Frauenfeindliche Thesen Bundeswehr-Uni fürchtet Unterwanderung von rechtsaußen

Die Münchner Bundeswehr-Uni ist wegen der eigenen Studentenzeitschrift alarmiert: In dem Blatt werden krude Thesen über den Militärdienst von Frauen verbreitet. Dazu erscheint die Anzeige einer fragwürdigen Organisation. Die SPD verlangt eine Klarstellung des Verteidigungsministers.  

Hörsaal der Münchner Bundeswehr-Uni: Ultrakonservative Thesen in Hochschulzeitschrift
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Hörsaal der Münchner Bundeswehr-Uni: Ultrakonservative Thesen in Hochschulzeitschrift

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Peter Paul Gantzer liegt der Ruf der Münchner Bundeswehr-Universität am Herzen: Ende der siebziger Jahre wurde der bayerische SPD-Landtagsabgeordnete Lehrbeauftragter an der Hochschule, 1991 Honorarprofessor. Derzeit sorgt sich Gantzer so sehr um das Image der Hochschule, dass er sich zuletzt zu einem Schreiben an das Verteidigungsministerium gezwungen sah. Grund ist die Studentenzeitschrift "Campus", die in ihrer jüngsten Ausgabe durch eine Anzeige des rechtslastigen Instituts für Staatspolitik (IfS) und extrem frauenfeindliche Thesen aufgefallen war.

Bei "Campus" hält man offenbar nicht viel von Frauen bei der Truppe: Die Integration in die Streitkräfte sei "misslungen", schreibt der neu eingesetzte Chefredakteur Martin Böcker gleich in seinem Editorial. Aber die Redaktion wird an manchen Stellen noch viel deutlicher: "Frauen als Kämpfer einzusetzen, bedeutet einen strukturellen Kampfwertverlust", heißt es etwa in einem Beitrag. Es spreche zudem vieles dafür, "dass die Abnahme von Disziplin und innerem Zusammenhalt bei geschlechtlich gemischten Einheiten mehr als ein Allgemeinplatz" sei.

"Verweichlichung von Ton und Stil"

Auch in einem Interview äußert ein Redaktionsmitglied Zweifel daran, dass Frauen zum Militär passen. Durch die Rekrutierung von Frauen seien Ton und Stil bei der Bundeswehr weniger rau geworden, sagt in dem Interview der Historiker Michael Wolffsohn - dazu die anschließende Frage des "Campus"-Redakteurs: "Warum sollte die Verweichlichung von Ton und Stil für eine Armee im Krieg von Vorteil sein?"

Passend zu diesen Thesen druckt die Studentenzeitschrift im Heftinneren eine Anzeige des IfS ab: "Die Frau als Soldat. Taugen Frauen zum Dienst an der Waffe?", heißt es dort. "Grundlegende Studie über ein Tabuthema - wissenschaftlich, provokativ, realpolitisch".

Das IfS ist nicht irgendeine beliebige Organisation: In der Vergangenheit wurde das Institut vom Verfassungsschutz dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet und beobachtet. Die private Einrichtung gilt als Organisation der Neuen Rechten.

Bislang war die Zeitschrift "Campus" nicht mit ultrakonservativen Thesen aufgefallen. Sie hat aber auch einen neuen Mann an der Spitze, für Martin Böcker ist die Ausgabe 01/11 die erste Ausgabe in seiner Funktion als Chefredakteur. Bereits im Editorial kündigt der Oberleutnant eine klare Linie an: Die Redaktion werde den Schutz der Pressefreiheit "schamlos ausnutzen".

"Rechtsextreme Tendenzen"

Als Böcker vom Studentischen Konvent zum Chefredakteur ernannt wurde, war dem Gremium offenbar nicht klar, für welche Haltung der Oberleutnant steht. Als Autor schreibt Böcker unter anderem für die rechtslastige Zeitung "Junge Freiheit" und die "Sezession", eine Zeitschrift des IfS. In der Selbstbeschreibung der "Sezession" heißt es: "Und es zeugt von Verantwortungslosigkeit, wenn es sich die führenden Köpfe unseres Landes noch immer verbieten, rechts von der Mitte Ausschau nach Lösungswegen aus der Volkskrise zu suchen."

SPD-Mann Gantzer forderte Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) auf, "den Vorgang zu untersuchen und gegebenenfalls disziplinarrechtlich zu regeln". Nach Auffassung von Gantzer steht viel auf dem Spiel: "Der gesamte Lehrkörper hat jahrzehntelang mühsam dafür gekämpft, dass die Universität der Bundeswehr zu einer liberal-demokratischen Einrichtung wird. Das Ansehen der Hochschule ist jetzt durch die rechtsextremen Tendenzen in der Studentenzeitung beschädigt worden", sagte Gantzer SPIEGEL ONLINE. Gantzer betonte, dass die Studenten als Offiziere in einem Dienstverhältnis mit der Bundesrepublik stehen und dadurch besonderen Pflichten unterliegen würden. Diese Pflichten habe der Chefredakteur der Studentenzeitschrift etwa dadurch verletzt, dass er "frauenfeindliche Artikel" in der Publikation zugelassen und die Anzeige des IfS platziert habe.

Zuvor hatte bereits Universitätspräsidentin Merith Niehuss ihre Sorge um den Ruf der Hochschule zum Ausdruck gebracht. In einem Brief an die Studenten und Mitarbeiter der Bundeswehr-Universität schrieb sie, dass zwar weder die "Junge Freiheit" noch das "Institut für Staatspolitik" derzeit vom Verfassungsschutz beobachtet würden: "Ich möchte dennoch darauf hinweisen, dass nach meiner Auffassung hier eine politische Nähe zum Rechtsextremismus nicht auszuschließen ist und dass diese Affinität zur "Neuen Rechten", die mit der Schaltung der Anzeige in unsere Universität einzieht, eine politische Richtung auf den Campus bringt, die weder an der Universität noch auch im Bereich des BMVg (Bundesverteidigungsministerium, Anmerkung der Redaktion) hingenommen werden kann."

Über die Zusammensetzung der "Campus"-Redaktion entscheidet der Studentische Konvent. Das nächste Treffen des Gremiums ist für den Herbst vorgesehen. Böcker, der am Dienstag für eine SPIEGEL-ONLINE-Anfrage nicht zu erreichen war, hatte allerdings zuletzt signalisiert, dass er an seiner Position festhalten wolle.

SPD-Mann Gantzer erwartet klare Schritte des Verteidigungsministeriums. Es könne nicht sein, "dass nach dem Grundsatz Tarnen und Täuschen die Redaktion einer Studentenzeitung unterwandert wird." Auf seinen Brief erhielt Gantzer bislang keine Reaktion. Auch eine schriftliche SPIEGEL-ONLINE-Anfrage zu den Vorgängen bei "Campus" blieb am Dienstag unbeantwortet.



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Seite 1
Geometretos 20.07.2011
1. ?
Zitat von sysopDie Münchner Bundeswehr-Uni ist wegen der eigenen Studentenzeitschrift alarmiert: In dem Blatt werden*krude Thesen über den Militärdienst von Frauen verbreitet. Dazu erscheint die Anzeige einer fragwürdigen Organisation. Die SPD*verlangt eine Klarstellung des Verteidigungsministers.** http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,775361,00.html
Was ist jetzt, bitte, rechtsextrem an der Ansicht, daß Frauen weniger kampftauglich als Männer sind?
Falke2006 20.07.2011
2. Nur die halbe Wahrheit?
Zitat von sysopDie Münchner Bundeswehr-Uni ist wegen der eigenen Studentenzeitschrift alarmiert: In dem Blatt werden*krude Thesen über den Militärdienst von Frauen verbreitet. Dazu erscheint die Anzeige einer fragwürdigen Organisation. Die SPD*verlangt eine Klarstellung des Verteidigungsministers.** http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,775361,00.html
Dass die "kruden Thesen" anerkannten soziologischen Studien der amerikanischen und israelischen Streitkräfte entnommen sind und in dem Heft dem Gegenstandpunkt genauso Raum gegeben wurde, wird vorsorglich nicht erwähnt. Der erwünschte Eindruck, dass an der UniBw "rechtsextreme Tendenzen" vorhanden wären, könnte ja relativiert werden.
Growling Mad Scientist 20.07.2011
3. Nicht verboten, aber unerwünscht
Zitat von sysopDie Münchner Bundeswehr-Uni ist wegen der eigenen Studentenzeitschrift alarmiert: In dem Blatt werden*krude Thesen über den Militärdienst von Frauen verbreitet. Dazu erscheint die Anzeige einer fragwürdigen Organisation. Die SPD*verlangt eine Klarstellung des Verteidigungsministers.** http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,775361,00.html
Toller Artikel, wirklich! Bundeswehr angeblich von rechtsaußen unterwandert?! Wo steht das im Artikel, nirgends?! Rechts außen hieße ja eigentlich, der Pole oder der Russe hätte uns unterwandert... Und dann noch das Statement (siehe oben). Nicht verboten, wird angeblich nicht überwacht, aber böse... ja so ist das mit der Meinungsfreiheit, die Meinung ist nur dann gut, wenn sie ins politische Bild paßt. Was ist überhaupt dieser über allem schwebende Rechtsextremismus? Früher konnte man ihn erkennen, dass er gegen Ausländer war... heute ist es schon Rechtsextremismus wenn Mann meint, dass Frauen nichts bei der Bundeswehr zu suchen haben. Der ist ganz schön wandelungsfähig und schwer zu fassen, dieser Rechtsextremismus der zum Mundtot machen, von anderen Meinungen genutzt wird.
Foul Breitner 20.07.2011
4. Denke mal
nach der Frauen Fußballweltmeisterschaft wird sich das grundlegend ändern.
kaiserjohannes 20.07.2011
5. Gehts nicht etwas kleiner?
wenn man also gegen den Gender Mainstreaming ist, dann gehört mann schon zu Rechtsaußen?
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