Vor CDU-Parteitag Merz will Basis an Kanzlerfrage beteiligen

Die Anhänger von Friedrich Merz formieren sich. Vor dem CDU-Parteitag mehren sich Stimmen, die Basis in die Kanzlerkandidatenfrage einzubeziehen. Merz hält das für richtig, stärkt der Parteichefin aber brav den Rücken.

Friedrich Merz und CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer: Die Kanzlerkandidatur wird eine wichtige Frage auf dem CDU-Parteitag in Leipzig
Wolfgang Kumm/DPA

Friedrich Merz und CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer: Die Kanzlerkandidatur wird eine wichtige Frage auf dem CDU-Parteitag in Leipzig


Es ist ein ungeschriebenes Gesetz in der CDU: Der Parteichef wird im Zweifel auch Kanzlerkandidat. Besonders die Anhänger von Friedrich Merz wollen mit dieser Tradition brechen und somit Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer als Kandidatin verhindern. Merz hat sich nun erneut zur Debatte geäußert.

Er sprach sich dafür aus, die Parteibasis auch an der Entscheidung über die Kanzlerkandidatur zu beteiligen. Er halte es "nach den Erfahrungen des letzten Jahres für gut und richtig, die Parteimitglieder an Personal- und Sachentscheidungen in Zukunft weiter gut zu beteiligen", sagte der frühere Unionsfraktionschef den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Mit Blick auf eine Urwahl des Kanzlerkandidaten sagte der knapp unterlegene Bewerber um den CDU-Vorsitz, über die Form der Mitgliederbeteiligung müsse diskutiert werden. Wichtig sei am Ende, dass CDU und CSU einen gemeinsamen Kanzlerkandidaten oder eine -kandidatin hätten.

Unterstützung von Röttgen

Zu eigenen Ambitionen auf die Kanzlerkandidatur sagte der Vizepräsident des CDU-Wirtschaftsrats, er fühle sich durch gute Umfragewerte "ermutigt, weiter mitzuarbeiten" und einen "positiven Beitrag zu leisten". Er finde es "wichtig, dass die CDU in ihrer ganzen Breite dargestellt wird und vertreten ist, sowohl in der Wirtschafts- und Sozialpolitik als auch in der Außen- und Sicherheitspolitik. Und genauso, was das Wertefundament unserer Arbeit als Christlich Demokratische Union angeht".

Für den mit Spannung erwarteten Parteitag in Leipzig sicherte Merz der CDU-Vorsitzenden Kramp-Karrenbauer öffentlich seine Unterstützung zu. Er werde sich zudem an der Aussprache zum Bericht der Vorsitzenden beteiligen "und einige wenige Anmerkungen machen zur Lage der Union und zu den Themen, die uns in den nächsten Jahren aus meiner Sicht beschäftigen müssten".

Stimmenfang #122 - Was ist aus der CDU geworden?

Neben der Jungen Union befürwortet auch Außenpolitiker Norbert Röttgen eine Beteiligung der Basis an der Kanzlerfrage. Er halte dies "prinzipiell für eine gute Idee", sagte Röttgen im "Morgenmagazin" des ZDF. "Ich bin für ein Mitgliedervotum, auch in solchen Personalfragen." Das Thema Urwahl könnte auf dem bevorstehenden CDU-Parteitag in Leipzig eine Rolle spielen. Die Junge Union forderte dies zuletzt ein.

"Ich finde, das können die Mitglieder entscheiden", sagte dazu Röttgen, der dem Auswärtigen Ausschuss des Bundestags vorsitzt. Zugleich schränkte er ein, dies gelte aus seiner Sicht für Verfahren, bei dem es um "überschaubare Personalentscheidungen" zwischen wenigen Bewerbern gehe. Einen kompletten parteiinternen "Kandidatensuchprozess", wie ihn die SPD derzeit praktiziere, halte er nicht für gut.



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mho/AFP/dpa



insgesamt 58 Beiträge
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carlitom 21.11.2019
1.
Egal, wen Merz alles einbeziehen will, solange die JU nicht alleine entscheidet, wird Merz es mit Sicherheit nicht.
schö 21.11.2019
2. Unentschieden
Für Merz die einzige Chance im Rennen zu bleiben. Auf dem Parteitag wird also nichts entschieden über die Rollenverteilung, aber über die Modalitäten des Kurses. Sofern der Mitgliederentscheid verworfen wird, kann sich Merz verabschieden. Aber vielleicht begnügt er sich ja auch mit einem Kabinettsposten etwa unter Laschet. Vielleicht will er auch nur eines: den baldigen Abgang von Merkel, der er zu recht vorwirft, die "Mehltau"-Kanzlerin zu sein.
Actionscript 21.11.2019
3. Die Probezeit ist vorbei.
Kramp-Karrenbauer hatte ihre Probezeit, mit der viele nicht zufrieden sind. Ihre Wahl war sowieso schon knapp gegen Merz. Daher ist Merz jetzt ein echter Gegner, und die CDU könnte das Verfahren ändern und den Kanzlerkandidaten separat wählen. Damit jedoch geht die CDU mit der Wirtschaftspolitik, die schon unternehmenfreundlich war, noch einen Schritt nach rechts. Vielleicht ist es gut so, damit endlich die Fronten geklärt sind. Mit Merz jedoch würden Koalitionen mit anderen Parteien ausser FDP schwierig. AFD Wähler würde er auch nicht anziehen es sei denn, die CDU ändert vollkommen ihre Migrations/Flüchtlingspolitik.
m.s.schneider 21.11.2019
4. Never ever.
Man muss es erklären wie im Kindergarten: Merz als Kanzler wäre wie Dracula als Chef einer Blutbank oder wie ein Drogensüchtiger als Nachtwächter in der Aservatenkammer. Und ich hab keinen blassen Schimmer, wie solche Gestalten, auch solche wie Lindner immer, immer, immer wieder von den Medien nach oben geschrieben werden, obwohl RICHTIGER Journalismus doch eigentlich immer, immer, immer wieder offenlegen müsste, WIE Merz zu seinem Geld gekommen ist, wer mit wem verbandelt ist und wie die Geldflüsse laufen. "Der kann Kanzler, weil der irgendwie auch Wirtschaft kann, sonst wär er ja nicht reich und so." Blödsinn! Einfach mal gucken, durch welche 'Leistung' er zu Geld gekommen ist. Das ist ganz einfach zu finden und hinterher möchte man sich Hände und Augen waschen.
brunnersohn 21.11.2019
5. Merz kannn kein Kanzler
weil er einfach zu sehr Lobbyist ist. Bei Merkel hatte ich diesbezüglich keine Bedenken. Merz kommt aus der Vergangenheit und zeigte ausser Querschüssen in den letzten Monaten keine weiteren Ideen- sschon gar keine staatstragenden.
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