SPIEGEL-Umfrage Große Mehrheit sieht in Merz-Wahl Bruch mit Ära Merkel

Friedrich Merz wird CDU-Chef – und die große Mehrheit der Unionsanhänger hält ihn für den Richtigen. Die SPIEGEL-Umfrage zeigt auch: Die meisten Deutschen erkennen in seiner Wahl einen Wendepunkt für die Partei.
Neuer CDU-Chef Friedrich Merz

Neuer CDU-Chef Friedrich Merz

Foto: Michael Kappeler / dpa

Mit 66 Jahren ist Friedrich Merz endlich am Ziel: Nach dem Sieg in der Mitgliederbefragung wählten ihn knapp 95 Prozent der Delegierten am Wochenende auf dem Onlineparteitag zum neuen CDU-Chef, ein überwältigendes Ergebnis für den Wirtschaftspolitiker (lesen Sie hier die Analyse). Formal muss dieses noch in einer Briefwahl bestätigt werden.

Ex-Kanzlerin Angela Merkel nahm an dem Parteitag nicht teil – was zur Einschätzung der Mehrheit der Deutschen passt, dass mit der Wahl des Nachfolgers von Armin Laschet endgültig ein neues Kapitel bei den Christdemokraten beginnt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für den SPIEGEL.

Demnach antworteten auf die Frage, ob die Entscheidung für Merz auch ein klarer Bruch mit der Ära Merkel sei, insgesamt 66 Prozent mit »Ja« oder »Eher ja«. Nur 20 Prozent sehen das nicht so.

Das Verhältnis zwischen Merkel und Merz gilt als angespannt, seit die damalige Parteichefin ihn im Jahre 2002 vom Unionsfraktionsvorsitz im Bundestag verdrängte. Zuletzt lehnte Merkel nach SPIEGEL-Informationen eine Einladung Merz' an alle noch lebenden CDU-Vorsitzenden für ein Abendessen am Abend des Parteitags ab (lesen Sie hier mehr). Der 66-Jährige, so heißt es, habe mit dem Vorschlag auch ein Zeichen der Versöhnung mit Merkel setzen wollen.

Bruch hin oder her – in der Unionsanhängerschaft kommt die Wahl den neuen Vorsitzenden gut an. Die sehr große Mehrheit der Sympathisantinnen und Sympathisanten von CDU und CSU hält Merz jedenfalls jetzt für den richtigen Parteichef: Mehr als 80 Prozent bejahen diese Frage. Auch unter den FDP-Anhängerinnen und -Anhängern gibt es viele Merz-Befürworter.

Am wenigsten Begeisterung weckt Merz erwartungsgemäß im Lager der potenziellen Wählerinnen und Wählern von SPD, Grünen und Linken. Das drückt auch den bundesweiten Zustimmungswert: Immerhin sind aber insgesamt 48 Prozent der Meinung, dass Merz der Richtige für die CDU ist.

Für Merz war es der dritte Anlauf auf den Parteivorsitz in drei Jahren. Hätte er schon früher Erfolg gehabt und die Union gar als Kanzlerkandidat in die vergangene Bundestagswahl geführt, dann wäre das Ergebnis besser ausgefallen als mit Armin Laschet – so sieht es zumindest die Mehrheit der Bundesbürger.

»Diese Partei lebt. Sie ist aktiv. Und sie erwartet jetzt von uns Führung, starke Führung und klaren Kurs«, sagte Merz am Wochenende in seiner Bewerbungsrede. Aber wie beurteilen die Wählerinnen und Wähler den Politikstil des neuen Vorsitzenden?

Tatsächlich gehören eine klare Positionierung (46 Prozent) und Führungsstärke (42 Prozent) zu den wichtigsten Eigenschaften, die die Menschen Merz zusprechen.

Nur 13 Prozent der Deutschen glauben dagegen, dass Merz eine »langfristige Vision« habe. Noch weniger (4 Prozent) sehen in seinem Politikstil »Transparenz« als erkennbares Merkmal, nur 9 Prozent bescheinigen ihm »Dialogbereitschaft«.

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