CDU-Hoffnung Merz "Ich schaue rein physisch auf viele Menschen von oben"

Friedrich Merz erklärt, warum er sich nicht für eitel hält, was er mit der CDU vorhat - und wie die Geschichte mit dem Obdachlosen wirklich war.
Ein Interview von Christoph Hickmann und Veit Medick
Christdemokrat Merz: "Die Grünen sind mir einfach zu rückwärtsgewandt"

Christdemokrat Merz: "Die Grünen sind mir einfach zu rückwärtsgewandt"

Friedrich Merz wehrt sich gegen den Vorwurf der Empathielosigkeit. Der Kandidat für den CDU-Vorsitz widerspricht der bisherigen, für ihn politisch nachteiligen Darstellung einer Begebenheit aus dem Jahr 2004. Damals hatte Merz in Berlin ein elektronisches Adressverzeichnis verloren, das ihm zwei Tage später von der Polizei übergeben wurde. Ein Obdachloser, so wurde es medial berichtet, hatte es gefunden und abgegeben. Merz ließ dem Finder daraufhin sein Buch überreichen: "Nur wer sich ändert, wird bestehen. Vom Ende der Wohlstandsillusion – Kursbestimmung für unsere Zukunft". Die Geschichte war 2018 öffentlich geworden, als Merz sich erstmals um den CDU-Vorsitz bewarb. Sie diente als Beleg für eine gewisse soziale Kälte des Politikers.

Merz äußert sich nun im SPIEGEL erstmals ausführlich zu den Vorwürfen. Die Polizeibeamten hätten ihm damals den Namen des Finders nicht nennen wollen, ihm aber ausrichten lassen, er solle dem Finder kein Geld geben, sondern ihm ein paar freundliche Zeilen schreiben und vielleicht noch ein kleines Präsent dazulegen. Das habe er "voller Dankbarkeit dann gemacht", damit sei das Thema für ihn erledigt gewesen. Er habe nicht gewusst, dass der Finder ein Obdachloser sei, sonst hätte er ihm das Buch nicht geschenkt.

Merz wehrt sich zudem gegen den von seinen Gegnern gegen ihn erhobenen Vorwurf, er sei eitel und arrogant. Das Bild stimme "mit der Wirklichkeit nicht überein", sagte der CDU-Politiker. Als mögliche Ursache für solche Zuschreibungen sehe Merz unter anderem seine Körpergröße. Er schaue "rein physisch auf viele Menschen von oben", sagte Merz.

Angesichts der demografischen Entwicklung spricht er sich für eine längere Lebensarbeitszeit aus. Die Generationengerechtigkeit sei für ihn die neue soziale Frage, betont Merz und stellt einen Kernpunkt der schwarz-roten Rentenpolitik infrage, die von der Koalition beschlossene sogenannte doppelte Haltelinie. Man werde "den Rentenversicherungsbeitrag nicht bei 20 Prozent und das Rentenniveau gleichzeitig bei 48 Prozent halten können", so Merz.

In der Debatte um den anwachsenden Rechtsextremismus fordert Merz seine Partei dazu auf, nicht mehr mit der gleichen Distanz auf Linkspartei und AfD zu blicken. Der Rechtsradikalismus in Deutschland habe "eine ganz andere Qualität und eine ganz andere Dimension als jede andere Form von politischem Radikalismus."

Lesen Sie hier das komplette Interview:

SPIEGEL: Herr Merz, Sie wollen CDU-Vorsitzender und Kanzlerkandidat werden, also Angela Merkel beerben. Wie ist Ihr Verhältnis zur Kanzlerin?

Merz: Gut.

SPIEGEL: Den Eindruck hatten wir bislang nicht. Was war denn die größte Leistung von Frau Merkel?

Merz: 15, vielleicht sogar 16 Jahre lang Kanzlerin dieses Landes zu sein.

SPIEGEL: Also keine inhaltliche Leistung?

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