Umfrage zu Rechtsextremismus Populismus setzt der gesellschaftlichen Mitte zu

Selten war die Mitte so gefordert wie heute: Zu dem Fazit kommt eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung. Zwar sinke offener Rechtsextremismus – klare demokratische Grundhaltungen weichten allerdings auf.
Neonazis demonstrieren in München (Archiv)

Neonazis demonstrieren in München (Archiv)

Foto: Sachelle Babbar / picture alliance / ZUMAPRESS.com

Die Menschen in Deutschland sehen keine gesellschaftliche Gefahr so deutlich wie den Rechtsextremismus. Das geht aus der aktuellen Mitte-Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) hervor. Fast 70 Prozent der Befragten hier Lebenden nehmen diese der repräsentativen Untersuchung zufolge als Gefahr für Deutschland dar.

Danach gefragt, inwieweit verschiedene Herausforderungen eine Bedrohung für Deutschland seien,

Großteil der Mitte versteht sich als demokratisch

Unter dem Titel »Die geforderte Mitte« legte die Friedrich-Ebert-Stiftung ihre Studie mit Fokus auf rechtsextreme und demokratiegefährdende Einstellungen in der Mitte der Gesellschaft vor. Deutlich wird: Der Großteil der Mitte versteht sich als demokratisch. So sagten 73 Prozent der Befragten von sich selbst: »Ich bin ein überzeugter Demokrat/eine überzeugte Demokratin«, wohingegen sich 10 Prozent nicht als solche betrachten. Für 88 Prozent steht demnach die Würde und Gleichheit aller in einer Demokratie an erster Stelle.

Die gesellschaftliche Mitte scheine nach den rechtsextremen, rassistischen und antisemitischen Attentaten der vergangenen Jahre aufgewacht zu sein und erkenne den Rechtsextremismus als Gefahr für das Land, erklären die Verfasser die Ergebnisse.

Klare demokratische Haltungen weichen auf

Insgesamt sind offen artikulierte rechtsextreme Einstellungen der Studie zufolge rückläufig, was sich besonders deutlich bei der Fremdenfeindlichkeit zeigt. Viele Befragte seien sich der Gefahren eines neuen, antidemokratischen Populismus bewusst, der ein Einfallstor zum Rechtsextremismus biete, so die Erläuterung.

Wenngleich ein Großteil den Rechtsextremismus als Bedrohung erkenne und sich demokratisch positioniere, sei die Mitte dennoch mit einem neuen antidemokratischen Populismus konfrontiert, so die weitere Erläuterung.

Teile der Mitte sind den Ergebnissen zufolge offen für antidemokratische Positionen und vertreten selbst bei deutlich rechtsextremen Aussagen bisweilen mehrdeutige Meinungen. Eindeutig demokratische Grundhaltungen weichen demnach auf, was einen entsprechenden Trend fortsetzt.

Auch beim Antisemitismus sinkt die klare Ablehnung, so die Ergebnisse. Rassismus gegenüber schwarzen Personen äußert sich den Ergebnissen nach vor allem subtil. Außerdem nehme der Sozialdarwinismus zu.

»Die Mitte muss Position beziehen«

»Die Mitte ist hier in mehrfacher Hinsicht gefordert«, schrieben die Verfasser, »durch einen harten Rechtsextremismus, offenen Hass, aggressiven Populismus und schwelende Ressentiments im Alltag.« Die Mitte müsse sich klar positionieren und sich demokratiegefährdenden Haltungen auch in ihren eigenen Reihen stellen.

Die Erschöpfung durch die Coronapandemie und durch populistische »Dauerbefeuerung« und »Verschwörungserzählungen« böte demnach die Chance für eine demokratische Erneuerung. Ebenso setzen die Verfasser auf eine mögliche neue Sachlichkeit und Solidarität in Zeiten der Pandemie, die den Gefährdungen entgegenwirken sollten.

Daten zur Umfrage

Die Mitte-Studie basiert auf repräsentativen Befragungen, die die Friedrich-Ebert-Stiftung seit 2006 alle zwei Jahre in Auftrag gibt. Sie entstand in Kooperation mit dem Institut für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität Bielefeld.

Für die Mitte-Studie 2020/21 wurden zwischen 2. Januar und 17. Februar 2021 1750 repräsentativ ausgewählte, in Deutschland lebende Erwachsene telefonisch befragt. Grundlage für die Interviews bildete ein standardisierter Fragebogen. Die Auswertung erfolgte nach den Methoden der empirischen Sozial- und Einstellungsforschung.

Der Begriff der »Mitte« bezieht sich in der Studie auf mehr als die sozioökonomische Mittelschicht: Sie schließt eine heterogene Bevölkerung ein, von der sich ein großer Teil selbst als »Mitte« fühlt – als »richtig und normal«. Die Mitte gilt als Garant für Demokratie und ist entsprechend politisch umworben.

ire
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.