"Wir verlieren Teile an die AfD" Gegenwind für Merz nach Bundeswehr-Äußerung

Friedrich Merz warnt: Die Union verliere Polizisten und Soldaten an die AfD. Horst Seehofer und Ursula von der Leyen reagieren brüskiert.

Friedrich Merz: Wie nahe stehen Soldaten und Polizisten der AfD?
DPA

Friedrich Merz: Wie nahe stehen Soldaten und Polizisten der AfD?


Friedrich Merz hat mit seiner Warnung, Polizisten und Soldaten könnten der AfD zu nahe stehen, für heftigen Streit innerhalb der Union gesorgt. "Wir verlieren Teile der Bundeswehr und der Bundespolizei an die AfD", sagte der Ex-Unionsfraktionschef im Interview mit der "Bild am Sonntag".

Diesen Eindruck hätten ihm Abgeordnete aus dem Innen- und Verteidigungsausschuss sowie Freunde bestätigt, die bei der Bundeswehr oder der Bundespolizei arbeiten. Viele fühlten sich von ihrem Dienstherren im Stich gelassen. "Der Vertrauensverlust betrifft jeweils die gesamte Institution", sagte Merz - und kritisierte damit indirekt Innenminister Horst Seehofer (CSU) und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU).

Seehofer attackierte Merz daraufhin scharf: "Er sollte die Bundespolizei nicht als Trittbrett für seine politische Karriereplanung missbrauchen." Ähnlich äußerte sich Verteidigungsministerin von der Leyen. Sie kritisierte zudem, Polizisten und Soldaten verdienten mehr Wertschätzung und "keine Mutmaßungen, wo sie ihr Kreuz machen".

Unterstützung für Merz durch Bundespolizeigewerkschaft

Der Vorsitzende der Bundespolizeigewerkschaft, Ernst G. Walter, sagte dagegen: "Die Aussagen von Friedrich Merz kann ich definitiv bestätigen. Auch mir bereitet es bereits seit Langem große Sorgen, dass immer mehr Kollegen sich nicht mehr von den etablierten Parteien vertreten fühlen und über 'Alternativen' nachdenken", sagte Walter dem "Handelsblatt".

Solange die AfD als einzige die Themen aufgreife, die Polizisten täglich umtrieben, sei es nicht verwunderlich, dass die Sympathie zunehme. "Wenn Sie zum Beispiel als Bundespolizist am Bahnhof Tag für Tag den gleichen Taschendieb, Drogendealer oder andere Kriminelle erwischen, die Gerichte die Täter aber umgehend wieder wegen angeblich guter Sozialprognosen auf freien Fuß setzen, dann kann das auf Dauer sehr frustrierend sein."

Das gelte auch für gescheiterte Rückführungen abgelehnter Asylbewerber, weil diese zuvor untergetaucht seien. Dies betreffe mehr als die Hälfte aller bei der Bundespolizei angekündigten Rückführungen.

koe/dpa

insgesamt 268 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
jawaba 23.06.2019
1. Hat er so unrecht?
Wenn man sich Sachsen anschaut, und wie dort mit Rechts ( Stichworte: Chemnitz, Plauen) umgegangen wird, bleibt schon festzustellen, dass Polizei dem Ganzen eine gewisse Sympathie oder Toleranz mit sich bringt oder brachte. Mit Kretschmer ist da eine Veränderung zu beobachten. Für den Westen trifft, das unter Berücksichtigung der Wahlergebnisse sicherlich nicht zu
Freidenker10 23.06.2019
2.
Mein vollstes Verständnis für den Frust der Polizei! Wundere mich sowieso das die überhaupt noch handlungsfähig sind bei diesem Spagat zwischen Judikative und Legislative denen eine linksliberale Haltung wichtiger ist als die innere Sicherheit. Auch als Soldat würde ich mich fürchterlich über die Politik ärgern, die die Bundeswehr wie eine 3. Welt Truppe aussehen lässt. Da hat Merz denke ich absolut Recht mit seiner Aussage!
jujo 23.06.2019
3. ....
Die Linken der 68ziger Bewegung propagierten den Marsch in die Insitutionen. Die Rechten brauchen das nicht zu propagieren. Die waren und sind bis heute dort vertreten bis in die höchsten Positionen!
fottesfott 23.06.2019
4. Merz hat leider recht
und das sicherste Mittel, um dies bei der Bundeswehr zu verhindern, ist die Wiedereinführung der Wehrpflicht. W15 mit dem berüchtigten "Abiturientenquartal" verhindert jedes größere Abdriften nach rechts bei den Zeitsoldaten.
mr.strahlemann 23.06.2019
5. Stimmt leider
Wenn die schlauen Herren sich einfach mal mit zehn Polizisten unterhalten würden, dann wüssten sie wie es aussieht. Heißt nicht, dass unsere Polizisten rechts sind, sondern sie sind Protestwähler. Sie sind die ersten, die eine verfehlte Politik zu spüren bekommen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.