"Die Blauen" Spekulation über neue Petry-Partei

Nach ihrem Bruch mit der AfD arbeitet Frauke Petry offenbar an der Gründung einer neuen Partei. Bereits im Juli wurde die Domain "DieBlauen.de" registriert, bestätigt nun Petry.
Frauke Petry und Marcus Pretzell

Frauke Petry und Marcus Pretzell

Foto: Bernd von Jutrczenka/ dpa

Eines steht fest: Frauke Petry und ihr Ehemann Marcus Pretzell wollen die AfD verlassen. Nun scheinen sie bereits an einer neuen Alternative zu basteln - unter dem Namen "Die Blauen".

Denn bereits am 3. Juli wurde die Internetdomain "DieBlauen.de" registriert. Die Anmelderin nennt sich "Frauke Petry", die Postanschrift sei dieselbe wie bei Petrys einstiger Patentanmeldung für Reifenfüllstoffe, wie der AfD-Berichterstatter bei der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Justus Bender, als Erster auf Twitter schrieb. Inzwischen gibt es auch einen entsprechenden Twitter-Account unter demselben Namen, bei diesem scheint es sich allerdings um ein Fake-Profil zu handeln.

Petry bestätigt Anmeldung einer Internet-Domain "Die Blauen"

Auf die Frage, ob Frauke Petry die Internetdomain "DieBlauen.de" Anfang Juli angemeldet habe, sagte am Mittwochmorgen zunächst ihr Büroleiter Oliver Lang zum SPIEGEL: "Das wird nicht kommentiert." Im Klartext heißt das: Das Büro von Petry dementiert nicht ausdrücklich, dass ein solcher Name angelegt wurde.

Wenig später bestätige Petry selbst am Rande einer Sitzung des sächsischen Landtags in Dresden, eine Internetadresse "DieBlauen.de" angemeldet zu haben. Eine Partei stecke aber nicht dahinter, beteuerte sie. Das "Blau" verkörpere eine Idee, sei aber kein Parteiname. Sie werde sich zu gegebener Zeit dazu äußern. Es sei noch zu früh, um über Details zu sprechen: "Mehr möchte ich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht darüber sagen." Petry bekräftigte, dass sie politisch aktiv bleiben wolle.

Die "Blauen" erinnert an die FPÖ

Auch wenn Petry nun erklärt, es gehe nicht um eine neue Partei, so würde die Bezeichnung politisch Sinn machen: Petry verfügt über gute Kontakte zur rechtspopulistischen FPÖ in Österreich, die dort umgangssprachlich auch unter der Bezeichnung "Die Blauen" firmiert. Zudem ist die Farbe Blau das markante Erkennungszeichen der hiesigen AfD auf ihren Fahnen und Logos.

Zuletzt hatte Pretzell, AfD-Landes- und Fraktionschef in Nordrhein-Westfalen, auf die Frage nach Gründung einer neuen Partei vielsagend erklärt: "Lassen Sie sich überraschen." Hinweise, dass Petry an einer neuen Partei arbeitet, gibt es in der AfD seit Längerem. Wochen vor der Bundestagswahl wurde bereits von Petry-Gegnern um die neuen Fraktionschefs Alexander Gauland und Alice Weidel spekuliert, sie wolle nach der Wahl eine eigene Gruppe im Bundestag gründen und sich von der Fraktion abspalten.

SPIEGEL ONLINE

Am Dienstag hatten Petry und Pretzell ihren anstehenden Austritt aus der AfD angekündigt. Petry eroberte bei der Bundestagswahl in Sachsen ein Direktmandat für die AfD, Pretzell ist Landtagsabgeordneter in NRW und sitzt auch für die AfD noch im Europaparlament.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Pretzell hatte am Morgen den Bruch mit der AfD mit den Worten verteidigt: "Das ist eine Frage von Politikfähigkeit", sagte er im ZDF. (Lesen Sie hier den Bericht "Rechts draußen".) Ob einer möglichen neuen Partei unter Petry und Pretzell viele AfD-Mitglieder folgen werden, ist offen. Bislang sieht es danach nicht aus: Nur zwei Abgeordnete aus Sachsen und ein Parlamentarier aus NRW hatten am Dienstag angekündigt, ihre jeweiligen AfD-Landtagsfraktionen zu verlassen.

Die AfD-Führung reagiert demonstrativ gelassen auf eine mögliche Parteineugründung . "Das macht uns überhaupt keine Sorge", sagte die Chefin der AfD-Bundestagsfraktion, Alice Weidel, in Berlin. Sollte Petry mit Getreuen eine neue Partei gründen, wäre diese "zum Scheitern verurteilt", erklärte sie am Mittwoch am Rande der Fraktionssitzung, auf der die Wahl weiterer Vorstandsmitglieder ansteht. Weidel und Gauland waren am Dienstag von der neuen AfD-Fraktion mit 80 von 93 möglichen Stimmen zum Duo an der Fraktionsspitze gewählt worden.

"Alternative Mitte" will Petry nicht folgen

Bislang gibt es noch keine Hinweise für verstärkte Austritte aus der AfD nach den Ankündigungen von Pretzell und Petry. Dirk Driesang, Gründer der "Alternativen Mitte" und einer der bisherigen Gefolgsleute Petrys im AfD-Bundesvorstand, hat im Gespräch mit dem SPIEGEL klargestellt: "Wir werden nicht aus der Partei austreten und Petry auch nicht folgen". Er sagte weiter: "Wir müssen innerhalb der Partei kämpfen. Das Beispiel von Bernd Lucke zeigt, dass eine Abspaltung von der AfD aussichtslos ist. Eine Abspaltung von der AfD ist eine Totgeburt,", so Driesang. Die "Alternative Mitte" ist eine Interessengemeinschaft von AfD-Mitgliedern, die von Driesang im Sommer angesichts des zunehmenden rechten Kurses ins Leben gerufen wurde und für einen gemäßigten Kurs eintritt.

AfD-Mitgründer Lucke hatte im Sommer 2015 nach dem verlorenen Machtkampf gegen Petry die AfD verlassen und eine neue Partei ins Leben gerufen. Zwar sitzt Lucke mit Mitstreitern seiner Partei noch im Europaparlament, politisch aber spielt sie keine Rolle.

Anmerkung der Redaktion: Frauke Petry hat sich erst nach Veröffentlichung unseres Artikels selbst mit einer Stellungnahme zu Wort geäußert und die Anmeldung einer Internetdomain bestätigt.

apr/sev/cte
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.