»Gelegenheit nutzen« Merz drängt Staatsspitze zur Teilnahme an Gorbatschow-Begräbnis in Moskau

Noch ist unklar, ob Michail Gorbatschow ein Staatsbegräbnis bekommt. CDU-Chef Merz fände das angemessen – und fordert westliche Politiker auf, in diesem Fall nach Russland zu reisen.
Friedrich Merz beim Landesparteitag der CDU Niedersachsen

Friedrich Merz beim Landesparteitag der CDU Niedersachsen

Foto: Markus Hibbeler / dpa

Sollte es für den früheren sowjetischen Staatspräsidenten Michail Gorbatschow in Russland ein Staatsbegräbnis geben, sollte die deutsche Staatsspitze nach Meinung des CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz dorthin reisen. »Ich würde es jedenfalls den Staats- und Regierungschefs auf der europäischen Seite empfehlen, eine Einladung anzunehmen, wenn sie denn ausgesprochen wird«, sagte Merz dem Fernsehsender Bild TV.

Deutschland solle die »Gelegenheit nutzen«, »einen solchen Besuch dann zu machen«, sagte Merz weiter. Der CDU-Politiker hält nach eigener Aussage ein russisches Staatsbegräbnis für Gorbatschow für angemessen. Er bezeichnete Gorbatschow als »Glücksfall für die Bundesrepublik Deutschland«.

Gorbatschow war am Dienstagabend im Alter von 91 Jahren gestorben. Der weltweit geschätzte Politiker galt als einer der Väter der Deutschen Einheit und als Wegbereiter für das Ende des Kalten Krieges.

DER SPIEGEL

In den Achtzigerjahren hatte die Sowjetunion unter Gorbatschows Führung mit den USA wegweisende Verträge zur atomaren Abrüstung und Rüstungskontrolle geschlossen. In seiner Heimat hatte Gorbatschow als Generalsekretär der Kommunistischen Partei mit seiner Politik von Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) einen beispiellosen Reformprozess eingeleitet. Das brachte den Menschen in dem totalitären System bis dahin nie da gewesene Freiheiten.

»Die Welt sähe anders aus«

Gorbatschow soll am Samstag in Moskau beigesetzt werden. Für die Trauerfeier sei das in der Nähe des Kreml liegende »Haus der Gewerkschaften« mit seinem Säulensaal genehmigt worden, teilte Gorbatschows Tochter Irina der Nachrichtenagentur Interfax zufolge mit. Ob es ein Staatsbegräbnis gibt, konnte sie allerdings nicht sagen.

Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) hatte im SPIEGEL eine Gedenkveranstaltung im Bundestag zu Ehren Gorbatschows gefordert. »Unser Land hat Michail Gorbatschow viel zu verdanken«, sagte sie. »Ich unterstütze es, dass sein Verdienst für Frieden und die Wiedervereinigung im Deutschen Bundestag gewürdigt wird.«

Merz sagte Bild TV mit Blick auf die gegenwärtige politische Lage und den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine: »Stellen wir uns mal einen Augenblick vor, wir hätten einen Mann wie Gorbatschow heute als Präsidenten in Russland. Die Welt sähe anders aus.« Merz sagte, er sei sich sicher, dass es dann keinen Krieg gäbe.

kko/dpa
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