VroniPlag überprüft Ministerin Gravierende Verstöße in Giffeys Dissertation

Über Monate haben die Plagiatsjäger von VroniPlag die Doktorarbeit der Bundesfamilienministerin Franziska Giffey untersucht. Nach Informationen des SPIEGEL ist ihr Urteil vernichtend.
Franziska Giffey

Franziska Giffey

Foto: Jens Büttner/ DPA

Die Plagiatsexperten der Internetplattform VroniPlag Wiki haben die Prüfung der Dissertation von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey abgeschlossen. Sie werfen der SPD-Politikerin nach SPIEGEL-Informationen "zahlreiche wörtliche und sinngemäße Textübernahmen" vor, "die nicht als solche kenntlich gemacht sind".

Insgesamt wollen die VroniPlag-Prüfer in Giffeys Doktorarbeit mit dem Titel "Europas Weg zum Bürger" auf 37 Prozent der gut 200 Seiten wissenschaftliche Regelverstöße gefunden haben. In den kommenden Tagen soll der Abschlussbericht auf der Plattform veröffentlicht werden.

Auf elf Seiten der Arbeit gebe es "50 bis 75 Prozent Plagiatstext", berichtet VroniPlag, auf einer Seite sogar mehr als 75 Prozent. Doch diese Verstöße seien im Vergleich zu anderen Plagiatsfällen eher mittelschwer, sagt der Jurist und VroniPlag-Aktivist Gerhard Dannemann, Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin.

"Gravierender ist, wie unsorgfältig die Autorin mit Quellen umgeht." Giffey habe in großem Umfang gegen die wissenschaftlichen Zitierregeln verstoßen, etwa durch "Blind- und Fehlzitate", bei denen sie auch Belege in Fußnoten ungeprüft übernommen habe. "Diese Zitierweise ist besonders gefährlich, da sich auf diese Weise Fehler perpetuieren", sagt Dannemann.

Von der Freien Universität gibt es noch keine Ergebnisse

Auf der Plattform heißt es, Giffey hätte "in mindestens 72 Fällen" Quellen angegeben, "die dem Anschein nach willkürlich gewählt sind", oder mit denen sich die Aussagen der Forschungsarbeit (so) nicht belegen ließen.

Auch die Freie Universität Berlin prüft die Arbeit auf Bitte von Giffey selbst. Das Ergebnis dieser Untersuchung ist noch nicht bekannt. Der Anwalt der Ministerin wollte sich auf Anfrage nicht äußern.

ama