschaftlicher Arbeit, des Vertrauens in die mit einem Doktortitel verbundene wissenschaftliche Qualifikation und des Ansehens der Freien Universität Berlin »rechtfertigen und erfordern es jedoch, Ihnen auch diese Nachteile zuzumuten, zumal Sie durch die Täuschungen im Promotionsverfahren letztlich die Verantwortung dafür tragen.«

Im Herbst 2019 hatte die FU Giffey wegen Mängeln in ihrer Dissertation eine Rüge erteilt, ihr aber den Titel nicht entzogen. Nach Kritik an diesem Verfahren kündigte die FU eine erneute Prüfung durch ein neues Gremium an. Die Rüge sei aufgehoben worden, teilte die Hochschule am Donnerstag weiter mit. Giffey hatte bereits im vergangenen November und damit noch während des laufenden Prüfverfahrens entschieden, den Doktortitel nicht mehr zu führen.

Mit ihrem Rücktritt als Bundesministerin hatte sie zugleich erklärt, an ihrer Spitzenkandidatur für die Abgeordnetenhauswahl in Berlin im September festhalten zu wollen. Im Begründungsschreiben der FU heißt es dazu: »Es liegt allerdings nicht nahe, dass Ihnen wesentliche Nachteile dadurch entstanden sind, dass Sie zunächst in diesem Amt verblieben und erst am 19.05.2021 zurückgetreten sind.«

Giffey will als Nachfolgerin von Michael Müller (SPD) Regierende Bürgermeisterin der Hauptstadt werden. Die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus findet am 26. September parallel zur Bundestagswahl statt.

fek/ulz/cte/ama/AFP/dpa