Bundestagswahl 2017 Petry warnt AfD-Anhänger vor "Entgleisungen"

Lautstark störten AfD-Anhänger Wahlkampfveranstaltungen von Kanzlerin Merkel und anderen Politikern. Damit soll Schluss sein, fordert Parteichefin Petry - sie wundere sich, dass da von der "Parteilinie" abgewichen werde.

AfD-Chefin Frauke Petry hat ihre Parteimitglieder aufgefordert, bei Wahlkampfveranstaltungen von Kanzlerin Angela Merkel künftig auf lautstarke Störaktionen zu verzichten. Harte Auseinandersetzungen gehörten zur Demokratie, auch Gegendemonstrationen seien legitim. "Fakt ist jedoch, Störattacken, egal von welcher Seite, sind keine politischen Interessensbekundungen, sondern schlicht antidemokratische Entgleisungen", sagte Petry.

In den vergangenen Wochen waren mehrere Wahlkampfauftritte durch Pfiffe, Pöbeleien und Buhrufe gestört worden. Dabei waren unter anderem AfD-Plakate hochgehalten worden. Für Aufsehen hatten die Störaktionen in Bitterfeld gesorgt, an denen sich der AfD-Landtagsabgeordnete Hans-Thomas Tillschneider beteiligte.

Die Ablehnung von Störaktionen sei in der Partei eigentlich Konsens, sagte Petry. "Umso mehr überrascht es mich, wenn jetzt von dieser Linie abgewichen wird." Nach Angaben von Petry ist die AfD selbst oft von Störern belästigt worden. Die Parteimitglieder sollten sich aber davor hüten "nur um vermeintlicher medialer Aufmerksamkeit willen - mit gleicher Münze zurückzuzahlen". Petry schärfte ihren Parteikollegen ein: "Wir wollen bürgerliche Wähler erreichen. Gerade diese fühlen sich von lautstarkem Geschrei aber nicht angesprochen."

SPIEGEL ONLINE

Vergangenen Freitag hatten Demonstranten - darunter NPD- und AfD-Anhänger Merkel beim einem Auftritt in Vorpommern ausgebuht und ihr Auto mit Tomaten beworfen. Auch in Heidelberg war die Kanzlerin Ziel von Anfeindungen, eine Rede in Torgau wurde massiv gestört.

Doch nicht nur Wahlkampfveranstaltungen von Merkel und der CDU werden immer wieder gestört. Zuletzt wurde auch Sigmar Gabriel in Halle von offenbar rechtsradikalen Gegendemonstranten lautstark angegangen. Der Vizekanzler hielt dagegen. "Meine persönliche Überzeugung ist: Man muss sich diesen Leuten klar entgegenstellen und ihre Scheinargumente entlarven. Und man muss differenzieren", erklärte er seine Haltung im Interview mit SPIEGEL ONLINE. (Das ganze Interview lesen Sie hier.)

Merkel hatte angesichts der Anfeindungen und Störaktionen zuletzt die Parteien aufgerufen, sich stärker zur Wehr zu setzen. Politiker müssten "gerade in die Orte gehen, wo Menschen mutig sind und sich dem trotzdem entgegenstellen", sagte die Kanzlerin.

Wer steckt hinter Civey?

Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.