CDU-Postenfrage Wo Merz und Schäuble einander widersprechen

Er ist einer der wichtigsten Unterstützer: Im Kampf um den CDU-Vorsitz wirbt Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble für Friedrich Merz. Die beiden kennen und schätzen sich seit Langem - doch es gibt eine Unstimmigkeit.
Friedrich Merz und Wolfgang Schäuble

Friedrich Merz und Wolfgang Schäuble

Foto: Bernd Von Jutrczenka/ picture alliance / dpa

Wolfgang Schäuble hat sich öffentlich festgelegt. Schon lange galten seine Sympathien Friedrich Merz, nun hat er in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" keinen Hehl mehr daraus gemacht, wen er sich in dieser Woche auf dem CDU-Parteitag als neuen Parteichef wünscht. "Eine Mehrheit für Merz wäre das Beste für das Land", so der heutige Bundestagspräsident.

Das Interview mit Schäuble in der FAZ hat Wellen geschlagen, hat doch sein Wort als einer der erfahrensten und am längsten dienenden CDU-Politiker nach wie vor Gewicht. Der Wink kommt wenige Tage vor der Entscheidung: Am Freitag werden 1001-Delegierte auf dem CDU-Parteitag in Hamburg darüber abstimmen, wer von den drei aussichtsreichsten Kandidaten - Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz, Jens Spahn - künftig die Christdemokraten anführen wird.

So viel ist klar: Schäuble schätzt Merz, beide verbinde seit Längerem eine "persönliche Freundschaft". Für Verwirrung sorgt jedoch eine Passage in dem FAZ-Interview, in der sich Schäuble zu einer möglichen Funktion von Merz in den Neunzigerjahren äußert. Konkret geht es um jene Zeitspanne, in der Schäuble als Parteichef agierte, ein Amt, das er vom Herbst 1998 bis zur CDU-Spendenaffäre im Frühjahr 2000 inne hatte. Dabei geht es um die Frage, ob Merz einst von Schäuble gefragt wurde, CDU-Generalsekretär zu werden - einen Posten, den schließlich die heutige CDU-Vorsitzende Angela Merkel erhielt.

Das Interessante daran: Die Versionen der beiden Politiker über die Besetzung des damaligen Generalsekretärs-Posten weichen voneinander ab. In der FAZ war Schäuble zu Berichten gefragt worden, wonach Merz damals seine erste Wahl als Generalsekretär gewesen sei, aber abgesagt habe. Schäuble antwortete darauf wie folgt:

"Diese Berichte sind eine reine Erfindung. Ich wollte eine Frau als Generalsekretärin. Und ich bin übrigens auch derjenige, der Helmut Kohl 1994 - das war auch im vorigen Jahrhundert, Kohl war ja Bundeskanzler im vorigen Jahrhundert - darin bestärkt hat, Angela Merkel zur Umweltministerin zu machen. Ich habe ihm gesagt, die kann das, die hat auch die notwendige Durchsetzungskraft und Stärke. Ich habe früh gesagt, zu Zeiten, in denen Frau Merkel noch Generalsekretärin der CDU war, dass sie wohl die erste Frau sein würde, die Bundeskanzlerin wird."

Friedrich Merz wiederum wurde in der ARD-Dokumentation "Der interne Machtkampf der CDU - Wer folgt auf Merkel?" zum selben Vorgang befragt. Seine Antwort an den Journalisten Stephan Lamby gibt jedoch eine etwas andere Sicht auf das damalige Ereignis wieder:

"Der Wolfgang Schäuble hat mich damals gefragt, ich glaub, ich darf das heute 20 Jahre später auch sagen, ob ich Interesse daran hätte, Generalsekretär der CDU zu werden. Die Diskussion gab es damals auch öffentlich. Ich habe ihm gesagt, dass ich das eigentlich nicht gerne machen möchte. Sondern ich möchte in der Bundestagsfraktion bleiben. Und wir haben dann auch darüber gesprochen, wer denn sonst dann Generalsekretär werden könnte. Ich habe dann auch Angela Merkels Namen genannt."

Zwei CDU-Politiker, zwei Aussagen. Die nicht nur für Historiker spannende Frage lautet nun: Welche Version stimmt? Klar ist: In mehreren Medienberichten der damaligen Zeit war Merz als einer der vorderen Anwärter auf den Posten des CDU-Generalsekretärs genannt worden. Der SPIEGEL hatte etwa in der Ausgabe vom 26.10.1998 geschrieben, Schäuble habe die Idee verworfen, den schnittig-forschen Merz als Generalsekretär vorzuschlagen. Der zweite Mann der Partei dürfe nicht dem Vorsitzenden "sehr ähnlich" sein, er müsse "die ganze Breite der Volkspartei darstellen", wurde der damalige CDU-Chef indirekt zitiert.

Der SPIEGEL versuchte am Mittwoch, von beiden CDU-Politikern Stellungnahmen zu ihren widersprüchlichen Darstellungen zu erhalten. Das Büro von Merz erklärte dazu schriftlich: "Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns nicht äußern." Von Schäuble war bis zum Erscheinen dieses Textes keine Erklärung eingegangen.

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Mitarbeit: Florian Gathmann
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