Freigelassener Angler Genscher vermittelte im Fall Klein

Zuletzt machte auch der Altmeister der Diplomatie Druck: Ex-Außenminister Genscher hat Anfang März bei einem Besuch in Teheran im Fall des inhaftierten Deutschen Donald Klein vermittelt. Wenige Tage später war der deutsche Angler frei - was selbst die Bundesregierung überraschte.

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Hamburg/Berlin - Hans-Dietrich Genscher (FDP) war am 5. und 6. März auf Einladung seines früheren Amtskollegen Ali Akbar Welajati nach Teheran gereist. Das Bonner Büro des früheren Außenministers bestätigte heute gegenüber SPIEGEL ONLINE einen entsprechenden Bericht der "Süddeutschen Zeitung". Die Gesprächstermine waren hochkarätig besetzt: Denn außer mit Welajati, der heute außenpolitischer Berater des geistlichen Führers Ayatollah Chamenei ist, kam Genscher in der iranischen Hauptstadt auch mit dem jetzigen Außenminister Manuschehr Mottaki, dessen Stellvertreter und dem iranischen Chefunterhändler im Atomstreit, Ali Laridschani, zusammen.

Donald Klein (auf einem undatierten Privatfoto): Freiheit nach 15 Monaten Haft in Teheran
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Donald Klein (auf einem undatierten Privatfoto): Freiheit nach 15 Monaten Haft in Teheran

Bei den Gesprächen, so heißt es aus Genschers Büro, sei es um "bilaterale und multilaterale Themen" gegangen, ein Hinweis darauf, dass - wie auf Wunsch des Auswärtigen Amtes schon bei zahlreichen Politiker-Reisen nach Teheran zuvor - auch der Fall des inhaftierten Deutschen Donald Klein auf der Agenda stand. Auf jeden Fall hatte Genscher einen Brief von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) im Gepäck, in dem dieser an die iranische Führung appellierte, Klein endlich freizulassen. Aus diplomatischen Kreisen war zu hören, dass Genschers Gesprächspartner diesem durchaus Hoffnung auf eine baldige Begnadigung des Hochseeanglers machten.

Dass es dann so schnell ging, davon war sogar die Bundesregierung überrascht, wie ein Sprecher des Auswärtigen Amtes heute sagte. Zuletzt habe man aber auf allen diplomatischen Ebenen den iranischen Behörden klar gemacht, dass "wir erwarten, dass Klein freigelassen wird" - insbesondere da am 25. Februar bereits dessen einstiger, französischer Skipper und Begleiter Stéphane Lherbier vorzeitig entlassen worden war.

Klein und Lherbier waren am 29. November 2005 bei einem Angeltrip nahe der iranischen Insel Abu Mussa festgenommen worden. Im Januar 2006 wurden beide wegen illegalen Eindringens in iranische Hoheitsgewässer zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt.

Steinmeier war gestern am Rande des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen in Genf selbst mit seinem iranischen Amtskollegen Mottaki zusammengekommen. Das war heute aus dem Auswärtigen Amt zu hören. Offenbar bekam er von diesem Signale, dass die Freilassung unmittelbar bevorstehen könnte. Daraufhin wies Steinmeier den deutschen Botschafter Herbert Honsowitz in Teheran an, sich für den Fall der Fälle bereit zu halten. Der fuhr schließlich gegen Abend ins Teheraner Evin-Gefängnis, wo er Klein dann tatsächlich nach 15 Monaten Haft in seine Obhut nehmen konnte.

Keine Gegenleistungen

Als Steinmeiers Flugzeug gerade zur Landung in Berlin ansetzte, informierte der Botschafter den Außenminister telefonisch über die Freilassung. Noch im Flieger überbrachte Steinmeier Klein telefonisch seine Glückwünsche und ließ sich umgehend auch mit dessen Frau Karin im pfälzischen Lambsheim verbinden.

Inzwischen wartet Klein in Teheran nur noch auf ein Ausreisevisum, um möglichst schnell in die Heimat zurückkehren zu können. "Der schwierigste Teil der Bemühungen liegt hinter uns", sagte Steinmeier heute in Berlin. Nun erledige man die Ausreiseformalitäten. Die Bundesregierung hofft, dass Klein noch in dieser Woche wieder bei seiner Familie ist.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck betonte, dass im Gegenzug für die Begnadigung Kleins keine in Deutschland inhaftierten Iraner freigelassen worden seien. Der SPIEGEL hatte Anfang Januar berichtet, Teheran habe bei Gesprächen über eine vorzeitige Begnadigung gegenüber deutschen Diplomaten mehrfach den Namen Kazem Darabi ins Spiel gebracht. Darabi war Drahtzieher des Anschlags auf das Restaurant "Mykonos" in Berlin, bei dem 1992 im Auftrag Irans vier iranisch-kurdische Oppositionelle liquidiert wurden.



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