Kauder zu Frauenquote "Die Frau Familienministerin soll nicht so weinerlich sein"

Unionsfraktionschef Kauder poltert: "Es muss auch mal gut sein." Die Frauenquote werde umgesetzt, mehr aber nicht. Ministerin Schwesig hatte gefordert, Unternehmen müssten dokumentieren, wenn sie die Vorgabe nicht einhalten.

Familienministerin Schwesig: Plant eine 30-Prozent-Quote für die Aufsichtsräte
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Familienministerin Schwesig: Plant eine 30-Prozent-Quote für die Aufsichtsräte


Berlin - "Die Frau Familienministerin soll nicht so weinerlich sein, sondern sie soll den Koalitionsvertrag umsetzen, dann ist alles in Ordnung", forderte Unionsfraktionschef Volker Kauder im ZDF-"Morgenmagazin". Der Koalitionsvertrag werde umgesetzt, aber nichts darüber hinaus, sagte Kauder. Das gelte auch für die Frauenquote. "Es muss auch mal gut sein."

Familienministerin Manuela Schwesig und Justizminister Heiko Maas (beide SPD) haben einen Gesetzentwurf vorgelegt, der eine 30-Prozent-Quote für die Aufsichtsräte der 108 größten deutschen Unternehmen vorsieht. Auch sollen Aufsichtsratssitze frei bleiben, wenn sie nicht mit einer Frau besetzt werden können. Pläne, die so im Koalitionsvertrag stehen.

Darüber hinaus hat Schwesig gefordert, dass Unternehmen zu genauen Angaben darüber verpflichtet werden sollen, warum sie die Vorgaben zur Quote nicht einhalten. Daran stößt sich nun Kauder: "Wir müssen jetzt vor allem für die Wirtschaft da sein." Deswegen dürfe es keine neuen zusätzlichen Belastungen für die Firmen geben. Der Entwurf der Ministerin beinhalte zu viele bürokratische Belastungen. Kauder nimmt am Abend an einem Koalitionstreffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel teil, bei dem es auch um die Frauenquote gehen soll. Zuvor will Merkel bereits in einem gesonderten Treffen mit den zuständigen Ministern über Lösungen zum Thema beraten.

Außerdem ging der Unionsfraktionschef auf die Unstimmigkeiten in der Koalition zum Umgang mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ein: Kauder warnte - ohne CSU-Chef Horst Seehofer direkt zu nennen - vor einer Diskussion: "Die Kanzlerin hat vor der Bundestagsfraktion ausdrücklich erklärt, dass die Regierung in dieser Frage abgestimmt sei", sagte er. "Wir haben jetzt wirklich wichtige Aufgaben." Seehofer hatte dem SPIEGEL gesagt: Wenn Außenminister Frank-Walter Steinmeier eine eigene Diplomatie neben der Bundeskanzlerin betreibe, wäre das "brandgefährlich".

vek/dpa/AFP

insgesamt 95 Beiträge
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monolithos 25.11.2014
1. Quote ist grundgesetzwidrig
Die Frauenquote ist und bleibt grundgesetzwidrig, weil sie bei ihrer Anwendung einen Mann dafür diskriminiert, dass er als Mann auf die Welt gekommen ist. Daran kann auch der Streit zwischen Schwesig und Kauder nichts ändern. Das wird unser Verfassungsgericht hoffentlich bald bestätigen. Zudem ist eine Quote nur für Aufsichtsräte Rosinenpickerei, die der Wähler abstrafen wird. Warum fordert Frau Schwesig keine Frauenquote für die Mitarbeiter der Müllabfuhr? Wahrscheinlich weil sie der Meinung ist, diese "Drecksarbeit" (sorry für diesen Begriff, liebe Müllmänner, ich sehe Eure Arbeit als sehr wichtig an) können Männer ruhig machen. Frauen sind für was Besseres da, z.B. eben eine Aufsichtsratstätigkeit. Dass mit der Frauenquote Frauen zu Quotenfrauen herabdiskriminiert werden, scheiont sie auch nicht zu verstehen. Vor ein paar Jahren noch hätte ich nicht gedacht, dass unser Land mal in so ein dämliches Männlein-Weiblein-Denken zurückfällt.
seelenklemptner 25.11.2014
2. Ahhhhhh
Ich kann das Geheule auch nicht mehr hören. Was bitte haben Quoten mit Gleichstellung zu tun??? Hier tragen einige wohl eher ihre Erbärmlichkeit zu Tage! Wann hat dieses absurde Theater endlich ein Ende, damit wir uns endlich wieder den wichtigen politischen Fragen widmen können?
kabian 25.11.2014
3. Wählerinnenbetrug
Ich halte die Frauenquote zwar für Unsinn, aber wenn eine Regierung das beschließt muss sie es auch umsetzen und(!) kontrollieren, sonst ist diese Frauenquote nur ein Feigenblatt auf einem Stück Papier.
_Hirn_Tod_ 25.11.2014
4. Das Thema ist echt lustig :)
Lass mal überlegen: Die Anzahl der Männer in Vorständen und Aufsichtsräten ist anscheinend zu hoch, aber z.B. die Anzahl der Müllmänner ist genau richtig !? Um mal so das Thema Gleichberechtigung und Frauenquoteauf andere Bereiche zu erweitern ;)
dorok 25.11.2014
5. Sexistische Klischees
Und der Herr Unionsfraktionschef soll nicht so unterste Schublade sein! Wenn Männern keine Argumente mehr einfallen, dann müssen die sexistischen Klischees her: Frauen werden dann abwertende Ettiketten angehängt wie "weinerlich", "hysterisch", "emotional", "überreagierend", usw. Dass Herr Kauder zu dieser Altherren-Strategie greifen muss, zeigt, wie groß seine Not sein muss.
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