Umfrage vor CDU-Parteitag Große Mehrheit der Unionsanhänger will stärkere Rolle für Merz

Schlechte Nachrichten für CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer. Eine SPIEGEL-Umfrage zeigt: Viele Unionsanhänger wünschen sich eine stärkere Rolle für ihren Rivalen Friedrich Merz.
Friedrich Merz: "Ermutigt, weiter mitzuarbeiten"

Friedrich Merz: "Ermutigt, weiter mitzuarbeiten"

Foto: DPA/Felix Kästle

"Es geht nicht um einen Befreiungsschlag", hat Annegret Kramp-Karrenbauer über den bevorstehenden CDU-Parteitag gesagt. Sie will vermeiden, dass ein Jahr nach ihrer Wahl zur Nachfolgerin von Angela Merkel wieder die Personaldebatte im Zentrum steht. Dabei weiß Kramp-Karrenbauer: Sie könnte einen Befreiungsschlag gut gebrauchen.

Denn Friedrich Merz sitzt ihr im Nacken. Zwar hat der ehemalige Unionsfraktionschef ihr für das Treffen am Freitag und Samstag in Leipzig seine Unterstützung zugesagt. Gleichzeitig sprach er sich aber dafür aus, die Parteibasis an der Frage nach der Kanzlerkandidatur zu beteiligen.

Seine wahren Absichten und Ambitionen lässt er so weiter offen. Und die neue SPIEGEL-Umfrage des Online-Meinungsforschungsinstituts Civey dürfte ihn in dieser Haltung weiter "ermutigen", wie es Merz selbst gern formuliert.

So wünschen sich der repräsentativen Erhebung zufolge 71 Prozent der Unionsanhänger, dass Merz "eindeutig" oder "eher" mehr Gewicht in der Partei bekommt. Entgegengesetzter Meinung sind lediglich 20 Prozent.

Großen Zuspruch findet Merz zudem bei Anhängern von AfD und FDP, die auch mehrheitlich kritisch gegenüber Kramp-Karrenbauer sind. In beiden Lagern liegt die Befürwortung einer stärkeren Rolle des wirtschaftsliberalen Merz mit rund 77 Prozent sogar über dem Niveau der Unionsanhänger. Äußerst skeptisch ist ihm gegenüber dafür die Klientel von Grünen, SPD und Linken.

Für die Gesamtbevölkerung ergibt sich daraus ein gespaltenes Bild. Knapp 47 Prozent der Deutschen wünschen sich eine stärkere Rolle für ihn in der CDU, allerdings sind auch fast 40 Prozent für weniger Gewicht. Merz hat nach seiner knappen Niederlage gegen Kramp-Karrenbauer vor einem Jahr keinen bedeutenden Posten in der Partei mehr inne.

Das Ergebnis für Kramp-Karrenbauer fällt noch viel schlechter aus. Demnach finden zwei Drittel der Deutschen, dass die Verteidigungsministerin eine schwächere Rolle in der CDU einnehmen sollte. Nur knapp 15 Prozent wollen das Gegenteil.

Besonders schmerzhaft für die Parteivorsitzende: Auch von den CDU- und CSU-Sympathisanten wollen gut 54 Prozent, dass sie weniger Einfluss hat. Nur ein Viertel ist für eine "eindeutig" oder "eher" stärkere Rolle.

Die stärkste Ablehnung schlägt Kramp-Karrenbauer von Anhängern der AfD entgegen, die zu über 83 Prozent für eine "eindeutig" oder "eher" schwächere Rolle sind. Auch drei Viertel der FDP-Anhänger sind dieser Meinung.

Kramp-Karrenbauer war nach der Serie schlechter Wahlergebnisse in den vergangenen Wochen und Monaten unter Druck geraten. Angesichts schlechter Umfragewerte wurde auch ihre Eignung als Kanzlerkandidatin infrage gestellt. Für den Parteitag liegen auch mehrere Anträge für eine Urwahl des nächsten Spitzenkandidaten vor.