Wulff nach Freispruch "Jetzt werde ich erst mal meinen Sohn aus dem Kindergarten abholen"

Christian Wulff ist vom Vorwurf der Vorteilsannahme freigesprochen und zeigte sich nach dem Urteil erleichtert. "Nun kann ich mich wieder der Zukunft zuwenden", sagte der ehemalige Bundespräsident - und setzte das gleich in die Tat um.

Freispruch für Wulff: Ex-Bundespräsident zeigt sich erleichtert
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Freispruch für Wulff: Ex-Bundespräsident zeigt sich erleichtert


Hannover - Was tut ein ehemaliger Bundespräsident nach einem richterlichen Freispruch? Er holt seinen Sohn vom Kindergarten ab. Das kündigte Christian Wulff an, der sich nach dem Urteil des Landgerichts Hannover erleichtert gab. Seine Kinder würden "ihren Vater etwas erleichterter erleben", als das in den vergangenen beiden Jahren der Fall gewesen sei, sagte Wulff. Das Gericht urteilte am Donnerstag, für den Vorwurf der Vorteilsannahme im Amt gebe es keine Belege.

"Das Recht hat sich durchgesetzt. Nun kann ich mich wieder der Zukunft zuwenden", sagte Wulff. Er wolle sich künftig verstärkt um jene Themen kümmern, "die mir immer am Herzen gelegen haben". Das Urteil müsse er erst noch auf sich "wirken lassen". Sein Anwalt Michael Nagel erklärte, der Freispruch des Gerichts sei eine Ehrenerklärung für den Bundespräsidenten a.D. gewesen.

Der Richter hatte nach dem Urteilsspruch an die Öffentlichkeit appelliert, den Freispruch des Ex-Bundespräsidenten nicht zu klassifizieren. "Es gibt nur schuldig oder unschuldig. Ein bisschen schwanger geht nicht", sagte Richter Frank Rosenow am Ende seiner Urteilsbegründung. "Es gibt schlicht keine schlagkräftigen Beweise gegen die Angeklagten."

Das Gericht habe nicht eindeutig feststellen können, dass Wulff Vorteile angenommen habe und dass es eine Unrechtsvereinbarung zwischen ihm und Filmfinancier David Groenewold gegeben habe. Auch habe sich kein Beleg dafür finden lassen, dass Wulff bemerkt habe, dass Groenewold 400 Euro von seiner Hotelrechnung übernahm. Außerdem habe Wulff glaubhaft versichert, dass er ihm 110 Euro Kosten für einen Babysitter erstattet habe.

Wird Revision eingelegt?

Der ehemalige Bundespräsident stand zusammen mit Groenewold vor Gericht, weil dieser 2008 für ihn rund 720 Euro Kosten während eines Oktoberfestbesuchs übernommen hatte. Wulff war damals niedersächsischer Ministerpräsident. Später warb der CDU-Politiker bei Siemens um Unterstützung für einen Film, den Groenewold produzierte.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover sagte zu dem Urteil: "Wir werden uns nun sehr genau die Urteilsgründe ansehen und dann schauen, wie wir reagieren." Eine Revision müsste spätestens eine Woche nach dem Urteil eingelegt werden.

"Wir werden diese Zeit nutzen, um das Urteil zu prüfen", sagte der Celler Generalstaatsanwalt Frank Lüttig. Er kritisierte die Argumentation des Gerichts, dass sich ein Ministerpräsident wohl nicht für die im Raum stehende Summe von 720 Euro kaufen lasse. "Wenn für das Gericht diese Frage im Vordergrund stand, hätte es das Verfahren gar nicht eröffnen dürfen."

vek/dpa/AFP

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ihrwisstnix 27.02.2014
1. Verdiente Politiker ...
... sind aus anderem Material gemacht und bereichern sich nicht lfd. an Dritten, lassen sich aushalten und tappen von einem Fettnapf in den nächsten. Bei dem Ehrensold könnten sich viele ganz entspannt der Zukunft zuwenden. Trauerspiel!
mehrhirnbitte 27.02.2014
2. Ausser bei schweizer Wetterfröschen gilt
"Es gibt nur schuldig oder unschuldig. Ein bisschen schwanger geht nicht". Das klang beim Richter im Kachelmann-Prozess aber noch anders, oder? Ich liebe diese "Berechenbarkeit" unseres Justizapparates. Natürlich machen auch 700 Euro gefügiger, was denn sonst? Warum kosten Dinge im Laden nicht 20 Euro sonder 19,90 EUR? Weil sogar das einen Unterschied macht.
rkcndy 27.02.2014
3. Einfach nur absolut lächerlich..
..wie Politiker, die nicht mehr die offizielle oder inoffizielle Richtung passen, weil sie möglicherweise Bedenken zur Unterschriftenleistung beim ESM oder dergleichen mehr hatten, mittels Affairen und Gerichtsverfahren abserviert werden. Anderen Ortes werden Milliarden versenkt und verschoben. Hätte Herr Wulff in die Linie gepasst, wäre die "Vorteilsnahme" nie beanstandet worden. Herr Gauck passt da viel besser als himmlischer Botschafter von Freiheit, Demokratie und Verantwortung in die Linie.
RioTokio 27.02.2014
4.
Zitat von sysopDPAChristian Wulff ist vom Vorwurf der Vorteilsnahme freigesprochen und zeigte sich nach dem Urteil erleichtert. "Nun kann ich mich wieder der Zukunft zuwenden", sagte der ehemalige Bundespräsident - und setzte das gleich in die Tat um. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/freispruch-wulff-will-sich-jetzt-der-zukunft-zuwenden-a-956007.html
Wulff läßt sich nicht für 720€ kaufen und erst recht nicht für den Preis einer halben Hotelübernachtung. Darum ging es ja. Hier einen Zusammenhang mit einem Wochen später zu schreibenden Brief herzustellen war schon immer aussichtslos. Das Verfahren wurde also nur eröffnet, um die Volksseele zu beruhigen. Das ganze Verfahren wird 1 - 2 Mio. Euro gekostet haben. Die Staatsanwaltschaft hätte locker noch ne Millionen draufgelegt. Sind ja Beamte und ist ja nicht ihr Geld. Das ist der eigentliche Skandal.
charly136 27.02.2014
5. Freut uns ALLE einen EX-Präsidenten
als treusorgenden Familienvater mit Freizeit! Gabriel muss sich die Zeit "stehlen" wenn er seinen Sohn vom Kindergarten abholt. Dass Politiker in den 50-er so ein ausgeprägtes Familienleben betreiben - bewundernswert.......
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