Freigelassene Ex-RAF-Terroristin Mohnhaupt will in Baden-Württemberg leben

Meldung von Wohnort und Arbeitsstelle, regelmäßiger Kontakt zu Polizei und Bewährungshelfer - nach ihrer Haftentlassung muss Brigitte Mohnhaupt fünf Jahre lang Kontrollauflagen erfüllen. Die ehemalige RAF-Terroristin will nach über 24 Jahren Haft in Baden-Württemberg ein neues Leben beginnen.

Frankfurt am Main - Die frühere RAF-Terroristin muss sich nach ihrer Haftentlassung von nun an fünf Jahre lang regelmäßig bei der Polizei melden. Das sagte der Stuttgarter Generalstaatsanwalt und frühere RAF-Ankläger, Klaus Pflieger, heute zum TV-Sender N24 zu den Bewährungsauflagen für die 57-Jährige, die gestern Morgen aus der Haft entlassen worden war.

Außerdem muss sie demnach angeben, wenn sie ihren Wohnort wechselt und wenn sie Arbeit aufnimmt. "Sie hat also gewisse Kontrollauflagen. Und sie muss Kontakt zu einem Bewährungshelfer halten, damit man sie schlicht und einfach über fünf Jahre unter Kontrolle hat. Das ist das Ziel, dass man in einer gewissen Übergangszeit so einen Haftentlassenen zu kontrollieren versucht", betonte der ehemalige Bundesanwalt.

Offenbar wird Mohnhaupt nach über 24 Jahren in Haft in Baden-Württemberg ein neues Leben beginnen. Dass Mohnhaupt in den Südwesten kommen würde, "stand schon seit Wochen im Raum", sagte Georg Zwinger, Geschäftsführer der privaten Bewährungshilfe "Neustart", der Nachrichtenagentur dpa.

Den genauen Wohnort Mohnhaupts wollte Zwinger zum Schutz ihrer Person nicht preisgeben. Zu Berichten, sie könnte in Karlsruhe leben und arbeiten, nahm er nicht Stellung. Ihre Familie hatte über lange Jahre im Raum Karlsruhe gelebt. Mohnhaupt werde auch als Prominente von lediglich einer Person betreut, sagte Zwinger. Größtes Anliegen des Bewährungshelfers werde wie bei anderen Ex-Häftlingen sein, einen Rückfall zu vermeiden.

Zudem müsse Mohnhaupt das Leben in Freiheit neu lernen. Für jemanden, der fast ein Vierteljahrhundert hinter Gittern verbracht habe, seien zum Beispiel Handys und Bankautomaten völlig neue Dinge, erläuterte der Geschäftsführer der Organisation "Neustart". Der Bewährungshelfer werde aber auch versuchen, mit Mohnhaupt ihre Taten aufzuarbeiten.

JVA-Chef verteidigt nächtliche Haftentlassung

Die Haftentlassung Mohnhaupts in den frühen Morgenstunden des gestrigen Sonntags begründete der Leiter der Justizvollzugsanstalt Aichach, Wolfgang Deuschl, mit dem Wunsch der früheren Terroristin, den Reportern zu entgehen: "Das Medieninteresse war sehr gewaltig. Frau Mohnhaupt wollte gerne entlassen werden, ohne sich der Presse zu stellen, und wir haben versucht, ihr dabei zu helfen", sagte Deuschl im Bayerischen Rundfunk.

An der günstigen Sozialprognose für Mohnhaupt zweifle er nicht. "Das ist immer nicht einfach für jemanden, der so lange in Haft war, von heute auf morgen zu gehen. Einmal muss der Zeitpunkt kommen. Sie wird versuchen, sich in die Gesellschaft wieder so einzubringen, wie es notwendig ist", sagte Deuschl.

Bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP) stößt die Freilassung der früheren Terroristin auf Unmut. GdP-Chef Konrad Freiberg sagte heute in Berlin, diese Entscheidung sei zwar "rechtsstaatlich nicht zu beanstanden". Für ihn als Polizisten bleibe aber "ein Gefühl der Bitternis". Freiberg kritisierte, Mohnhaupt zeige keine Reue. Außerdem habe sie nicht zur Aufklärung terroristischer Taten beigetragen. Dies mache es schwer, ihre Freilassung "gefühlsmäßig zu akzeptieren".

Mohnhaupt-Anwalt wirft Stoiber Populismus vor

Freiberg sprach sich zugleich gegen eine Begnadigung des einstigen RAF-Terroristen Christian Klar aus. Der GdP-Chef betonte: "Wenn ich um Gnade bitte, dann muss ich die Gnade auch verdienen." Dies bedeute, dass man Einsicht in sein Verhalten zeige, seine Taten bereue und dies auch gegenüber den Opfern und der Öffentlichkeit deutlich mache.

Der Anwalt der Ex-Terroristin wirft dem bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) Populismus vor. Stoiber hatte die Freilassung Mohnhaupts als "Provokation für das Rechtsgefühl der breiten Mehrheit" bezeichnet. Anwalt Franz Schwinghammer sagte heute in Regensburg, er glaube, dass Stoiber ebenfalls eine Provokation für bestimmte Bevölkerungsschichten sei. Er fügte hinzu: "Warum Stoiber nun so handelt und diese Welle reitet, darüber lässt sich nur spekulieren."

Mohnhaupt galt in den siebziger und achtziger Jahren als führender Kopf der sogenannten "zweiten Generation" der RAF. Zum Aufenthaltsort seiner heute 57-jährigen Mandantin wollte der Anwalt keine Angaben machen.

phw/AP/ddp/dpa