Friedenswunsch Menschen drängen in die Kirchen, Papst warnt vor Krieg

Die drohende Kriegsgefahr am Golf hat zu Weihnachten ungewöhnlich viele Christen in Deutschland bewegt, den Gottesdienst aufzusuchen. Führende Vertreter beider Konfessionen nutzten ihre Predigten für einen Friedensappell. Auch der Papst warnte vor dem "unheilvollen Flackern eines Konflikts", der vermeidbar sei.

Hamburg/Rom - In Berlin waren die Kirchen zu Weihnachten so voll wie seit Jahren nicht mehr. Nach Angaben der beiden großen Konfessionen beteten die Gläubigen vor allem um Frieden. Im Dom und anderen großen Kirchen der Hauptstadt waren die nächtlichen Messen so stark besucht, dass Gläubige auf andere Gottesdienste verwiesen werden mussten.

Im Mainzer Dom forderte Kardinal Karl Lehmann am Ersten Weihnachtsfeiertag die Rückkehr zum christlichen Menschsein. "Wir Menschen haben oft die wirkliche Menschenfreundlichkeit verloren, auch wenn wir das Wort von der Liebe oft genug im Mund führen", sagte der Mainzer Bischof. Dabei gehe es genauso um den Umgang mit dem Menschen vor seiner Geburt wie den Umgang mit Behinderten, Kranken, seelisch Verwundeten, den Armen und unter Gewalt Leidenden und schließlich mit den Sterbenden, sagte er laut Manuskript.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Manfred Kock, rief zu einem aktiven Eintreten für den Frieden auf. In den Weihnachtspredigten schwang aber auch die Sorge um eine schwindende Bindung an die christlichen Werte und abnehmende Solidarität mit den Mitmenschen mit.

Mehrere Geistliche kritisierten deutlich um sich greifende Klagen über den Zustand in Deutschland. Der Limburger Bischof Franz Kamphaus sagte, es gebe eine negative Genüsslichkeit, die sich im Bejammern der Schattenseiten der Republik und der Kirche ergehe. "Wir Deutschen haben keinen Grund zu allgemeiner Trübsal", sagte der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke am Heiligabend.

Der drohende Krieg im Irak und der Nahostkonflikt standen im Mittelpunkt zahlreicher Predigten. "Wir müssen aufstehen gegen den Krieg", sagte am Abend Manfred Kock. Franz-Josef Bode, katholischer Bischof von Osnabrück, rief zu aktivem Widerstand gegen Krieg auf. "Die faktische Unerreichbarkeit der Geburtsstätte Jesu in Bethlehem und die neue Bedrohung durch einen Krieg im Irak müssen Stachel im Fleisch der Menschen sein, noch mehr um Frieden zu ringen", sagte er in seiner Weihnachtsbotschaft am Mittwoch.

Papst Johannes Paul II. rief die Gläubigen aller Religionen in seiner Weihnachtsbotschaft auf, "den Frieden aufzurichten: insbesondere im Heiligen Land, um die sinnlose Spirale blinder Gewalt zu stoppen, und im Nahen Osten, um das unheilvolle Flackern eines Konfliktes, der mit dem Einsatz aller vermeidbar ist, auszulöschen."

"Aus der Grotte von Bethlehem erhebt sich heute der dringende Ruf, dass die Menschheit dem Misstrauen, dem Zweifel und dem Argwohn nicht nachgebe, auch wenn das tragische Phänomen des Terrorismus Unsicherheit und Angst zu verbreiten droht", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche auf dem Petersplatz in Rom, wo er den traditionellen Segen "Urbi et Orbi" (der Stadt und dem Erdkreis) erteilte. Nach seiner Botschaft richtete er in 62 Sprachen - darunter Hebräisch und Arabisch - Weihnachtsgrüße an die Welt.

"Weihnachten ist ein Geheimnis der Freude!", sagte der Papst, der zum 25. Mal während seines Pontifikats Weihnachten feierte. Die Kirche sei "heute vom Licht des Gottessohnes durchflutet: Die Finsternis kann sie niemals überwältigen."

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