Homophobie-Vorwurf Spahn kritisiert Merz-Aussage über Sexualität von Politikern

Hätte er ein Problem mit einem schwulen Bundeskanzler? "Nein", sagt Friedrich Merz in einem Interview. Doch seine weitere Aussage bringt ihm Kritik ein - auch aus der eigenen Partei.
Friedrich Merz

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Jo"!.à ¼rgen Heinrich / imago images/Jürgen Heinrich

Der Kandidat um den CDU-Vorsitz Friedrich Merz sieht sich nach Aussagen in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung Vorwürfen der Homophobie ausgesetzt. Auf die Frage, ob er Vorbehalte hätte, wenn heute ein homosexueller Mann Bundeskanzler würde, hatte Merz in dem Livegespräch zunächst knapp gesagt: "Nein."

Als der Moderator nachhakte, ob ein homosexueller Regierungschef für Merz "völlig normal" sei, ergänzte der CDU-Politiker: "Ich sage mal so, über die Frage der sexuellen Orientierung, das geht die Öffentlichkeit nichts an. Solange sich das im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft - an der Stelle ist für mich allerdings eine absolute Grenze erreicht - ist das kein Thema für die öffentliche Diskussion." Auf die erneute Nachfrage, ob ein schwuler Bundeskanzler "kein Tabu" sei, sagte Merz: "Überhaupt kein Thema für mich."

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Auf die Äußerungen des CDU-Politikers reagierte unter anderem Parteikollege und Gesundheitsminister Jens Spahn. Bei einer Pressekonferenz auf Merz' Aussagen angesprochen, sagte Spahn: "Na ja, wenn die erste Assoziation bei Homosexualität Gesetzesfragen oder Pädophilie ist, dann müssen Sie eher Fragen an Friedrich Merz richten, würde ich sagen." Weiter äußerte sich Spahn, der mit einem Mann verheiratet ist, nicht - doch das Statement kann als kaum verhohlene Kritik verstanden werden. Der Minister unterstützt im Rennen um den CDU-Vorsitz den nordrhein-westfälischen Regierungschef Armin Laschet.

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Kevin Kühnert, der sich in der Vergangenheit über seine eigene Homosexualität geäußert hatte, kritisierte auf Twitter: "So laviert jemand, der nicht kaschieren kann, dass er mit der Normalisierung des Umgangs mit Homosexualität eigentlich nichts anfangen kann." SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil kommentierte: "Friedrich möchte aus dem letzten Jahrhundert abgeholt werden." In der "Bild"-Zeitung fügte Klingbeil später hinzu: "Da ist eine deutliche Entschuldigung fällig."

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Merz' Sprecher Armin Peter trat einem Twitter-Kommentar entgegen, der in den Äußerungen eine Gleichsetzung von schwul und pädophil sah. "Diese Behauptung ist bösartig und schlicht falsch", schrieb Peter auf Twitter. "Friedrich Merz hat gesagt: 'Die sexuelle Orientierung geht die Öffentlichkeit nichts an, solange sie sich im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft.' Das gilt also für Heteros, Homos und alle anderen."

In einem Interview mit der "Welt" sagte Merz anschließend , ihm werde "ein bösartig konstruierter Zusammenhang" unterstellt, "der in keiner meiner Äußerungen vorkommt". Die Toleranzgrenze sei immer überschritten, wenn Kinder betroffen seien, "und da haben wir nun genug abscheuliche Dinge gesehen in letzter Zeit", sagte Merz. Wie er von der Frage nach einem schwulen Kanzler auf dieses Thema kam, blieb allerdings unbeantwortet.

Der CDU-Politiker betonte auch, er bewerte weder in seinem Arbeitsumfeld noch in seinem Freundes- und Bekanntenkreis irgendjemanden "anhand seiner sexuellen Orientierung". Das sei Privatangelegenheit. "In einer liberalen Gesellschaft gibt es unterschiedliche Lebensentwürfe", sagte Merz.

In der Vergangenheit war Merz allerdings wiederholt mit homophoben Kommentaren aufgefallen. Der "Bunten" sagte er 2001 über Berlins damaligen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD): "Solange er sich mir nicht nähert, ist mir das egal!" Bei einer Rede vor Tausenden CDU-Anhängern in Oberhausen sagte Merz einmal, er habe nichts gegen die Homo-Ehe - "solange ich da nicht mitmachen muss".

Bei seinem Comeback in die Politik 2018 sagte Merz dann: "Sexualität ist Privatangelegenheit. Unsere Gesellschaft ist toleranter geworden." Und das sei auch gut so, ergänzte Merz - eine Anspielung auf ein bekanntes Zitat von Wowereit.

mes/dpa
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