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20. April 2019, 08:09 Uhr

"Fridays for Future"

FDP ringt um Verhältnis zu Klimaschützern

Von und

"Eine Sache für Profis": So kanzelte FDP-Chef Lindner die junge "Fridays for Future"-Bewegung kürzlich ab. Im SPIEGEL zeigen sich prominente Liberale nachdenklich. Ist ihre Partei herzlos?

Kurz vor dem 70. Parteitag ist in der FDP eine Debatte um den richtigen Umgang mit der Klimaschutzbewegung "Fridays for Future" entbrannt. Auslöser ist die Aussage von Parteichef Christian Lindner, Klimaschutz sei "eine Sache für Profis", und seine wiederholte Kritik an den Demonstrationen zur Schulzeit.

"Sympathie entsteht auch durch ökologische und soziale Sensibilität", sagt die langjährige FDP-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger im SPIEGEL. "Die tolle Jugendbewegung für Klima und Umwelt sollten wir unterstützen und mit ihr ins Gespräch kommen." (Lesen Sie hier die ganze Geschichte bei SPIEGEL+.)

Die stellvertretende Parteivorsitzende Marie-Agnes Strack-Zimmermann erinnert daran, dass die FDP in den Jahren 2009 bis 2013 durch falsche Intonation das Vorurteil bedient habe, die Liberalen seien herzlos und kalt. "Dieses Image ist nach wie vor präsent. Deshalb müssen wir in unserer Kommunikation besonders sensibel sein." Zwar dürften sich Liberale "keinen Knoten in die Zunge machen", so Strack-Zimmermann zum SPIEGEL, "aber bei Fragen wie zum Beispiel Klimaschutz, auf die es keine einfachen Antworten gibt, müssen wir unsere Worte vorsichtig wägen."

Der Unmut über Lindners Äußerungen ist auch deshalb groß, weil sie nicht zum Anspruch passen, den sich die wiederauferstandene FDP gegeben hat. "Empathisch" wollten die Liberalen künftig auftreten, so steht es im "Leitbild", das die Partei in der außerparlamentarischen Opposition beschloss, um die historische Niederlage von 2013 zu überwinden. Das Leitbild sei keine Lappalie, sagt die Vorsitzende der Jungen Liberalen, Ria Schröder. "Es ist die Pflicht der Gewählten, sich daran zu halten, auch bei so soften Themen wie Kommunikation."

"Lange Gespräche bei Tee und Möhrenkeks"

Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der FDP, Marco Buschmann, warnt hingegen davor, das Thema Empathie zu überschätzen. "Viele meinen, Empathie bedeutet, dass man in langen Gesprächen bei Tee und Möhrenkeks die Dinge immer wiederkäut", sagte Buschmann dem SPIEGEL. Empathie bedeute aber nicht, immer und unter allen Umständen zu jedermann nett zu sein. "Denn wir betreiben ja Willensbildung des Volkes. Und Streit ist das wirksamste Vehikel, um politische Argumente zu transportieren."

Natürlich sei es nicht die Absicht der FDP, die Klimademonstranten vor den Kopf zu stoßen. "Christian Lindner hat nicht gesagt, die Jugendlichen sollen nicht demonstrieren. Er hat nur darauf hingewiesen, dass es für die richtigen Konzepte gegen den Klimawandel den Sachverstand von Fachleuten braucht." Selbst die Grünen hätten ja mittlerweile zugegeben, dass manche Forderungen der Demonstranten technisch nicht umsetzbar seien, so Buschmann.

Er habe zwar Sympathien für Freidemokraten, die sich auf das Leitbild berufen, aber wichtiger als die Frage, wie man kommuniziert, sei die Frage, welches Programm man anbiete. "Wir sollten lieber über die materiellen als über die instrumentellen Dinge streiten."

Der klimapolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion Lukas Köhler sieht im Klimathema für die FDP Chance und Problem zugleich. Chance, weil es zeige, wie sich die FDP thematisch verbreitert habe. "Trotzdem gelten wir Klimaschützern gegenüber noch immer nicht als empathisch", sagte Köhler. "Wir haben technisch ausgereifte Konzepte, aber die sind oft so kompliziert zu erklären, dass sie emotional nicht rüberkommen."

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