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25. November 2014, 14:51 Uhr

Koalitionsstreit

Gabriel attestiert Kauder ein Frauenproblem

Für SPD-Chef Gabriel ist die Frauenquote beschlossene Sache. Die Kritik von Unionsfraktionschef Kauder an Familienministerin Schwesig weist er entschieden zurück. Auch andere Sozialdemokraten sind empört.

Berlin - Kurz vor dem Koalitionstreffen am Abend im Kanzleramt erhitzt die Frauenquote die Gemüter bei Union und SPD. Unionsfraktionschef Volker Kauder polterte gegen Familienministerin Manuela Schwesig und hielt ihr vor, "weinerlich" zu sein. Nun schaltet sich SPD-Chef Sigmar Gabriel ein und gibt seiner Ministerin Rückendeckung.

"Wenn Männer das als nervig empfinden, zeigt das eher, dass Männer ein Problem haben", sagte Gabriel. Es sei auch Schwesigs Aufgabe "zu nerven, wenn die Dinge so im Argen liegen". Frau Schwesig mache "einen exzellenten Job, und wir werden ihre Vorschläge umsetzen." Kauder hatte am Morgen gesagt: "Die Frau Familienministerin soll nicht so weinerlich sein, sondern sie soll den Koalitionsvertrag umsetzen, dann ist alles in Ordnung."

Bundeswirtschaftsminister Gabriel betonte, er rechne am Abend mit einer Einigung der Großen Koalition auf das Paket für eine gesetzliche Frauenquotevon 30 Prozent. "Ich gehe davon aus, dass wir heute Abend eine Übereinkunft darüber schaffen werden", sagte Gabriel im Hinblick auf ein Treffen der Koalitionsspitze am Abend.

"Unsäglicher Machospruch"

Auch andere Mitglieder der SPD-Spitze reagierten empört auf Kauders Wortwahl. "Ich finde, das war ein unsäglicher Machospruch von Herrn Kauder. Das zeugt von großer Überheblichkeit und schlechter Kinderstube", sagte Generalsekretärin Yasmin Fahimi der "Nordwest-Zeitung". "Herr Kauder sollte seine Worte in Zukunft sorgfältiger wählen. Für mich ist es eine Frage des Stils im Umgang unter Koalitionspartnern."

Geplant ist eine Frauenquote von 30 Prozent für Aufsichtsräte von über 100 börsennotierten Unternehmen in Deutschland. Alle Selbstverpflichtungen der Vergangenheit hätten nicht zum Erfolg geführt, sagte Gabriel.

CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt wiederholte ihre Kritik und sagte, die Bedenken ihrer Partei seien noch nicht ausgeräumt. "Uns geht es nicht um das Ob, sondern um das Wie." Zum Beispiel dürften keine aufwendigen Berichts- oder Begründungspflichten für Unternehmen festgeschrieben werden.

Kritik kam auch aus der Wirtschaft: Der Präsident des Industrieverbandes BDI, Ulrich Grillo, bekräftigte seine ablehnende Haltung gegenüber der Frauenquote. Die Wirtschaft sei zwar prinzipiell für einen höheren Frauenanteil, auch auf den Führungsebenen, dieses sei durch gesetzliche Vorgaben aber nicht erzwingbar. "Wir brauchen absolut keine gesetzlichen Quoten", sagte Grillo.

loe/dpa/REUTERS

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