Liebe und Politik Petrys Ehe-Problem

Ein enger Mitarbeiter von Frauke Petry klagt, er sei von ihrem Mann um das versprochene Gehalt geprellt worden. Stürzt die AfD-Vorsitzende über die Liebe zu einem Hasardeur?

Frauke Petry, Marcus Pretzell
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Frauke Petry, Marcus Pretzell

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Es gab in der AfD immer eine Frage, auf die niemand eine rechte Antwort hatte: Warum lässt sich eine zielstrebige, ambitionierte Frau wie Frauke Petry mit einem Mann ein, dem das Wort "halbseiden" auf der Stirn geschrieben steht?

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Heft 15/2017
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Ich könnte Marcus Pretzell, den Lebensgefährten und heutigen Ehemann der AfD-Chefin, auch einen Filou nennen, aber es läuft auf das Gleiche hinaus. Man muss sich nur Fotos ansehen und man erkennt, wie ich finde, sofort das Unseriöse und Krull-hafte an dieser Figur.

Seit dem Wochenende ist das Rätsel noch größer geworden. Mit einem Mal scheint möglich, dass Petry alles verliert, was sie sich aufgebaut hat, weil sie das Politische und das Private nicht zu trennen vermag.

Pretzell hat einen Vertrag unterzeichnet, an den er sich nicht gebunden fühlt. Das muss einen, wenn man sich ein wenig in seinem Lebenslauf auskennt, nicht weiter wundern. Aber dieser Vertrag bestand nicht mit irgendeinem Geschäftspartner, der sich nun übervorteilt fühlt, sondern zu einem engen Mitarbeiter, dem ehemaligen "Focus"-Redakteur Michael Klonovsky, der im vergangenen Sommer als Medienberater bei der Parteivorsitzenden anheuerte.

4000 Euro, so steht es in dem Vertrag, waren als monatliches Honorar vereinbart, dafür sollte Klonovsky Pretzell bei Reden und Pressekonferenzen zur Hand gehen. Die Konstruktion war ein wenig umständlich: Eigentlich ging es darum, den "Focus"-Mann als Petrys Assistenten zu installieren, aber für die sächsische AfD-Fraktion war das vereinbarte Gehalt zu hoch. Also sprang der EU-Parlamentarier Pretzell mit der Zusage ein, einen Teil der Kosten zu übernehmen.

Pretzell sagt nun, dass es keine Leistung gegeben habe, die zu honorieren er verpflichtet gewesen sei. "Es hat mit dieser Person nie einen Arbeitsvertrag gegeben. Er hat mir seine Arbeitskraft nie angeboten", lautete seine Erklärung. Auf dem Blog von Klonovsky erschien darauf das Manuskript einer von ihm verfassten Rede, die Pretzell zum Tag der deutschen Einheit nahezu wortgleich vorgetragen hatte.

Es folgten Screenshots eines SMS-Verkehrs, indem sich Pretzell für geleistete Arbeit bedankte ("Danke, das ist wirklich großartig"), gefolgt von der Mahnung des Redensschreibers, endlich die Außenstände zu begleichen ("Kann es sein, dass die Sache grundlegend schiefläuft?").

Warum ich das alles so ausführlich beschreibe? Weil ich glaube, dass der Vorgang das Potenzial hat, Petry nachhaltig zu schaden. Wenn mich nicht alles täuscht, dann sind die Aussichten der Parteichefin, ihre Gegner niederzuringen, seit dem Wochenende dramatisch schlechter geworden.

Der Grund ist nicht, dass Pretzell wegen der Angelegenheit möglicherweise Fragen der Staatsanwaltschaft über sich ergehen lassen muss. Es gibt eine Anzeige, weil die fälligen Sozialbeiträge angeblich nicht abgeführt wurden. Aber derlei ist man bei der AfD gewohnt. Würden an das Spitzenpersonal die normalen Kriterien der bürgerlichen Wohlanständigkeit angelegt, wären die Reihen schon längst deutlich gelichtet.

Das Problem an der Causa Klonovsky ist, dass nun offen zutage liegt, wie wenig das Ehepaar Petry-Pretzell in der Lage ist, Loyalität zu stiften. Es ist eine Sache, missliebige Journalisten oder parteiinterne Gegner zu Feinden zu erklären. Es ist etwas völlig anderes, wenn sich enge Mitarbeiter gegen einen wenden, weil sie sich betrogen fühlen. Wenn eine Spitzenpolitikerin nicht in der Lage ist, den engsten Kreis zusammenzuhalten, wie will sie dann begründen, dass sie eine Bewegung erfolgreich führen kann?

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Eine große Stärke von Frauke Petry ist die Schwäche der Gegner. Bislang war man schnell am Ende, wenn es um die Frage ging, wer denn stattdessen der AfD Gesicht und Stimme geben könne. Der Melancholiker Gauland, der von der Renaissance der englischen Adelswelt auf deutschem Boden träumt? Der seltsame Geschichtslehrer Björn Höcke, der die Leute mit seinen Fantasien einer erinnerungspolitischen Kehrtwende erschreckt?

Von den vorzeigbaren Leuten aus dem Westen wiederum hat niemand die Bekanntheit und das Format, die AfD in den Bundestagswahlkampf zu führen. Aber diese Form der Abschreckung trägt nur bis zu einem gewissen Punkt. Irgendwann fragt sich jede Partei, die in die Parlamente will, welches Maß an Hasardeurtum sie sich an der Spitze leisten kann. Dieser Moment könnte schon in zwei Wochen auf dem Parteitag in Köln gekommen sein.

Viel von dem Misstrauen und dem Widerwillen, die Petry aus den eigenen Reihen entgegenschlagen, hängen mit dem Mann zusammen, an den sie ihr Herz verschenkt hat. Pretzell hat ein besonderes Talent, Menschen gegen sich aufzubringen - das ist eine eher ungünstige Voraussetzung, wenn man sein Glück in der Politik machen will.

Vielleicht hat man Petry immer falsch gesehen. Alles in ihrem Leben schien darauf ausgerichtet, besser und perfekter zu sein als die anderen. Sie hat Naturwissenschaften studiert, was einen zu der Annahme verleitete, dass sie ein besonders rationaler Mensch sei. Ihr halbes Leben stand sie treu an der Seite eines braven Theologen. Jetzt hat sie in kurzer Zeit nicht nur das Parteiengefüge in Deutschland durcheinandergebracht, sondern auch noch die eigene Familienkonstellation in die Luft gesprengt.

Die Grünen haben immer für sich reklamiert, unangepasst und wild zu sein. Gegen die Radikalität, mit der die AfD-Vorsitzende ihren Lebensentwurf verfolgt, sind die Grünen die reinsten Pfarrerstöchter. Mir imponiert es sehr, wenn man alles der Liebe unterordnet. Ich glaube nur, dass man Politik und Gefühle trennen sollte. Der Meinung war ich schon bei den Grünen.



insgesamt 153 Beiträge
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Seite 1
twistie-at 10.04.2017
1. man erkennt ihn sofort...
ich habe ihn einmal nachgeschlagen, den Herrn Pretzell. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/frauke-petry-und-marcus-pretzell-haben-geheiratet-a-1127237.html und dann Herrn Fleischhauer https://de.wikipedia.org/wiki/Jan_Fleischhauer abgesehen davon, dass ich per se bezweifle, dass man jemandem "etwas ansehen kann", fällt es mir schwer, hier Unterschiede zu sehen. So ist der Beitrag entweder selbstironisch verfasst oder er krankt schon am Anfang an einer Oberflächlichkeit.
Baikal 10.04.2017
2. Prima, wenn Politik
ganz einfach ins Persönliche gezogen werden kann. Dann sind doch alle Probleme schnell gelöst und es geht weiter so im alternativlosen Trott. Nur wird das Erwachen dann um so fürchterlicher wenn die Probleme dann richtig durch- und zuschlagen werden.
bloedelsachse 10.04.2017
3. Yellow Press Niveau
Mehr fällt mir dazu nicht ein.
sven2016 10.04.2017
4.
Man sieht ihm schon an wie Unseriös er ist? Ich dachte eigentlich, solche Qualifizierungen seien im 20. Jhdt. liegen geblieben? Die Vorwürfe der Vertragsverletzung müssen noch geklärt werden, wenn ich den Artikel richtig lese?
scooby11568 10.04.2017
5. Fleischhauer, der Fraukenversteher...
schaut mal, wie zahm der plötzlich werden kann. Was für ein Gesülze!
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