Schlag gegen Rechtsterrorismus Der Zugriff von Freital

Einsatzkräfte haben am Dienstagmorgen mutmaßliche Mitglieder der rechtsterroristischen "Gruppe Freital" festgenommen. Was ist über die Verdächtigen bekannt? Wie lauten die Vorwürfe? Der Überblick.

Spezialeinheit GSG9 bei einer Übung (Archiv)
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Spezialeinheit GSG9 bei einer Übung (Archiv)

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Die GSG 9 ist am frühen Morgen in der sächsischen Kleinstadt Freital angerückt. Dabei haben die Spezialkräfte der Bundespolizei vier Männer im Alter von 18 bis 39 Jahren und eine 27-jährige Frau festgenommen, die Mitglieder in der rechtsterroristischen Vereinigung "Gruppe Freital" sein sollen .

  • Was wird den Verdächtigen vorgeworfen?

Bei den Festgenommenen handelt es sich um Justin S., 18, Rico K., 39, Maria K., 27, Sebastian W., 26, und Mike S., 26. Die Bundesanwaltschaft wirft vier von ihnen versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung vor. Außerdem sollen sie für zwei Sprengstoffexplosionen und Sachbeschädigungen verantwortlich sein. Den fünften Verdächtigen beschuldigen die Behörden unter anderem der versuchten gefährlichen Körperverletzung. Sie alle sollen zudem Mitglieder in einer rechtsterroristischen Vereinigung sein: der "Gruppe Freital".

Deutschlandflagge an Haus in Freital
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Deutschlandflagge an Haus in Freital

  • Was ist über die "Gruppe Freital" bekannt?

Die Gruppe soll sich im Juli 2015 zusammengeschlossen haben, um unter der Führung von Timo S., 27, und Patrick F., 24, Anschläge auf Flüchtlinge und Linke zu verüben. Die beiden mutmaßlichen Anführer sitzen seit einiger Zeit in Untersuchungshaft.

Nach Erkenntnissen der Ermittler schlugen die mutmaßlichen Terroristen im vergangenen Herbst mehrfach zu: Im September in Freital, im Oktober in Dresden und in der Nacht zum 1. November in Freital. Dabei wurde ein Mensch verletzt.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE tauschte sich die Gruppe in einer geschlossenen Messenger-Gruppe aus. "Schwarzen Chat" nannten sie ihren verschlüsselten Kommunikationsraum. Wenn sie dort von ihren Aktionen sprachen, nutzten sie Codes. Ihre Sprengsätze etwa nannten sie "Obst".

  • Wie lief der Einsatz, und was haben die Ermittler gefunden?

Die Ermittler rückten mit mehr als 200 Einsatzkräften an. Im Auftrag des Generalbundesanwalts nahmen die Beamten am frühen Morgen gegen 4 Uhr die fünf mutmaßlichen Rechtsterroristen fest.

Die Beamten durchsuchten auch mehrere Wohnungen und Häuser. Dabei fanden sie mehr als 100 Feuerwerkskörper aus Tschechien, sogenannte "Polenböller". Die illegalen Sprengkörper können laut Experten die Wirkung einer Handgranate entfalten. (Lesen Sie hier alles Wichtige über "Polenböller".)

  • Wie reagierte die Politik auf die Festnahmen?

Die Bundesregierung hat die Festnahmen begrüßt: Den Sicherheitsbehörden sei "ein entscheidender Schlag gegen eine regionale rechtsterroristische Struktur gelungen", sagte Innenminister Thomas de Maizière . Der Zugriff habe möglicherweise weitere Anschläge auf Asylbewerberheime verhindert. Die Festnahmen zeigten zudem, dass der Staat konsequent und frühzeitig gegen rechtsterroristische Strukturen und Straftäter vorgehe.

Sein sächsischer Amtskollege Markus Ulbig (CDU) wertete die Festnahmen als Beleg für konsequentes Durchgreifen. Sein Land habe seinerzeit schnell und konsequent die Ermittlungen aufgenommen. Als sich die Hinweise für rechtsextreme Strukturen verdichteten, habe der Generalbundesanwalt den Fall übernommen.

Die Vorsitzende der Linken, Katja Kipping , nannte die Festnahmen ein "weiteres Indiz dafür, dass wir es in Sachsen mit richtig gefährlichen Leuten zu tun haben und dass sich dort braune Terrorstrukturen entwickeln".

Der Sprecher des Untersuchungsausschusses NSU II der SPD-Bundestagsfraktion, Uli Grötsch , sagte: "Die heutigen Festnahmen in Freital zeigen, dass ein schlagkräftiges Vorgehen der Sicherheitsbehörden der richtige Weg im Umgang mit Rechtsterroristen ist." Die Verfassungsschutzbehörden seien weiter gefordert, rechte Strukturen konsequent aufzuklären.

  • Was erwartet die Gruppe jetzt, und wie geht es in Sachsen weiter?

Die fünf Verdächtigen kommen zunächst in Untersuchungshaft - so wie die drei weiteren Verdächtige der "Gruppe Freital", die sich bereits seit einiger Zeit dort befinden. Gegen sie hatte das Amtsgericht Dresden Haftbefehle wegen Sprengstoffexplosionen und anderer Straftaten erlassen.

Offenbar wird noch gegen weitere Personen ermittelt. "Der Ermittlungskomplex ist durchaus größer, und weitere Aktivitäten laufen derzeit", sagte Sachsens Innenminister Ulbig, ohne Details zu nennen.

Generalbundesanwalt Peter Frank hatte bereits im Februar ein härteres Vorgehen gegen Rechtsterroristen angekündigt. Es müsse im Falle schwerer Übergriffe auf Asylbewerberheime "ein Gegenfanal gesetzt werden", sagte Frank im Interview mit dem SPIEGEL .

Mehr zu Freital bei SPIEGEL ONLINE:

  • Das sächsische Freital geriet im vergangenen Jahr mehrfach in die Schlagzeilen, vor allem weil es dort Angriffe auf Flüchtlingsheime gab - alles Wichtige dazu lesen Sie hier .
  • Die Details zum Einsatz und den Festnahmen der mutmaßlichen Rechtsterroristen lesen Sie hier .

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