CDU-Machtkampf Laschet-Vertrauter Reul kritisiert Merz

"Schade, unnötig und unverständlich" - Armin Laschets Innenminister Herbert Reul wundert sich über die wütenden Vorwürfe von Friedrich Merz nach der Absage des CDU-Parteitags.
Rivalen Laschet, Merz

Rivalen Laschet, Merz

Foto: Michael Kappeler / picture alliance/dpa

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul hat Friedrich Merz für dessen harsche Vorwürfe nach der Verschiebung des CDU-Bundesparteitags kritisiert. "Ich finde die Aussage schade, unnötig und unverständlich", sagte der CDU-Politiker Reul dem SPIEGEL.

Obwohl er Merz schätze, könne er seine Reaktion nicht nachvollziehen, so Reul. "Ich kenne ihn lange genug, er ist ein kluger Mensch. Ich verstehe nicht, warum er das gesagt hat."

Der CDU-Bundesvorstand hatte den für den 4. Dezember geplanten Parteitag und damit auch die Wahl der neuen Parteispitze am Montag abgesagt und ins nächste Jahr verschoben. Der Grund: die explodierenden Corona-Infektionszahlen in Deutschland.

Merz hatte sich über die Entscheidung zutiefst verärgert gezeigt. In Interviews zweifelte er an, dass die Corona-Entwicklung ausschlaggebend für die Absage war. Stattdessen warf der dem "Partei-Establishment" vor, seine Wahl zum Vorsitzenden verhindern zu wollen. Gleichzeitig attackierte er seinen Konkurrenten Laschet: Dieser brauche noch mehr Zeit, um sich eine bessere Ausgangsposition zu verschaffen.

Reul, ein Vertrauter Laschets, widersprach den Mutmaßungen Merz'. Es wäre moralisch nicht vertretbar, den Parteitag wie geplant stattfinden zu lassen, so der NRW-Innenminister: "Wir können nicht von verantwortungsvollem Handeln reden und selber unverantwortlich handeln." Das könne man keinem Bürger erklären, mahnte Reul.

Auch Laschet selbst hatte am Dienstag betont, die Parteien müssten in der Corona-Pandemie Vorbild sein und könnten nicht mit tausend Delegierten zu einem Parteitag zusammenkommen. Das sei die "einzige Motivation" für die Verschiebung des Parteitags gewesen. Gleichzeitig nahm er seinen Rivalen Merz in Schutz. Es sei verständlich, "dass bei einer solchen Kandidatur auch Emotionen im Spiel sind".

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